Christian Ehring macht Kabarett für Amnesty-International in Krefeld

Interview : Kabarett für Amnesty-International

Interview Kabarettist Christian Ehring engagierte sich früher für die Menschenrechtsorganisation in Krefeld. Zu deren 50. Geburtstag tritt er nun mit einem Programm im Rahmen einer Benefizveranstaltung in der Kufa auf.

Der in Krefeld aufgewachsene Kabarettist Christian Ehring war seinerzeit Mitglied in der hiesigen Amnesty-International-Gruppe. Nun kommt er anlässlich deren 50. Geburtstag zurück, um den Verein vor Ort mit einem speziell für diesen Anlass gestalteten Programm zu unterstützen. Wir sprachen mit dem in Düsseldorf lebenden Künstler im Vorfeld der Benefizveranstaltung in der Kufa am 28. Mai über Amnesty, seine Jugend, aber auch über die aktuelle politische Lage und was Satire da bewirken könnte.

Sie sind 1988 in die Krefelder Gruppe von Amnesty International eingetreten. Was hat Sie damals bewegt als junger Mensch?

Christian Ehring: Ich wollte mich politisch engagieren. Ich hatte in den Jahren davor schon angefangen, mich mit Politik zu beschäftigen.  Südafrika und das dortige Apartheid-Regime zum Beispiel, das war ein Thema, das mich sehr empört hat. Ein älterer Cousin von mir war bei Amnesty, und irgendwie fand ich das sehr überzeugend, was er erzählt hat. So habe ich dann mal in der Krefelder Gruppe vorbei geschaut und mitgemacht. Ich weiß noch, 1988, da war gerade das Jubiläum 40 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Ich erinnere mich, dass ich zu diesem Anlass zum ersten Mal mit meiner damaligen Gruppe in der Krefelder Fußgängerzone stand. Ich fand vor allem überzeugend, dass man sehr direkt etwas bewirken kann.

Wie sah dies aus?

Ehring: Durch den ganz klassischen Amnesty-Ansatz: Briefe schreiben – es ist im Grunde heute immer noch so. Vielleicht etwas moderner und effizienter. Es ging um Nachhaken, Behörden und Regierungen nerven, Öffentlichkeit schaffen für politische Gefangene. Damals haben wir einfach klassisch Briefe und Postkarten geschrieben, nachgefragt, wo ist die Person, wie geht es ihr, warum ist sie in Haft, warum bekommt sie kein faires Gerichtsverfahren? Das hat teilweise – ich habe das sogar selbst miterlebt – dazu geführt, dass Menschen freigelassen wurden.

Sind Sie diesem Engagement treu geblieben. Sind Sie heute noch bei Amnesty International?

Ehring: Ich habe dann Zivildienst in Köln gemacht und dort studiert und war dann ein paar Jahre in einer Kölner Gruppe. Ich würde sagen: Damals hatte ich viel Zeit und wenig Geld. Heute hat sich das ein wenig umgekehrt. Deshalb unterstütze ich Amnesty weiterhin und spiele gern ein Benefiz, wie jetzt für meine alte Krefelder Gruppe. Regelmäßig aktiv. Bin ich leider nicht mehr.

Sie treten zum 50. Geburtstag der Krefelder Gruppe in der Kufa auf. Kennen Sie noch Mitglieder von damals?

Ehring: Margret Schilling, Bärbel Peterke und Peter-Michael Friedrichs zum Beispiel waren damals schon sehr engagiert und sind es heute noch. Es war damals ein kleiner Schwung von fünf, sechs Schülerinnen und Schülern, die neu dazukamen, und Peter-Michael Friedrichs hat uns ein bisschen unter seine Fittiche genommen und vieles erklärt. Wir haben damals zum Beispiel gemeinsam ein Menschenrechts-Spiel entwickelt. Ich glaube, das gibt es heute noch.

Jetzt machen Sie etwas ähnliches - nur mit den Mitteln des Kabaretts. Wie wird das Programm in der Kufa aussehen?

Ehring: Das wird ein aktuelles, politisches Programm. Etwas kürzer als ein normaler Solo-Abend, damit auch noch Zeit bleibt für Information und das Menschenrechtsthema. Mein Programm wird ungefähr 75 Minuten lang sein - Highlights aus mehreren Programmen und aktuellen Extra3-Moderationen, ein Unikat sozusagen.

Wie sieht Christian Ehring eigentlich die aktuelle politische Lage?

Ehring: Ich finde es extrem beunruhigend, wie fragil unsere westlichen Demokratien offenbar sind. Das hätte ich vor zehn oder fünf Jahren nicht für möglich gehalten. Dass es so wenig braucht, um Menschen am demokratischen System zweifeln zu lassen. Dass sie das Heil suchen in unterkomlexen Lösungen. Diese Blüte des Populismus in der Politik, die Verachtung auch von Qualifikation, Professionalität und Expertise. Man sieht dieses Phänomen überall, ob nun USA mit Trump oder Brasilien, natürlich auch die Türkei. Die Entwicklungen dort hätte ich niemals für möglich gehalten vor zehn Jahren. Russland, Ungarn, Italien und Österreich, man findet kein Ende.

Wie sieht es in Deutschland aus?

Ehring: Natürlich sehe ich auch die Erfolge der AfD mit Sorge, wenngleich ich nicht glaube, dass sie zu einer Regierungspartei werden. Aber sicherlich haben sie ein stabiles Potenzial von um die 15 Prozent. Das ist ja eine Partei, die sich immer neue Themen sucht, anfangs war es der Euro, dann die Flüchtlinge, jetzt ist es das Klima. Es geht ihnen sehr offensichtlich nicht um die Sache, sondern um die Empörung an sich. Das unterscheidet sie von den anderen Parteien. Und wenn ich lese, was mir wütende AfD-Sympathisanten schreiben: Da träumen ganz viele von Umsturz und Machtergreifung.

Kann Satire dagegenhalten, vielleicht sogar versuchen etwas zu bewegen?

Ehring: Hm. Es ist ja doch eher ein „preaching to the converted“ (Predigen zu den Bekehrten), was in der Satire oder im Kabarett stattfindet. Das sollte man realistisch sehen. Aber gänzlich wirkungslos ist es sicher nicht. Ich glaube, selbst wenn man nichts bewirken könnte, sollte man in einer Art und Weise leben, als könnte man etwas bewirken. Sonst wäre ja alles sinnlos. Dann würde man sich nicht auf eine Bühne stellen. Oder in einer Krefelder Amnesty-Gruppe für Menschenrechte stark machen.

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