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Das Experiment im Kreschtheater: Testpublikum gesucht

Das Experiment im Kreschtheater: Testpublikum gesucht

Das Kinder- und Jugendtheater erforscht, was Kinder und Jugendliche sehen wollen. Die Premiere des ungewöhnlichen Stücks ist am 6. Dezember.

Das Stück sei ein Bastard, sagt René Linke, der „Testpublikum gesucht! — ein Experiment“ zusammen mit Moritz Rüge und Helmut Wenderoth für das „Kresch“ entwickelt hat und Regie führt. „Wir haben unterschiedliche Ebenen und Formen des Theaterspiels zusammengeführt“, sagt Linke. Das Zielpublikum ist 16+, es gehe um eine Grundsatzbefragung, sagt Helmut Wenderoth: „Was wäre es denn, wenn ein Kinder- und Jugendtheater erforscht, was Kinder und Jugendliche sehen wollen?“ Und er verspricht: „Der Abend kann scheitern, grandios werden, aber auf keinen Fall wird er langweilig sein.“

Das Publikum ist der dramaturgische Stoff, man erhofft sich einen „performativen Diskurs“. Nils Voges (Sputnic) hat die Videos gemacht, die eingespielt werden. „Theater ist immer medialer geworden, gleicht sich der Gegenwart an“, sagt er.

Die Bühne wird aus Projektionswänden bestehen, und es gibt Grundsituationen. Die Schauspielerriege spielt eine Agentur, die Jugendliche befragen soll.

Die Besucher werden einbezogen, für sie gilt die Frage: „Wo soll die Geschichte heute spielen?“ Helmut Wenderoth ist der Moderator. Welche Konflikte werden bearbeitet, in welchem Genre und in welcher Sprache? Drei Lieblingsorte bevorzugen Jugendliche heute: „Die Couch, einen virtuellen Ort und das Bett.“

Daraus wird das Stück gebaut, und es soll so zu einem „Theater-Slam werden“. Theater kann nicht an alten ästhetischen Ansprüchen wie Konsistenz und Plausibilität festhalten, während sich die heutige Jugend in einer Minute durch drei Youtube-Videos klickt.

Die Kresch-Theatermacher wollen sich den neuen Seh- und Hörgewohnheiten stellen, sie reflektieren und damit spielen lernen. Alles wird der Abend enthalten: Umfragen, Aktionen, Spielszenen, Kostümproben, Backstage-Storys, Making-Offs, Improvisationen und partizipative Elemente.

Dieser Abend ist Show, Konferenz, Drama, Kitsch, Abenteuer, Workshop, Science Slam, Dichterlesung, Performance und Hexenwerk. Eine Menge Interaktionsformen, aber auch einiges ist wiedererkennbar.

Drei Geister wird es geben, zu den Schauspielern gehört auch Esther Butt, die schon seit Jahren beim Kresch mitspielt: „Ich bin jetzt Mitte 20 und habe schon ein anderes Lebensgefühl als zehn Jahre jüngere Jugendliche.“ Die ganz jungen Leute wissen, was ein Snapchat-Filter ist, kennen Tinder und Instragram-Stories und liegen nachts mit der Whats-App-Gruppe im Bett.

„Wir wollen schon Aha-Momente produzieren“, sagt Linke und hofft, dass die Jugend eine Menge über sich erfahren wird. „Führe Regie über Dein eigenes Leben“ heißt die Aufforderung an das junge Publikum. Mit dem Publikum ist man auf der kleinen Bühne II näher zusammen, das macht eine offensive Zuwendung leichter als auf der größeren Bühne I. Die Macher haben sich ausgiebig über die Jugend informiert, sind kleine Experten darin, was die Jugend inzwischen alles so sein soll. „Aber wie sie an diesem Abend ist, wissen wir nicht“, sagen sie. Bei jeder Aufführung wird es entsprechend der Publikumsreaktion Varianten geben.

Geplant ist, dass die Aufführung 75 Minuten dauert. Und man hofft — geplant sind Aufführungen bis März — das Stück noch länger im Spielplan zu behalten. Die Premiere ist am 6. Dezember, 19 Uhr. dip