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Kultur: Beethoven ist überall – auch in Krefeld

Kultur : Beethoven ist überall – auch in Krefeld

Wir feiern den 250. Geburtstag des Komponisten. Wo finden wir ihn am Niederrhein? Über Aktionen des Theaters und Parallelen zur Band „Blind Guardian“.

Beethoven umgibt uns. Auf vielfältige Weise kommen wir mit seiner Musik in Berührung, immer wieder; aber auch mit den Spuren seines Schaffens, seinem Erbe. Bisweilen auch als feinädrige Wurzeln für manches, was wir gar nicht als Beethoven identifizieren können. Beethoven ist heute mehr denn je präsent in unserer Hochkultur, aber auch jenseits dessen, in populäreren Gefilden. Wollte man die Mittel des Boulevards heranziehen, könnte man fast sagen: Beethoven ist ein Megastar – und das nicht erst seit gestern.

Er ist eine Marke, mit seinem ikonisch gewordenen Antlitz, seiner Taubheit, und natürlich durch seine von unsterblich eingängigen Motiven geprägte Musik. Für Elise – man kann von dem, was mit diesem Stückchen passiert ist, halten was man möchte – gehört zum kollektiven Gedächtnis. Genauso wie das „Ta Ta Ta Taaa“ – Sie wissen schon.

Und natürlich ist er auf so vielfältige Weise präsent, auch in Krefeld – vielleicht nicht so unmittelbar wie im unweiten Bonn, wo Ludwig vor 250 Jahren geboren ist. Dort wird das Beethoven-Jahr natürlich auch entsprechend gewichtig gefeiert; weltweit gedenkt man Beethoven und seiner Musik und versucht ihn auf diese oder jene Weise aus heutiger Sicht, für die Menschen von heute und mit den Menschen von heute noch besser zu verstehen. Auch das Theater Krefeld Mönchengladbach hat sich mit dem „Beethoven!“-Ballett in die Reihe der Gratulanten eingereiht und eine persönliche Auseinandersetzung von Robert North mit Beethoven vorgelegt. Ein Bühnenbildentwurf zu diesem Stück, gezeichnet von Luisa Spinatelli, schmückt übrigens diese ganz Beethoven gewidmete Krefelder Kulturseite.

Theater plant einen Beethoven-Marathon in Rheydt

Und noch mehr zum Beethovenjahr erwartet uns am Niederrhein, allerdings in diesem Fall nicht in Krefeld, sondern Mönchengladbach. Der „Beethoven-Marathon“ des Theaters Krefeld-Mönchengladbach mit den Niederrheinischen Sinfonikern unter ihrem Generalmusikdirektor Mihkel Kütson kann aus logistischen Gründen nicht in Krefeld stattfinden, so das Theater, sondern soll die Beethovenfreunde aus der Region zum Theater Mönchengladbach in Rhyedt locken. Der Beethoven-Marathon ist als großes (Volks-)Fest mit Darbietungen von Orchester, Musiktheater, Ballett und Schauspiel im Theater Mönchengladbach sowie im Park am Theater geplant, heißt es in der Ankündigung. Genreübergreifend werden sich die einzelnen Sparten des Hauses der Persönlichkeit und Musik des Komponisten widmen, wobei der Aufführung aller neun Sinfonien eine zentrale Rolle zukommen wird: „1 Tag, 1 Orchester, 1 Dirigent, alle 9 Sinfonien Beethovens“ am 22. August ab 10.30 Uhr.

Doch das ist noch nicht genug. Auch weitere kleinere oder auch größere Konzerte huldigen Beethoven in Krefeld, so etwa auch in der Friedenskirche mit dem Schönhausen-Chor, der Beethovens Messe in C-Dur singen wird.

Die Auseinandersetzung der Nachwelt mit Beethoven hat aber viele Farben und reicht auch in weniger schöne Zeiten. Beethoven, dessen Schaffen auch immer etwas Revolutionäres hatte, wurde nicht selten vereinnahmt – politisch, künstlerisch, mal mit positiver Kraft, mal mit dunklen negativen Energien, die aber dem Werk, der Aura dessen und dem Erbe schlussendlich nichts anhaben konnten.

