Bei der Krefelder Inklusivband Rock am Ring ist Verschiedenheit normal

Musik : Wo Verschiedenheit normal ist

Seit 18 Jahren spielt in Krefeld die Inklusivband „Rock am Ring“.

Eigene Texte, schräge Performance und abwechslungsreiche Sounds – die Band „Rock am Ring“ sorgt seit dem 1. Juni 2002 für Auftritte der besonderen Art. 15 Musiker mit und ohne Behinderung leben dort eine Sprache, die jeder versteht: Die Musik. Ihren typischen Sound erreichen sie durch Rhythmus, Perkussion und Gesang. Diese Komponenten finden zahlreiche Unterstützung, durch Gitarre, E-Bass, Keyboard und Schlagzeug. Ihren Namen verdanken sie ihrem früheren Probenort am Frankenring.

„Für uns ist es normal, dass wir verschieden sind“, sagt die Lebenshilfe in Krefeld. Sie unterstützt die Band, damit alle Menschen gemeinsam aufwachsen, lernen und leben können. Weiterhin unterstützen die Aktion Mensch und die städtische Musikschule.

Die Mitglieder von „Rock am Ring“ komponieren ihre Stücke selbst

Gründer ist Gerd Rieger, ehemaliges Vorstandsmitglied der Lebenshilfe und studierter Musiktherapeut – er hat die Truppe stark geprägt. Die Idee kam mit der Geburt seiner Tochter Annika – zwei seiner drei Kinder haben das Downsyndrom. Ihnen wollte er die Möglichkeit geben „Musik als Integrations- und Kommunikationsmittel“ zu erleben. Sein gesunder Sohn ist ebenfalls in der Band aktiv. Der hauptberufliche Musiklehrer bringt den Mitgliedern immer wieder etwas bei.

Mit eigenen Stücken spiegelt die Band ihre eigene Sicht der Dinge wider: „Menschen mit Behinderung drücken ihre Freude an Musik sehr spontan, viel direkter und klarer aus, als wir es oft tun, die wir Noten lesen können und uns der Sache oft sehr wissenschaftlich nähern“, meint Rieger. „Bei den Proben fehlt keiner unentschuldigt und die sind jedes Mal so happy. Man geht richtig erfüllt wieder weg.“ In ihren Sessions entwickeln die Musiker ihre Harmonien selbst und entwickeln diese immer weiter, bis ein fertiges Stück zum Spielen einlädt. „Sie covern nichts. Die Leute sollen ihre eigene Musik spielen.“

2011 brachte die Band ihre erste eigene CD heraus

Stadtbekannt wird „Rock am Ring“ gerne eingeladen. Die 15 Musiker spielten beim Neujahrsempfang im Stadtwaldhaus. 2009 gab es einen gemeinsamen Auftritt mit der Solistin Brenda Boykin, in der Alten Kirche. Auch Auftritte beim Weltjugendtag mit dem Papst oder beim Maifest in Xanten werden nicht vergessen. Über die Jahre sind viele Stimmen aus den Reihen der Band gehört worden und sie sind sich einig: Gemeinsame Musik zu machen gebe allen einfach ein gutes Gefühl.

Erinnerungen gibt es zudem an das Burgfestival auf Burg Linn sowie an das Kleinkunstfestival in Oppum – dort waren sie der Eröffnungsact. Mit den Jazz-Musikern Clemens Gutjahr und Marcus Scheltinga komponierten sie sogar Variationen ihrer bestehenden Stücke für das Kultur-Tandem im Südbahnhof. Ganz aktuell waren sie beim Fest ohne Grenzen Ende August.

Seit knapp zehn Jahren leitet die studierte Erziehungspflegerin und Musiktherapeutin Andrea Hülsmann die Gemeinschafts-Band. Sie kann ebenfalls die positive Energie erleben. 2020 geht es wieder auf die Bühnen Krefelds, wie beim Cross-Over um die Burg Linn.

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