Festival Das Bandoneon-Festival ist in Krefeld zurück

Krefeld · Das Instrument hat eine weitreichende Geschichte  – die wird nun zum 13. Mal gefeiert.

Das Bandoneon entwickelte der Krefelder Musiklehrer Heinrich Band aus einer Konzertina  -  ein neuartiges Handzuginstrument.

Das Bandoneon entwickelte der Krefelder Musiklehrer Heinrich Band aus einer Konzertina  -  ein neuartiges Handzuginstrument.

Foto: Ja/Jochmann, Dirk (dj)

Vor  170 Jahren ereignete sich in den Staaten des damaligen Deutschen Bundes mit der Märzrevolution ein für Deutschland historisch prägendes Ereignis. Für die Stadt Krefeld hat das Jahr allerdings eine weitere, eher unscheinbare Bedeutung, die auch innerhalb der Stadt eher unbekannt ist: Im Jahre 1848 entwickelte der Krefelder Musiklehrer Heinrich Band aus einer Konzertina ein neuartiges Handzuginstrument. Das Bandoneon – zunächst Bandonion genannt – etablierte sich graduell als beliebtes Instrument, ehe es in den 1930er Jahren in Europa vom Akkordeon abgelöst wurde.

Nichtsdestotrotz blieb das Instrument auch danach durch eine glückliche Fügung stets am Puls der Zeit. Seit einigen Jahren kehrt der fragile Kasten aus Holz und Ziegenleder im Rahmen des Bandoneon-Festivals regelmäßig an seinen Ursprungsort zurück – so auch in diesem Jahr.

Es ginge darum, an die kulturhistorische Verbindung zur Stadt Krefeld zu erinnern, erklärt Jürgen Sauerland-Freer, Leiter des Krefelder Kulturbüros, die Entstehungsmotive hinter dem Festival, in dessen Rahmen in diesem Jahr zwischen dem 16. September und dem 12. Oktober sieben Konzerte stattfinden werden.

Südamerikanische Künstler kommen in die Seidenstadt

Bereits im Jahre 1985 habe man die erste Veranstaltung rund um das Instrument ausgerichtet. Nach einer elfjährigen Pause wurde es erneut aufgegriffen – mit stetig wachsendem Erfolg. Seitdem kommen insbesondere aus dem südamerikanischen Raum Künstler alle zwei Jahre nach Krefeld, um ihre Musik vorzustellen. Dies hat ebenfalls eine historische Ursache. In der Mitte des vergangenen Jahrhunderts verbreitete sich das Bandoneon zunehmend in Südamerika, vor allem in Uruguay und Argentinien. Der sentimentale Klang des Instruments habe perfekt zur traditionellen Tangomusik gepasst und wurde daher in selbige integriert, so Sauerland. Zunächst als Teil des Tango Argentino, wurde die Musik rund um das Bandoneon später von dem Argentinier Astor Piazzolla zum Tango Nuevo weiterentwickelt, der damit eine weitreichende Stilrichtung begründete, die weitere Komponisten und Musiker inspirierte.

Das Bandoneon könne aber noch viel mehr als Tango Nuevo, weswegen man das Programm unterschiedlich gestaltet habe, so Festivalorganisator Jürgen Eichendorf. „Da werden wir mit der Erwartungshaltung wohl ein bisschen brechen müssen“, befürchtet er. Aber der Tango Nuevo werde beim Festival trotzdem eine Rolle spielen. So auch das „Fabián Carbone Cuarteto“, das sich musikalisch an den Werken Piazzollas orientiert, diese allerdings mit gegensätzlichen Klaviertönen kontrastiert.

Das Festival und die 
populäre Tangomusik

Am Sonntag, den 16. September wird der aus Buenos Aires anreisende Künstler das Festival eröffnen. Auch das Duo bestehend aus dem Franzosen William Sabatier und dem Stuttgarter Konzertpianisten Friedemann Wuttke greift die Musik Piazzollas auf, kombiniert diese unter anderem mit Bach und Vivaldi und bietet letztlich ein Kaleidoskop der Geschichte des Tangos. Sogar die moderne Großstadt spiegelt sich im Tango wider. Das Ensemble „La Bicicleta“ um den argentinischen Komponisten Javier Tucat Moreno und die Pianistin Judith Brandenburg greift im Rahmen des „Tango Progresivo“ genau dieses Narrativ auf. Das Bandoneon selbst und die mit ihm verbundene Musik bietet auch gesellschaftlich eine höchst ambivalente Historie und war nicht selten ein Zeugnis seiner Zeit. War das Bandoneon in Zentraleuropa noch als das typische Instrument der Arbeiterschaft bekannt und als „Klavier des kleinen Mannes“ tituliert, entwickelte sich die vom Bandoneon geprägte Tangomusik Piazzollas in den 1970er Jahren in Südamerika in Zeiten faschistischer Regime und rechter Militärdiktaturen zu einer Kunstform, um Leid und Trauer auszudrücken. Im folgenden Jahrzehnt verbreiteten sich die Tangomusik und das Bandoneon ungefähr zeitgleich mit dem ersten Bandoneon-Festival in Krefeld erneut in Europa. Dort schließt sich  der Kreis.