Am 17. Dezember 1770 wurde Beethoven getauft; vermuten könnte man, dass dies nach den Gebräuchen jener Zeit – als Neugeborene möglichst schnell aus den Fängen des Fegefeuers befreit werden mussten, da man nicht wusste wie lange und ob sie überleben –, kurz nach seiner Geburt geschehen musste. Vielleicht erblickte der rheinische Junge also am 16. die Welt im Gartenflügel in einem Bürgerhaus in der heutigen Bonngasse 20, damals trug das Haus die Nummer 515. In einer kleinen Dachstube nahm Beethovens Leben seinen Anfang und dieses sollte wahrlich Großes bewirken, für die Musik, ja für die gesamte Musikwelt europäischer Prägung und darüber hinaus, nach ihm. Viel Leid, seine Taubheit, seine Einsamkeit – bisweilen romantisch verklärt – begleitete ihn auf seinem Weg, an dessen Rand sich wunderschöne Blumenbeete musikalischer Werke finden lassen, die er kraftvoll seinen Mitmenschen und der Nachwelt hinterließ.

Das Erbe von Beethoven geistert auch durch heutige Musik

Seine Musik, die tradierte Regeln der Kunstmusik revolutionierte, beeindruckt uns heute und sorgte schon bei seinen Zeitgenossen für verblüffte Ohren. Man muss wissen, dass „klassische“ Musik, wie wir es heute verstehen, immer auch ein Spiel mit Traditionen und ihr Infragestellen und zeitgleich Verinnerlichen war und ist. Nicht aus einem luftleeren Raum kam Beethoven auf so ikonische Werke wie die Fünfte Sinfonie, die jedes Kind kennt oder seine Neunte, deren finales Thema es sogar zur Europahymne geschafft hat.

Und vieles von dem, was für die Hörer jener Zeit in anderem Kontext ganz anders angemutet haben mag, vernehmen wir heute mit vollkommen veränderten ästhetischen Filtern. Dennoch ist seine Musik in großen Teilen von einer besonderen Zeitlosigkeit. Vielleicht auch, weil seine Tonsprache so viel Einfluss auf unsere heutige Musikgeschichte hatte. Nicht nur in Konzerten mit den Niederrheinischen Sinfonikern steckt immer wieder viel Beethoven, selbst wenn auf dem Titelblatt der Noten ein anderer Name steht.

So steckt in den Riffs und Harmonien, die beispielsweise die harten Krefelder Jungs von Blind Guardian spielen, viel mehr Beethoven als man vermutet. Denn wie viel Beethoven steckt doch in Musik von Wagner, Bruckner oder Mahler und so viel davon über Umwege des Expressionismus etwa beispielsweise in Musikrichtungen wie Metal. Düstere Kräfte, die der Wahlwiener Beethoven in seine Töne wie kaum ein anderer – Ausnahmen bestätigen die Regel – packte, entwickeln sich bei ihm immer wie ein Funke, der ein Feuer entzündet. Nicht umsonst schrieb Beethoven seinen Prometheus und seine „Eroica“, seine 3. Sinfonie. Die heroische, die nicht nur politisch revolutionäre Energien in sich birgt, sondern überhaupt revolutionierte, was Sinfonien sind und sein können.

Ohnehin, es gibt so viele paradigmatische Werke von ihm, ob Kammermusik, Sinfonik, seine Art für das Klavier zu schreiben, seine Klavierkonzerte, aber auch die einzige Oper „Fidelio“, die durchaus wie ein Scheidepunkt in der Geschichte dieser Gattung wirkte.

Musikwissenschaftler können mehrere Bibliotheken mit wunderbaren Erkenntnissen über die Ästhetik, die Wirkung, die Struktur, die Geheimnisse und Kniffe seiner Musik füllen – das ist ganz vortrefflich. Doch selbst wenn man nicht derart vertieft in die Materie einzutauchen gedenkt, liegt eines offen: Beethoven hat durch seine Art der Harmonien, also musikalische Zusammenhänge in zeitgleich klingenden Tönen, Motive, also die Bausteine, aus denen ein Werk besteht, und Form, also das, wie ein Stück innerlich aufgebaut ist, Musik geschaffen, die unzählige Menschen inspiriert hat. Ohne Beethovens Weise etwa für bestimmte Instrumente zu schreiben oder ohne seine Idee von sinfonischer Musik, würde heute – soviel darf man mutmaßen – die Musik, die uns täglich umgibt, wahrscheinlich ganz anders klingen.

 Unabhängig davon, ob Sie nun musikaffin sein mögen oder es weniger sind; man kann auch auf ganz anderen Wegen in Krefeld Beethoven seine Aufwartung machen. Wie wäre es beispielsweise mit einem Spaziergang durch die kleine Beethovenstraße in Uerdingen?

Informationen zu den offiziellen aus Bonn organisierten Beethoven-Feierlichkeiten finden sich online unter:

bthvn2020.de