Der erste Stadtkenner mit Diplom

Der erste Stadtkenner mit Diplom

Gottfried Elfes bietet für die Volkshochschule einen Rundgang pro Semester durch das Flohsche Haus an.

Krefeld. Ein Zar, preußische Prinzen und habsburgische Kurfürsten waren hier zu Gast: Das Flohsche Haus in Krefelds Friedrichstraße hat viele berühmte Häupter gesehen. Darüber und auch über viele weitere historische, architektonische, stadtgeschichtliche und fiskalische Details weiß einer ganz genau Bescheid: Gottfried Elfes. Er hat mit einer Führung durch das Haus sein Stadtkenner-Diplom abgeschlossen.

Der 70-jährige rüstige Krefelder ist der Erste mit einer solchen Urkunde. Er darf nun selbst Führungen bei der Volkshochschule (VHS) anbieten. Im Fall des Flohschen Hauses ist das mit der Zustimmung der AOK verbunden, die in diesem historischen Gebäude ihre Geschäfte führt. Chef Thomas Meertz begrüßt es, dass sein früherer Ausbildungsleiter Gottfried Elfes einmal im Semester Interessierte durch die Räume geleitet.

Als Elfes im vorigen Jahr in der VHS an einem Seminar zum Thema Stadtkenner teilnahm, kam er vor allem wegen seiner langjährigen Tätigkeit bei der AOK auf die Idee, das Flohsche Haus den Krefeldern näherzubringen. Viele Jahrzehnte hatte er bei der Krankenkasse gearbeitet, ohne sich über die Details des rosafarbenen Hauses informieren zu können.

Nach seiner Pensionierung sah das ganz anders aus: Elfes schlug das Thema vor und recherchierte fleißig. Das Stadtarchiv und die Ausgaben der Zeitschrift „Heimat“, von der Gottfried Elfes nahezu die komplette Reihe besitzt, waren hilfreiche Quellen. Für seine Führung hat er eine Mappe erstellt, angefüttert mit Kopien aus dem Stadtarchiv und vielen Einzelheiten.

Im 18. Jahrhundert hatte die Familie von der Leyen drei Söhne. Einer von ihnen, Johann von der Leyen, verlegte sich auf die Weberei von Samt und erbaute an der Friedrichstraße ein repräsentatives Wohnhaus. „Haus Floh soll im Detail das vornehmste und reichste der Krefelder Patrizierhäuser gewesen sein“, so der Stadtkenner in seinen Aufzeichnungen. Den Namen hat das Haus allerdings von der Generation danach: Johann nahm seine Neffen mit dem Namen Floh in die Firma auf.

Im 20. Jahrhundert kam das Haus zunächst in städtischen Besitz, dann gehörte es der Sparkasse. 1959 wurde es von der AOK gekauft. All der Stuck und Glanz sind aber gar nicht so alt, wie es scheinen mag: 1943 wurde auch die Friedrichstraße von Bomben getroffen. Vom Flohschen Haus blieben nur die Fassade mit der Krone stehen. Wiederaufgebaut wurde es von der Sparkasse.

Gottfried Elfes beschäftigt sich aber nicht nur mit der Historie seines ehemaligen Arbeitsplatzes. Der Stadt- ist nämlich auch Ahnenkenner. Seinen Familiennamen kann er bis 1478 zurückverfolgen.

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