Der letzte Mohikaner der analogen Fotografie

Der letzte Mohikaner der analogen Fotografie

Im Zeitalter des digitalen Bildes bleibt Philip Lethen ganz bewusst hoffnungslos altmodisch.

Krefeld. So ähnlich muss sich der letzte Mohikaner gefühlt haben: Als Philip Lethen kürzlich im Krefelder Fotofachgeschäft seines Vertrauens einige Filme kaufen wollte, kehrte er mit leeren Händen nach Hause zurück: "Der Verkäufer sagte: ,Ich führe keine mehr, denn Sie sind der letzte in der Stadt, der danach fragt’", sagt der 38-jährige Künstler. "Das war mir überhaupt nicht bewusst."

Philip Lethen ist Nostalgiker. Der Fotograf mag Dinge aus der guten alten Zeit und setzt sie liebevoll in Szene. Sein neues Steckenpferd sind Glühbirnen, denen er eine Fotostrecke gewidmet hat: "Ich finde sie sehr schön", sagt er. "Aber leider gibt es sie ja bald nicht mehr." Ein besonderes Faible hat er für die roten. "Sie sind total ästhetisch und geben ein super Licht."

Außerdem haben sie für die Fotografie eine besondere Bedeutung, die man heute kaum noch kennt: "Bei der Entwicklung von Schwarz-Weiß-Filmen wird die Dunkelkammer rot ausgeleuchtet", erklärt Lethen. "Bei Farbfilmen funktioniert das aber nicht. Da muss man im Dunkeln Ordnung halten wie ein Blinder."

Während Lethens Studium in Essen und Krefeld steckte die Digitalfotografie noch in den Kinderschuhen. "So habe ich mein Handwerk quasi von der Pike auf gelernt." Bis heute sieht Lethen keinen Anlass, sich von seinen analogen Kameras zu trennen - obwohl er natürlich auch eine digitale Spiegelreflexkamera besitzt.

"Die neue Technik besitzt auch Vorteile - keine Frage", sagt er. "Ich nutze sie für Arbeiten, die nur im Internet erscheinen, weil dort die Bildqualität keine so große Rolle spielt, und für Jobs, bei denen das Budget klein ist."

Denn analoge Fotografie besticht zwar durch eine besondere Farbigkeit, aber sie kostet: Neben Lethens Honorar muss der Auftraggeber Film, Abzüge und Scans bezahlen - nicht gerade billig. Deshalb macht der Fotograf von jedem Motiv nur drei bis vier Bilder: "Wenn du nicht alles haben kannst, entscheidest du dich viel bewusster für eins. Das finde ich richtig gut. Es ist ein konzentriertetes Arbeiten. Du siehst nicht, wie das Endergebnis wird."

So stirbt mit der analogen Fotografie auch dieser ganz besondere Spannungsmoment aus, wenn der Film entwickelt wurde und aus dem Labor zurück ist. "Und das Schlimmste ist: Die Fotos werden nicht mehr in den Familien und unter Freunden geteilt, sondern verschwinden für immer und ewig in einem Ordner auf dem Laptop."

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