Blackmore’s Night: Reise ins Mittelalter

Blackmore’s Night: Reise ins Mittelalter

Sogar Fans aus Frankreich und der Schweiz wollen den ehemaligen Gitarristen von Deep Purple und seine Frau in Linn sehen.

Krefeld. Der Fanclub von Blackmore’s Night ist groß und motiviert viele, auch aus der Ferne zu ihrem Auftritt zu reisen. Autos aus ganz NRW, sogar aus Süddeutschland, Belgien, Frankreich und der Schweiz füllten am Freitagabend sämtliche erlaubten und unerlaubten Parkplätze in Linn.

Ritchie Blackmore, Candice Night und ihre Band begannen auf Burg Linn mit der einzigen Show in NRW ihre Deutschland-Tournee 2014. Das Wortspiel um Blackmore’s Night wäre mit Candice’s Night eigentlich treffender, denn die Sängerin bestimmte - noch zusätzlich als Moderatorin mit einem sehr gut zu verstehenden Englisch - den Abend.

Ritchie Blackmore, Ex-Gitarrist der Deep Purple, zupfte brav in der zweiten Reihe, keinesfalls darauf bedacht, seiner Ehefrau in der Pole-Position die Schau zu stehlen. Musikalische Vielseitigkeit haben beide, aber auch die Mitglieder der Band in ihren Biographien.

„Ihr Stil umfasst die Melodien der Renaissance, die zauberhaften Klänge des Mittelalters und die Rhythmen der europäischen Volksmusik in einem modernisierten Soundbett“, so Veranstalter Lars Berndt. Wie eine gute Animateurin in einem Ferienclub gelingt es Candice mit einem Song, die Stimmung zu steigern. „We take you on a time trave!“ verkündet „Reiseleiterin“ Candice und verspricht Hits aus 17 Jahren Blackmore’s Night.

Das Publikum steigt gerne auf den Zug auf, nicht nur dass zahlreiche Zuhörer in den vorderen Reihen passend zum Bühnenbild und den Hauptdarstellern in mittelalterlich angehauchte Fantasy-Kostüme gekleidet sind, sie kennen natürlich die Songs und ihre Einsätze. Zum Glück lässt man das Ehepaar Blackmore-Night seine gefühlvollen, keltisch angehauchten Balladen alleine vortragen. Ein bisschen Klassik bietet die Band, mal eher als Persiflage auf die so genannte „ernste“ Musik, ein anderes Mal endet ein Stück aus der Carmina Burana am E-Piano in einem fetzigen Schlagzeug-Solo. Ihr „World of Stone“, das auf eine Melodie des 12. Jahrhunderts zurück gehen soll, bieten die Musiker sinfonisch aufgemotzt - ohne dass ein Bezug zum Original erkennbar wird.

Das Mittelalter bzw. die Renaissance in ihrer Musik muss man eigentlich mit der Lupe suchen, aber das ist an diesem schönen Sommerabend vor der Kulisse der Burg Linn nicht wirklich nötig. Die Stimmung stimmt, das Publikum ist zufrieden, und so einem „Kessel Buntes“ kann man sich auch einfach nur hingeben. Schließlich war für fast jeden Geschmack etwas dabei und Candice mit ihrer klaren ausdrucksstarken Stimme hört man gerne zu.

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