Carnegie Hall ruft: Der Krefelder Crescendo Chor fliegt zum Auftritt in New York

MEGA-AUFTRITT : Krefelder Chor singt in Carnegie Hall

Die Aufregung ist groß, bald geht es los. Der Crescendo Chor Krefeld bereitet sich auf seinen Auftritt in New York vor.

Die Mail, die alles verändern würde, sah aus wie jede andere. Doch als Heinz-Peter Kortmann das digitale Schreiben Anfang April vergangenen Jahres öffnete, sah er: Sie kam aus aus New York. „Vom DCINY, den Distinguished Concerts International New York.“ Für den Leiter des Crescendo Chors ein Grund, sich gleich ans Telefon zu begeben: „Eine halbe Stunde später hatte ich New York am Telefon.“ Und Kortmann erfuhr, dass die New Yorker Konzertagentur im Netz recherchiert hatte, welche Chöre weltweit bereits Werke des zeitgenössischen Komponisten Karl Jenkins aufgeführt hatten.

36 Sänger aus Krefeld
gehören zu den Auserwählten

Dazu gehören auch die Krefelder Sängerinnen und Sänger, die die Friedensmesse „An armed Man“ von Jenkins im Sommer 2016 sowie 2018 in St. Josef gesungen haben. Und deshalb gehören sie zu den Auserwählten, die nun auf eine große Reise gehen. Anlass für den großen Auftritt von 36 Krefelder Sängerinnen und Sängern mit anderen Chören aus verschiedenen Ländern in der berühmten Carnegie Hall ist der 75. Geburtstag von Jenkins.

Neben den Proben haben Kortmann und andere Chormitglieder als Organisationsteam eine Reihe ungewöhnlicher Aufgaben in der Vorbereitung der großen Reise zu erledigen. Mit einem Schmunzeln auf den Lippen erzählt Kortmann: „Ich musste die Größe aller Sängerinnen und Sänger in Inches angeben. Danach werden wir vermutlich auf der Bühne gestellt.“

Auf den drei DIN-A4-Seiten Checkliste für die Teilnehmer wird selbstverständlich auch die Kleiderordnung für den Auftritt vorgegeben: Smoking mit Kummerbund und schwarzer Fliege für die Herren. Für die Damen sind lange schwarze Kleider Vorschrift, die keine zu tiefen Ausschnitte besitzen dürfen. Schmuck und auch Parfüm sind tabu – Letzteres wohl, damit es keinem Chormitglied in einer nuancenreichen Duftwolke übel wird.

Wie viele Sängerinnen und Sänger gleichzeitig auf der Bühne stehen und von Jonathan Griffith, dem Künstlerischen Direktor der DCINY und Chefdirigenten, geleitet werden, das weiß Kortmann noch nicht. Er kann sich vorstellen, dass es insgesamt 150 bis 200 für die Aufführung des „Stabat Mater“ sein werden.

Der Crescendo Chor wird sich nicht als eine geschlossene Gruppe auf die Reise in die USA begeben. „Die Teilnehmer gestalten ihre Reise und ihr Programm selbst. Ich wollte nicht der Reiseleiter für alle sein“, erklärt Kortmann. Auch die Reisekosten trägt jeder Teilnehmer selbst.

Jürgen Venhofen (57), der seit 16 Jahren dabei ist und sich auch im Förderverein des Crescendo Chors engagiert, hat einen Teil des Abendprogramms organisiert: „Fast alle gehen in die Met, die Metropolitan Opera, und sehen eine Aufführung. Einige besuchen auch die Uno.“ Da nicht alle gleichzeitig reisen, ist es schon deshalb nicht möglich, ein durchgehendes gemeinsames Programm zu organisieren.

Eine zusätzliche Aufgabe hat sich Venhofen vorgenommen, denn er ist auch für die Homepage des Chors zuständig. „Es wird für die Daheimgebliebenen täglich News während des Aufenthalts geben.“

Für Katharina Fedder (31) ist der Auftritt in New York eine besondere Premiere: „Ich war noch nie außerhalb Europas.“ Eine Freude ist es für sie, das Ganze gemeinsam mit ihrer Mutter zu erleben, die schon seit vielen Jahren im Chor mitsingt. Die Tochter ist erst seit einem Jahr dabei, als sie erfahren hat, welch große Konzertreise damit verbunden sein würde. „Ich freue mich auch auf das ganze Drumherum“, gesteht sie, „zum Beispiel auch auf die After-Show-Party.“

Die Möglichkeit von Lampenfieber sehen die beiden Chorkollegen noch gelassen. „Es wird kommen, wenn man da steht und ein anderer Dirigent dirigiert und auch noch der Komponist anwesend ist“, sagt Venhofen. „Aber der Chor ist gut vorbereitet.“

Da muss nur noch die Anreise gut klappen. Man ist froh, dass es eine Direktverbindung zwischen Düsseldorf und New York gibt. Doch die derzeitigen Streiks beim Sicherheitspersonal an deutschen Flughäfen und auch der Ruf der gewählten Airline sorgen derzeit noch für ein anderes Kribbeln, bevor es das Lampenfieber am 21. Januar, 19 Uhr Ortszeit Ostküste, sein wird.

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