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Dem Audienda-Chor fehlen die Worte

Dem Audienda-Chor fehlen die Worte

Die Sänger um Pavel Brochin begeistern mit einem lautmalerischen Programm.

Krefeld. Schon mit dem Titel ihres Programms „Lied(b)er ohne Worte“ hat der Audienda-Chor auf ein nicht alltägliches Konzert eingestimmt. Dieser Verlockung folgen viele Neugierige, und so ist am Samstagabend die Pax-Christi-Kirche bestens gefüllt.

Mit ungewöhnlicher Choreographie beginnt das Konzert: Die Sänger verteilen sich in kleinen Gruppen in einem Kreis um die Zuhörer, schauen dabei jedoch nach außen und lassen schwebende Töne erklingen. Chorleiter Pavel Brochin steht in der Mitte und trägt immer wieder einen Gongschlag zu der Komposition „Asralda“ von Hermann Markus Pressl (1939-1994) bei. Eine mystische Atmosphäre entsteht.

Im ersten Teil hat der Chor Werke aus der klassischen Musik zusammengestellt, die weitgehend ohne Worte auskommen. Wie das „Madrigal Mascherata d’Amanti“ von Adriano Banchieri (1567-1634) beweist, gab es schon in der Renaissance Gesang mit lautmalerischen sinnleeren Silben. „Pomm, Pomm“, wiederholt sich beispielsweise.

In der Nocturne Nr. 5 von John Field (1782-1837) beweisen die Sänger, dass ein „U“ alleine schon fast Programmmusik sein kann, so ausdrucksstark und variationsreich lässt es sich interpretieren. Die Steigerung zum „A“ bringt eine neue Klangfarbe und macht klar, welche Wirkung allein ein Buchstabe haben kann.

Das „Solfeggio“ von Arvo Pärt (geb. 1935) verlangt größte Präzision. Hier lenkt kein Wort ab, der pure Ton kommt glasklar. Mit diesen zeitgenössischen Klängen leitet der Chor zu Thomas Jennefelts meditativem A-cappella-Gesang „Villarosa sarialdi“ über. Dieses unbekannte Kapitel der Musikgeschichte ist ein Hörgegenuss der besonderen Art. Für sein Klavierintermezzo hat Timur Sergeyenia mit Mendelssohn Bartholdys Liedern ohne Worte die passenden Stücke gewählt.

Im zweiten Teil führt der Audienda-Chor vor, wie stark wortlose Gesänge in der Weltmusik vertreten sind. Vom Indianergesang über indonesische Musik mit jiddischem Einschlag zu skandinavischen Klängen und einem temperamentvollen rumänischen Tanzlied reicht die Palette. Mit heiteren Silben und Wortspielen gestaltet der Chor den dritten Teil. Da kann man sogar erleben, wie sich Seife musikalisch umsetzen lässt! In seinem Stück „C15 H31 C00Na“ hat Sverre Bergh (1915-1980) die chemische Formel der Seife vertont. Ein kreatives Konzert, das die Vielseitigkeit und das hohe Niveau des Audienda-Chors auch ohne Worte beweist.