Burg Linn in Krefeld: Musical "Spamalot" in der Kritik

Musical : “Spamalot“ begeistert auf der Burg Linn

Das Theater Krefeld war mit seinem Hit-Musical „Spamalot“ zu Gast auf der Burg Linn – und überzeugte vor historischer Kulisse.

Die Suche nach dem sagenumwobenen heiligen Gral hat König Artus mit seinen Rittern mitten in den Hof von Burg Linn geführt. An zwei Abenden war jetzt in der märchenhaften historischen Kulisse ein wunderbares Ritterspektakel zu erleben. Im Rahmen der Woche „Kulturhoch Burg Linn“ gastierte das Theater Krefeld mit dem Musical „Monty Python`s Spamalot“ auf der Burg.

Im Innenhof der Burg fanden 300 Zuschauer Platz, die Karten zu beiden Abenden waren schnell ausverkauft. Vor den historischen Mauern war eine Bühne aufgebaut: Nachgebaute Mauern rechts und links fungierten als kleine Seitenbühnen, hinter denen Kulissen hervorgeschoben werden konnten und den Schauspielern Auf- und Abgänge ermöglichten. Geschickt nutzte man auch den oberen Gang auf der Mauer und die Treppen. Die teilweise auf den Mauern platzierten Scheinwerfer sorgten für passende Lichtstimmungen. Auf einer eigenen überdachten Bühne war die siebenköpfige Band um ihren musikalischen Leiter Jochen Kilian platziert.

Der Funke sprang schnell von der Bühne zum Publikum über

Der logistische Aufwand, der mehrere Tage Vorbereitung in Anspruch nahm, zeigte im Ergebnis einen perfekten Rahmen für das musikalische Ritterspektakel. Bereits im Theater Krefeld war das Musical, das auf dem Monty-Phython-Film „Die Ritter der Kokosnuss“ basiert, ein Hit. Und auch in Linn sprang bereits nach wenigen Minuten der Funke über. Die viel kleineren Dimensionen der Spielfläche wurden durch den Charme der historischen Kulisse am lauen Sommerabend mehr als aufgewogen. Die Nähe zwischen Publikum und Darstellern sorgte für eine wunderbar lockere Atmosphäre. So erhielt Henning Kallweit als mit Kokosnüssen klapperndes Pferd Patsy regelmäßig akustische Unterstützung aus dem Publikum.

Auch für Nicht-Monty-Python-Spezialisten entwickelte sich der Abend kurzweilig, so spielfreudig agierten die Schauspieler. Allen voran Adrian Linke als Artus, der auch in den verrücktesten Situationen noch seine Würde bewahrte. Ihm zur Seite ein herrlich-schräges Team von Rittern, die er nach und nach für seine Grals-Mission gewinnen konnte: der vom Kommunisten zum Schwanenritter sich wandelnde Sir Galahad (Ronny Tomiska), der überängstliche Sir Robin (Paul Steinbach), der eher dem Showbusiness und dem eignen Geschlecht zugeneigte Sir Lancelot (Michael Obhelders) und der eifrige Sir Bevedere (Philipp Sommer).

In wechselnden Rollen, darunter als Galahads Mutter und Prinz Herberts strenger Vater, setzte Michael Grosse besondere Akzente. Starke musikalische Auftritte hatte Esther Keil als „Fee aus dem See“ mit herrlich komischen Diva-Allüren. Unterstützung bekamen die Schauspieler von sechs weiteren Darstellern, die von Pesttoten und Waldtieren bis hin zu Showtänzern in viele kleine Rollen schlüpfen.

Die eingängige Musik war eine wesentliche Stütze des Stücks. Dieses ist mit derbem und oft rabenschwarzem britischen Humor gewürzt und stellenweise so albern, dass es schon wieder komisch ist. Dass man selbst ein durch die Luft geworfenes Stofftier als gefährliches Killerkaninchen durchgehen lässt und dabei noch schmunzelt, liegt an der richtigen Balance, die diese Aufführung traf. Damit es lustig wird, muss die überdrehte Komik von den Darstellern ernst genommen werden. Das war hier der Fall. Der besondere Charme kam jetzt durch den Schauplatz dazu. Der Hit des Stücks „Always look on the bright side of life“ beschrieb so perfekt die Stimmung dieses Abends, der nach zweieinhalb Stunden mit stehenden Ovationen zu Ende ging.

„Eine tolle Atmosphäre“, schwärmte eine Zuschauerin im Weggehen. Bereits bei der Ankündigung des Spektakels hatte es Museumsleiterin und „Burgherrin“ Jennifer Morscheiser auf den Punkt gebracht: „Großartiges Theater vor historischer Kulisse“.

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