Der Darkroom bleibt in Krefeld

Schenkung : Der Darkroom bleibt in Haus Lange

Die Installation des Künstlerduos Elmgreen und Dragset gehört Dank Outset Germany und Mäzen Jan Fischer nun dauerhaft zur Sammlung des Museums.

Woran denken Sie, wenn Sie das Wort „Darkroom“ hören? Unabhängig davon, woran Sie jetzt gedacht haben – keine Scheu, wir verraten nichts – jede dieser Assoziationen lässt sich auf diese oder jene Weise mit der gleichnamigen Installation vom dänisch-norwegischen Künstlerduo Elmgreen und Dragset in Haus Lange in Verbindung bringen.

Die Arbeit, die sich in der ehemaligen fotografischen Dunkelkammer der Langes befindet, wurde anlässlich der Ausstellung „Die Zugezogenen“ im Jahr 2017 installiert. Diese ließ das Haus durch eine fiktive Familie bevölkern, die vor den Folgen des Brexit geflohen war. Das Künstlerpaar gestaltete Wohn- und Sanitärbereiche, ließ das Haus zu einem wahrhaftigen Wohnhaus werden und erzeugte somit eine ganz spezielle Wiederbelebung des Museums. Ein Teil war, beziehungsweise ist, jene Dunkelkammer, die indes mehr ein Ort eines Geheimnisses wurde.

Die Installation inszeniert zunächst eine ganz normale Dunkelkammer, so wie sie Hobby-Fotografen nun mal in ihren Häusern einrichten. Es hängen frisch abgezogene Fotos auf Wäscheleinen, Apparaturen zur Belichtung finden sich, so wie auch Rotlicht, Fläschchen mit chemischen Hilfsstoffen und so manches andere Accessoire zur Entwicklung von Fotografien. Hierzu wurde das vorgefundene Mobiliar entsprechend ergänzt, sozusagen mit Utensilien wiederbelebt.

Doch dieser Raum hat neben diesem ersten Blick eine weitere ästhetische Ebene, die tieferliegende Bedeutungsschichten evozieren mag. Denn die Fotos, die dort teilweise herumliegen und hängen, haben bis auf wenige Ausnahmen Motive aus einem speziellen Themenkreis. Vornehmlich unbekleidete Männer oder auch Fotografien von Artefakten und Kunst mit auch erotischem Ton. Ein wenig wie ein Blick in eine Hinterlassenschaft, in eine verborgene Welt eines Menschen. Die Dunkelkammer soll in der Tat die Hinterlassenschaft des fiktiven Vorbesitzers sein und verrät einiges über dessen Innerstes.

Fotos in der Kammer stammen aus dem Archiv der Künstler

Auch das Innerste der Künstler, immerhin gehen die verwendeten Fotografien auf ihr eigenes Archiv zurück. Ein Spiel mit Erwartungen, mit Assoziationen, mit Doppeldeutigem und Eindeutigem, was sich aber im Kontext erst in etwas Geheimnisvolles verwandelt. Ganz und gar wirkt dieser Raum wie ein Lost Place, ein in Eile verlassener Ort, der noch auf beredte Weise von dem Leben der Menschen oder hier des Menschen zeugt, der wie ein Geist aus dem Vorhandenen zu uns spricht.

Besonders überzeugend passt die Installation in den Kontext von Haus Lange, natürlich durch den direkten örtlichen Bezug zu der Dunkelkammer, aber auch durch einen anderen Kontext. Denn es gibt einen weiteren besonderen Raum in diesem Haus, der auch für sich eine ganz eigene ästhetische Dimension eröffnet und mit der Architektur bedeutungsvoll in eine Art dialektischen Dialog tritt. Yves Kleins „Le Vide“ – sein „Raum der Leere“ aus 1961, der bis heute erhalten ist. Im „Darkroom“ also ein dunkler Raum, der in die Tiefen der Seele eines Einzelnen blicken lässt und so unsere eigene Realität transzendiert, dort im aufgeladenen Nichts des leeren Raums von Klein ein Blick in die Weiten uferloser Bedeutung. In die Weiten einer vielleicht jenseitigen Schlichtheit und Auflösung. Das harmoniert!

Wenn das nicht genug Argumente dafür sind, dass die Installation „Darkroom“ schlicht perfekt und unmissverständlich in das Haus Lange gehört?

Glücklicherweise kann genau das vermeldet werden. Denn Dank einer Schenkung unter Vermittlung von Outset Germany – geleitet durch Bettina Böhm – durch den Mäzen Jan Fischer gehört „Darkroom“ nun dauerhaft zu Haus Lange. Outset versteht sich als Vermittlung zwischen privaten Mäzenen, Künstlern und öffentlichen Museen und unterstützt somit den Ankauf von Kunst. Jan Fischer, der Schenker, befasst sich in seiner eigenen Sammlung mit Lichtkunst. „Light Art Space“, so der Name, passt somit perfekt just zu dieser Schenkung. Denn geht es nicht gerade auch bei „Darkroom“ von Michael Elmgreen und Ingar Dragset um Licht, Licht als Symbol? Sowohl passiv als auch aktiv, sowohl der Mangel davon, als auch das ins Licht zerren von Intimität und Geheimnis.

Die Installation soll im Rahmen der Öffnungszeiten von Haus Lange jederzeit besichtigt werden können, heißt es. Über die Frage, in welcher Form genau, konnte man indes noch keine genaue Auskunft geben. Unbeaufsichtigt alleine in dem Raum zu sein, dürfte schwierig werden. Und die Frage, inwieweit der Besucher mit der Installation interagieren kann oder soll, ist auch noch nicht beantwortet.

Wenngleich die Künstler, so heißt es, sich wünschen, dass Besucher auch mal die herumliegenden Fotos durchschauen, anheben und so weiter. Vielleicht wird dem interessierten Besucher ein Schlüssel überreicht und er darf dann nach Anfrage einen Blick oder auch einen Gang hineinwagen; oder man sperrt den Raum so ab, dass man nur von Außen hineinschauen kann. Seine wirklich immense Wirkung entfaltet die Installation in dem kleinen Kämmerchen indes erst, wenn man hinein schreitet, sich von der Stimmung überwältigen lässt.

Haus Lange ist geöffnet dienstags, donnerstags bis sonntags zwischen 11 und 17 Uhr, mittwochs von 15 bis 21 Uhr.

kunstmuseenkrefeld.de

Mehr von Westdeutsche Zeitung