Das Textilmuseum nimmt an einem EU-Projekt teil

Länderübergreifendes Projekt: Kleidung, Menschen, Emotionen

Fabric of my life: Ein außergewöhnliches, europaübergreifendes Projekt, an dem das Textilmuseum beteiligt ist, setzt sich mit der Geschichte von geflüchteten Frauen und deren Kleidung auseinander.

Menschen, die auf der Flucht vor Krieg oder politischer Verfolgung sind, haben nur wenige Minuten um zu entscheiden, was sie auf diese Odyssee mitnehmen. Was denken sie in diesen Minuten? Warum entschließen sie sich ausgerechnet für einen Ring, eine Decke oder ein Kleid? Denken sie pragmatisch oder gibt es eine tiefere Verbindung zu den Dingen, die sie einpacken?

Diesen Fragen wollen Forscherinnen aus Kopenhagen und Athen im Rahmen des EU-Projektes „Fabric of my life“ (aus dem Englischen übersetzt „Stoff/Gewebe meines Lebens“) gemeinsam mit Annette Schieck, Leiterin des Textilmuseums in Linn, mit Hilfe von Interviews geflüchteter Frauen beantworten. Diese sollen Studierende der Akademie für Mode und Design in Düsseldorf führen.

Auch über soziale Netzwerke
soll ein Aufruf gestartet werden

„Es handelt sich hierbei um ein interdisziplinäres Projekt, bei dem Lehrende und Lernende dem emotionalen Wert der Textilien auf den Grund gehen und die Geschichten der jeweiligen Personen erzählen wollen“, erklärt Schieck. Den Kontakt möchte sie über die Stadt Krefeld aufbauen. Aber auch Einsendungen, die über einen Aufruf über die sozialen Netzwerke erfolgen, sollen miteinbezogen werden.

„Die Erinnerungen der bestimmten Kleidungsstücke stehen im Vordergrund. Wir wollen erfahren, warum sich die geflüchteten Frauen gerade für dieses Stück entschieden haben und was es möglicherweise über die Person aussagt“, ergänzt ihre Kollegin und Projektkoordinatorin Marie-Louise Nosch vom Centre for Textile Research Uni Kopenhagen. Sie hatte die Idee, die Flüchtlingskrise von 2015 in dem Projekt aufzuarbeiten. Schließlich würde häufig über männliche Flüchtlinge berichtet, aber über das Schicksal der Frauen höre man so gut wie gar nichts, findet sie.

Es sei ein spannendes Projekt, das kulturelle, psychologische, historische sowie menschliche Aspekte vereine, sind sich die Forscherinnen einig. Die gesammelten Erkenntnisse sollen in zwei bis drei Jahren in einer Ausstellung präsentiert werden, die von Krefeld nach Kopenhagen bis nach Athen wandert.

Von der Gegenwart zurück in die Vergangenheit

Bis dahin planen, überlegen und recherchieren die Teilnehmerinnen weiter, um so viel wie möglich, über die Beweggründe der weiblichen Flüchtlinge zu erfahren. Aber auch ältere Semester, die Flucht und Angst erlebt haben, sollen zu Wort kommen und über ihre Erlebenissen sprechen. So seien unter anderem die Erfahrungen der Griechen aus den Jahren 1922 sehr aufschlussreich, erklärt Forscherin Stella Spandtidaki. Aufschlussreich könnte auch die Trachten-Sammlung von Paul Prött sein, die zurzeit im Textilmuseum zu sehen ist. Diese besuchten am ersten Tag übrigens 1200 Besucher, wie Annette Schieck erzählt. „Wir arbeiten uns sozusagen von der Vergangenheit in die Gegenwart vor.“

Einer Gegenwart, die mit den Ergebnissen der kollaborierenden Institutionen in einigen Jahren, die Kleidungsgeschichte der geflüchteten Frauen besser nachvollziehen kann.

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