Ausstellung: Ein Feld aus Papiernoten

Ausstellung: Ein Feld aus Papiernoten

In der früheren Pförtnerloge zeigt ein gegensätzliches Künstlerpaar seine Arbeiten.

Krefeld. Zierliche Papierblüten wachsen aus Notenständern, auf einer Wandtafel sind rätselhafte Berechnungen zu lesen. In der inzwischen sechsten vom Bundesverband Bildender Künstler Niederrhein organisierten Ausstellung in der ehemaligen Pförtnerloge der Fabrik Heeder treffen Kunst, Natur und Wissenschaft gleichermaßen aufeinander.

Die Rauminstallation mit dem Titel „Intransformation“ stammt vom Künstlerpaar Lotte Füllgrabe-Pütz und Erich Füllgrabe. „Eigentlich arbeiten wir selten zusammen“, sagt die aus Herne stammende Künstlerin, die früher als Architektin tätig war.

Betrachtet man die Arbeiten der beiden, verwundert das nicht, denn sie scheinen sich mit ganz unterschiedlichen Welten zu beschäftigen. Für Füllgrabe-Pütz ist Behausung immer noch ein Thema. Dabei arbeitet sie sehr naturbezogen und benutzt am liebsten Papier und Pflanzen als Material.

So auch für das eingangs erwähnte „Blätternotenfeld“, das im Zentrum des Raumes steht. Auf 16 Notenständern wachsen aus einem Drahtgeflecht die zarten Papiernoten heraus. Es sind von Papier umhüllte Samen, Gräser und Zapfen, die für verschiedene Tonlagen stehen sollen.

Die Künstlerin ist auch begeisterte Chorsängerin und so bilden diese Blütennoten eine eigene Melodie für sie. Mit der Papierhülle als Schutz und Behausung weist sie auf die menschliche Existenz hin, deren Veränderung und Verfall schwingen in dieser sehr poetischen Installation ebenfalls mit.

Für Erich Füllgrabe ist die Pförtnerloge eine „Membran zwischen innen und außen“. Seine beiden Arbeiten geben sich einen sehr naturwissenschaftlichen Anstrich, knüpfen aber auch an das „Blätternotenfeld“ an. Auf der schwarzen Wandtafel finden sich Spuren der dort verwendeten Blätter, die er unterm Mikroskop betrachtet hat. „Ich zerlege den archivierten Zustand“, erklärt der studierte Biologe und Historiker. Die in zierlicher weißer Schrift zu lesenden Berechnungen geben auch ein optisch reizvolles Bild ab.

Beeindruckend und herrlich skurril ist die sogenannte „Geigen-Mülstheinn-Kammer“, die der Künstler an der Wand daneben aufgebaut hat. Als „künstlerische Messmaschine, um Sprache zu untersuchen“ stellt Füllgrabe sie vor. Mit einem Augenzwinkern lässt er im nächsten Satz den Betrachter wissen, dass Witz und Wissen aus derselben Wortwurzel kommen.

Am 15. Juni (14-18 Uhr) wird die seltsame Maschine genauer erläutert. Ansonsten gilt wie immer in den hier gezeigten Ausstellungen das Guckkastenprinzip. Durch die großen Fenster ist der Raum jederzeit von außen einsehbar.