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Beuys diskutiert mit Brües

Beuys diskutiert mit Brües

Jochen Stückes „Moyländer Episoden“ sind ab morgen zu sehen.

„Der Esprit der Arbeiten wirkt sofort auf den Betrachter“, sagt Michael Rotthoff von der Sparkassen-Kultur-Stiftung. Er meint die 45 Zeichnungen von Jochen Stücke, die ab Freitag im Krefelder Kunstverein ausgestellt sind. Der 1962 in Münster geborene und an der Hochschule Niederrhein lehrende Künstler zeigt „Moyländer Episoden“, mit „Friedrich-Voltaire-Beuys“ untertitelt. Elke Meyer-Michael, Vorsitzende des Kunstvereins, hat in einer Stücke-Ausstellung erlebt, dass die Betrachter sich über die Bilder unterhalten. „Ich fand es eine gute Idee, die Bilder in Krefeld auszustellen“, sagt sie, zumal es Werke sind, die noch nicht in Schloss Moyland als „,Moyländer Episoden“, einem Teil des großen Zeichenprojekts „Pariser Album“, ausgestellt waren und nun ergänzt wurden durch einen auf Krefeld bezogenen Teil.

Ging es vorher um die Begegnung von Friedrich dem Großen und Voltaire auf Moyland, so kommen nun Joseph Beuys und Otto Brües hinzu. „Jochen Stücke ist Autor, nicht Illustrator, er erzählt die Geschichten selber“, sagt Meyer-Michael. Erfindet dabei neue Beziehungen, stellt sie in andere Zusammenhänge und schafft mit seinen Zeichnungen eine „Visualisierung der Kulturen.“ „Es ging mir nie darum, die Figuren zu werten“, sagt Stücke. Mit Blick auf die Rezeptionsgeschichte wolle er sie in einen anderen Kontext stellen. Ein „europäisches Projekt“ nennt er seine „Pariser Alben“ um den „deutsch-französischen Dialog“ in der Kulturgeschichte. Bei seinen Recherchen hat Stücke erfahren, dass Voltaire und Friedrich den englischen Dramatiker Shakespeare verachteten, Beuys jedoch sich von ihm angezogen fühlte.

Jochen Stücke, Künstler

Stücke spannt nun einen Bogen in seinen malerisch lavierten Tusche-Zeichnungen, zeigt einen „Beuys-Block mit Beuys-Blog“ und „Friedrich im Filz.“ Man trifft sich im Arbeitszimmer von Otto Brües, denn dessen Novelle über das Treffen des preußischen Königs mit dem französischen Philosophen gab Stücke den Anstoß zu den Verknüpfungen. Jochen Stücke pflegt einen Zeichenstil, der eine unverkrampfte Auseinandersetzung mit den Sujets vermittelt.

Er schreibt viele Gedanken auf die Blätter, lässt Passagen dunkel und geheimnisvoll erscheinen und verhindert eine vordergründige Rezeption. Die handwerkliche Fertigkeit stellt er nicht in den Mittelpunkt, er kann es sich leisten, sie wenn nötig aufblitzen zu lassen. Deutlicher wird die intellektuelle Auseinandersetzung mit den Motiven, sie war für ihn Voraussetzung. Dazu gehört, wie ein Fahrplan oder Netzwerk zu lesen, ein großes Blatt, dass die „Reizleitungen des europäischen Nervensystems“ zeigt.

Bei aller Sympathie für seine Figuren fehlt Stücke nicht die ironische Distanz zu ihnen. Und auch nicht zu sich selber und seinem künstlerischen Tun, dessen zeitbedingte Wirkung ihm bewusst bleibt. „Dioptrie der Geschichtsbetrachtung“ ist die dazu passende Zeichnung, auf der nur einige liegende Brillen versammelt sind.

Wie Otto Brües und Joseph Beuys in der Brües-Bibliothek über den Baron de Cloots diskutieren, ist im Niederrheinischen Literaturhaus, Gutenbergstraße 21, zu sehen. Dort wird eine Stücke-Ausstellung mit Arbeiten aus dem Themenkreis am Sonntag, 1. Oktober, um 18 Uhr eröffnet. Sie ist bis zum 5. November bei Veranstaltungen oder nach Vereinbarung zu sehen. Die Ausstellung im Kunstverein, Westwall 124, wird am Freitag, 29. September, um 19 Uhr eröffnet. Sie ist ebenfalls bis zum 5. November zu besichtigen. Es werden eine Edition und ein Mappenwerk zu Sonderpreisen angeboten.