Der Start in die neue Saison ist den Niederrheinischen Sinfonikern gelungen.

Konzert : Sinfoniker starten furios in die neue Saison

Werke von russischen Komponisten standen im Fokus.

Erst einmal greift Generalmusikdirektor Mihkel Kütson zum Mikrofon und begrüßt das Publikum mit den Worten: „Vielleicht haben Sie uns vermisst – wir Sie schon!“ Für das erste Konzert der Saison 2018/19 haben sich die Niederrheinischen Sinfoniker wieder ein Programm zusammengestellt, das Neuentdeckungen verspricht.

Musikalisch-geographisch sind sie diesmal mit der Auswahl der Komponisten im Osten Europas unterwegs. Der Abend im Seidenweberhaus beginnt mit Peter Tschaikowskys (1840-1893) Hamlet, Fantasie-Ouvertüre nach Shakespeare op. 67. In dieser Ouvertüre porträtierte der Russe die wichtigsten Personen des Shakespeare-Dramas und schuf eindrucksvolle Stimmungsbilder. Die Bratschen und Celli stellen Hamlet düster und energisch in einer bedrohlich wirkenden Atmosphäre vor. Immer wieder schaffen Pausen Spannung, die mit größtmöglicher Präzision gesetzt werden.

Orchester erhält für seine starke Interpretation Zwischenapplaus

Aus einer kämpferischen Stimmung entwickelt sich zunächst von der Oboe ausgehend ein freundlicheres, melancholisches Klangbild – Ophelia wird skizziert. Mit stimmgewaltigem Kampfgetümmel, das in eine Trauer- und Totenstimmung übergeht, klingt die anschauliche Programmmusik aus. Das Orchester erhält für diese starke Interpretation schon einen großen Zwischenapplaus.

Es folgt eine musikalische Reise in eine auch bei Musikern unbekannte Klangwelt, wie es der Solist Linus Roth und Konzertpädagogin Eva Ziegelhöfer in ihrer Einführung erklären. Der große Unbekannte ist Mieczyslaw Weinberg (1919-1996), dessen Violinkonzert g-Moll op 67 vorgestellt wird. Es legt in seinem Allegro molto viel Drang vorwärts – mit einem tänzerischen Unterton – an den Tag, und der Solist kann sofort seine Virtuosität beweisen. Der zweite Satz, ein Allegretto, überrascht mit dem langsamen, eine traurige Atmosphäre schaffenden Spiel der Streicher.

Darüber erhebt sich ein Geigensolo mit einer gewissen Leichtigkeit und Zartheit, das in einen melancholischen Walzer führt. Dabei kommt der besondere Klang der Stradivari „Dancia“ aus dem Jahr 1703 wunderbar heraus. Nahtlos geht dieser Satz in den nächsten, ein Adagio, über. Roth zieht das Publikum noch mehr in den Bann. Voller Innigkeit und Feinfühligkeit interpretieren Solist und Orchester dieses Stück in perfektem Zusammenspiel.

Das abschließende Allegro wird zu einem temperamentvollen Finale von tänzerisch bis akrobatisch. Das Publikum ist begeistert und erklatscht sich noch eine Zugabe. Es ist eine Ballade von Eugène Ysaye, eine nuancenreiche und in atemberaubendem Tempo erzählte Geschichte.

Nach der Pause folgt von Alexander Glasunow (1865 - 1936) seine Sinfonie Nr. 7 F-Dur op. 77 „Pastorale“. Schon in den ersten Takten des ersten Satzes Allegro moderato wird deutlich, dass sich der Komponist von Beethovens berühmteren Sinfonie mit demselben Namen hat inspirieren lassen. Aber der Russe findet auch seine eigenen Wege durch Naturstimmungen. Mit einem fulminanten Schluss beenden sie diese Pastorale.

Das Publikum ist begeistert und erhält als Danke eine Zugabe mit einem tänzerisch beschwingten Glasunowstück. Ein gelungener Saisonauftakt, der noch mehr die Vorfreude auf die nächsten Sinfoniekonzerte weckt.

Das Konzert wird am Freitag, 14. Oktober, im Seidenweberhaus wiederholt. Beginn ist um 20 Uhr. Karten gibt es unter der Telefonnummer 02151/80 51 25.