Schauspiel : Krefelder Schauspieler erzählt Schülern von seiner Arbeit

Jens Kipper ist ein Kinofreund und in zahlreichen Filmen und Serien zu sehen. Daneben macht er aber auch seit 25 Jahren Musik.

Jens Kipper ist im realen Leben vor einiger Zeit zum zweiten Mal Vater geworden. Auch in der Fiktion trägt der Krefelder viel Verantwortung. Allerdings hat er als Figur dort mit der Rolle des Elternteils zu kämpfen. Er spielt in einer Nebenrolle Sebastian Neumann in der Film-Adaption „Club der roten Bänder“, den Vater des schwerkranken Jonas. Die Serie dazu über drei Staffeln, aus einer wahren Gegebenheit des spanischen Autors Albert Espinosas entstanden, lief bereits beim TV-Sender Vox, seit einem Jahr gibt es dazu das Prequel „Wie alles begann“ im Kino zu sehen. Auch in der Serie mischte Kipper mit, allerdings vornehmlich in der ersten Staffel. Neumann ist darin kein treuer Ehemann, er streitet mit seiner Film-Partnerin Alexandra und geht ihr schließlich fremd. Der Sohn Jonas bleibt auf der Strecke. „Er knickt ein vor Problemen. Er ist kein starker Charakter“, sagt Kipper über sein Alter Ego.

In dem Film geht es um mehrere jugendliche Schwerkranke, die im Krankenhaus eine Bande gründen und auch in der Zeit danach zusammen gegen ihre Leiden ankämpfen. Sie kennzeichnen sich mit roten Armbändern.

Für den gebürtigen Hülser hat die Film- und Serienrolle einen „besonderen Stellenwert.“ gehabt. Er ist darin nämlich dauerhaft auf der Leinwand zu sehen, wie er nun am Rande einer Schulaufführung im Krefelder Cinemaxx sagte.

Jugendliche konnten dem 44-Jährigen im Anschluss daran Fragen stellen – so auch dazu, wie er sich beim Fremdgehen denn so gefühlt habe oder ob ihm das eher düstere Thema auch im Alltag in den Kleidern hängen blieb. „Das hat mich als Schauspieler nicht so sehr tangiert. Ich habe die Dreharbeiten ja alle miterlebt. Dann ist man mit der Zeit nicht mehr so angefasst wie vielleicht als Zuschauer.“ Wohl aber merkte er an, dass manche der jungen Schauspieler im Film auch vorsorglich pyschologische Betreuung angeboten bekamen. Bei den Dreharbeiten schätzte Kipper „die Atmosphäre und das Team.“ Die Chemie stimmte.

Die Schauspielerei und er – das war eine Beziehung mit Umwegen. Nach dem Abitur am Gymnasium Fabritianum 1996 absolvierte der Hülser erst einmal seinen Zivildienst. Er machte als Pfleger weiter, wusste nicht so recht, was wer beruflich werden wollte. Ein Psychologie-Studium brach er ab. „Das war mir alles zu passiv“.

Er begann eine Friseurlehre – ein Praktikum als Maskenbildner im Stadttheater als 16-Jähriger hatte sein Interesse geweckt, Menschen optisch zu gestalten. Dann aber dachte er um: „Ich wollte auf die andere Seite der Bühne.“ Es folgte eine Ausbildung von 2000 bis 2004 an der Schauspielschule in Köln, wo er auch seine Frau Ilva Melchior kennenlernte. Nach einer gemeinsamen Zeit in Köln am Friesenplatz, wo der Rummel des studentischen Lebens aber die Ruhe des Paares störte, ging es 2014 zurück nach Krefeld, auch um sich dort mehr um die Eltern kümmern zu können. Heute lebt das Paar nach einer Zeit in Uerdingen in Bockum.

Robert de Niro und Al Pacino
sind Kippers Vorbilder

Den Film hat er immer schon geliebt. „Pulp Fiction“ von Quentin Tarrantino, aber auch das Genre des Midnight-Movies. Oder auch Science Fiction: „Bei Star Wars war es um mich geschehen.“ Zu seinen Vorbildern zählt Jens Kipper Robert de Niro und Al Pacino. Seit 2012 war er bereits in zahlreichen Film- und Kinoproduktionen zu sehen. Er hatte beispielsweise Rollen im „Tatort“, bei „Freundinnen“ auf RTL, auch in der „Lindenstraße“ spielte er schon mit, wie auch bei „Rentnercops“ oder „Mord mit Aussicht.“ Kipper liebt die Dreharbeiten: „Es ist cool, wenn es funktioniert. Ich mag es lange an Szenen zu drehen, wenn ein Flow im Spiel aufkommt mit einem guten Ergebnis.“

Jens Kipper ist vielbeschäftigt. Heute arbeitet er im Kabarett im Neusser und Düsseldorfer Stunk. Demnächst wird er bei der Opernwerkstatt in Köln teilnehmen und dort auch für die RTL-Serie „Sankt Maik“ drehen. Neben der Schauspielerei, dem Theater und dem Kabarett singt er auch seit 25 Jahren in der Krefelder Rock-Formation „Disciples.“

Als Kinogänger ist er in den vergangenen Monaten eher selten in Erscheinung getreten, obwohl er ein Freund des Lichtspielhauses ist. „Kino ist einfach ein anderes Erlebnis“, sagt er. Für den neuesten Star-Wars-Streifen hat er jedoch nur schlechte Kritik übrig. Die Zeiten haben sich geändert.