Die Ambivalenz des Paradieses

Ausstellung : Die Ambivalenz des Paradieses

Internationale Künstlerinnen stellen bis Freitag, 16. November, ihre Schaukästen im Südbahnhof an der Saumstraße aus. Das Repertoire ist breit gefächert.

Was ist das Paradies? Das ist fernab jeglicher Vorstellung von Transzendenz auch immer ein Wunschglaube des Menschen, eine ideale Zukunftsvision im Hier und Jetzt. Eine Verheißung. Doch alles geht nicht ohne Brüche. Der Verein Düsseldorfer Künstlerinnen organisiert zu diesem Thema bis Freitag, 16. November, zusammen mit den Künstlerinnen des Werkhauses eine Ausstellung im Südbahnhof an der Saumstraße 9.

Der älteste Frauenverein Deutschlands, seine Gründung geht auf das Jahr 1911 zurück, will die persönlichen Wünsche, aber auch die Abgründe der unbiblischen Paradies-Vorstellungen beleuchten. An der Exposition „Paradise Boxes“ nehmen viele Künstlerinnen teil.

Thematik metaphorisch
in Szene gesetzt

Los ging es mit der Vernissage am Donnerstag. In Zeiten, „in denen es Hoffnung, Zuversicht und der Glaube an das Gute und Wahrhaftige nicht immer leicht haben“, wie es im Kommunique heißt. 20 Einzelobjekte werden die intellektuelle und künstlerische Auseinandersetzung ihrer Schöpferinnen mit dieser Thematik zeigen, durchaus metaphorisch in Szene gesetzt.

„Paradiesvorstellungen haben weltweit eine Entsprechung. Es sind Universalgedanken. Jeder bringt sich ein“, sagt die Neusser Bildhauerin Gudrun Schuster, die zusammen mit der freischaffenden Künstlerin Mauga Houba-Hausherr aus Krefeld die Idee einer Wanderausstellung auf der Zugfahrt aus dem polnischen Oppeln nach Berlin hatte, kurz nachdem sie am 8. März 2017 dort eine Kunstexposition besucht hatten. Der Südbahnhof sei dafür ein gutes Symbol der Bewegung: „Die Reise soll mehrere Jahre dauern. Es soll wachsen“, sagt Houba-Hausherr. Auch internationale Künstlerinnen werden vertreten sein. Alle werden ihre Ideen in gläsernen Kästen inszenieren.

Vor allem aber soll die Ambivalenz der persönlichen Vorstellungen deutlich werden. „Es geht uns auch um die Kehrseiten. Für den einen sind es Paradiese, für die anderen die Hölle. Wir drücken auch Warnungen aus“, sagt Schuster.

Das Repertoire ist erwartungsgemäß breit gefächert. Für die Niederländerin Aleksandra Zielinska-Govers ist das Paradies die Sehnsucht nach einem sauberen Ozean. Ein Urzustand.

Eva Schmutterer, die aus Deutschland auf eine norwegische Nordkap-Insel ausgewandert ist, zeigt ein kleines, rotes Haus inmitten einer stillen, weißen Landschaft. „Im Innern ist es warm und hell, und durch die Zimmer schweben, lautlos, gelbe Blüten.“

Eine „trügerische Verheißung“ sieht Corinna Bernshaus. Eine weiße Hand hält einen blutgetränkten Paradiesapfel, die Frucht der Sünde und Verheißung. Das blaue Armband mit Sternen ist zerbrochen. Die gewählten Farben und Motive erinnern an die Fahne der Vereinigten Staaten.

Form von berückender,
steinerner Schönheit

Mauga Houba-Hausherr lokalisiert ihr Paradies dagegen auf der norwegischen Insel Mageroya („karge Insel“), von etwa 3000 Menschen bewohnt. „Nein, mein Mageroya ist nicht karg, nicht öde, nicht abweisend und trist. Mein Mageroya ist eine reine, atemberaubende Form von berückender, steinerner Schönheit in ungestüm wechselndem Licht, ein Paradies, in dem auch ein Rentier an der Flechte nagt.“ Und Felicitas Lensing-Hebben erkennt in den Samen in den Mohnkapseln ein Paradies: „Schließen Sie die Augen und stellen sich ein Mohnfeld vor.“ Samen böten Potenziale. Wie bei einem jeden Menschen. Diese gelte es zu erkennen und wahrzunehmen. So wie sich die Mohnkapseln in ihrem Kasten die Köpfe zuneigen, so ließe sich das auch auf den Menschen übertragen: ein guter Umgang, eine gute Kommunikation. Oder eben auch nicht.

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