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Burg Linn: Den Sensenmann fest im Blick

Burg Linn: Den Sensenmann fest im Blick

Georg Opdenberg zeigt 30 Arbeiten zum Thema Tod. Das Spektrum reicht von der Pest des Mittelalters bis zum Ersten Weltkrieg.

Krefeld. Die Ausstellung fügt sich so harmonisch in die Räume der Burg Linn ein, dass sie auf den ersten Blick kaum auffällt. „Memento Mori. 1914 - Auch ein Totentanz“ hat der Künstler Georg Opdenberg seine Schau mit ganz unterschiedlichen Werken genannt.

Rund 30 Arbeiten — entstanden ab den späten 1970er Jahren bis zum vergangenen Winter — werden fast zum Teil des historischen Interieurs. Passend zum Thema des Totentanzes arbeitet Opdenberg mit Materialien, die schon einmal gebraucht wurden oder eine Patina besitzen. Vom Dachdecker holt er sich zum Beispiel abmontierte Bleibleche.

Seine Ausstellung, die noch bis zum Wochenende läuft, ergänzt die Schau „1914-2014 Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg“. Dennoch steht bei Opdenberg die weiter reichende historische Dimension im Vordergrund. Memento Mori — gedenke des Todes — war schon für die Menschen der Antike ein Thema. Daran erinnert Opdenberg im unteren Rittersaal mit einem doppelten Schild auf einer Holzstange. „Charons Pfennig“ ist auf dem oberen zu lesen, auf dem unteren „STYX“, unterkringelt von einer Wellenlinie, dem Fluss der Unterwelt.

Auf diesen kleinen Exkurs in die griechische Mythologie folgt gleich daneben ein vertrauteres Motiv: der Sensenmann. Opdenberg hat ihn in seinem „Glücksrad“ (1999) auf die obere Bleischeibe in einem offenen Holzkasten gesetzt. Auf der unteren sitzen zum Beispiel ein Kirchenmann, eine nackte Frau oder ein Sackträger. Die Scheibe lässt sich drehen, so wird es dem Zufall oder Schicksal überlassen, welche der Figuren beim Sensenmann stehen bleibt.

In der Tradition der Totentanz-Darstellungen des Mittelalters, als Pestepidemien große Teile der Bevölkerung dahin rafften, stehen viele seiner Arbeiten auf Papier. In den kleinen Räumen im Obergeschoss sind vor allem Holzschnitte zu sehen. Der „Galgenvogel — Opfervogel“ im oberen Rittersaal hat durchaus biographische Bezüge zum Künstler. Anfang der 80er Jahre arbeitete Opdenberg als Landvermesser. „Wenn man dabei immer wieder Tierschädel auf dem Acker findet, kommt man ins Grübeln — vor allem wo unsere Zeit den Tod nicht mehr so im Blick hat“, sagt er.