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14 Transparente gegen Wasserverschwendung

Ausstellung : 14 Transparente gegen Wasserverschwendung

Jari Banas stellt im Südbahnhof aus. Werke, die Kunst, Aktivismus und Information zusammenführen sollen.

Ein wenig blaue Farbe klebt noch an den Unterarmen von Künstler Jari Banas. Bis kurz vor Beginn seiner Ausstellung „Ohne Wasser kein Leben“ hat er 14 Bilder, Karikaturen und Comics gemalt. Seit Donnerstag sind diese im Südbahnhof zu sehen. An Holzrahmen befestigt lehnen die Plakate als Schilder an den Wänden des hohen Gewölbes.

Die Arbeiten des 69-jährigen Künstlers haben ein politisches Ziel. Die Werke sollen für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Ressource Wasser sensibilisieren. So ist die Ausstellung Teil eines zweijährigen Projekts des Krefelder Kunst- und Kulturvereins Werkhaus. Gefördert von der Stiftung für Umwelt und Entwicklung befassen sich verschiedene Aktionen mit dem Wasser.

Erste Werkhaus-Schau
nach der Corona-Pause

Die Ausstellung des Mannes, den alle bei seinem Vornamen Jari ansprechen, hat dabei besondere Bedeutung. Mit dieser kommt das Werkhaus-Projekt aus der Corona-Zwangspause zurück. Das kulturelle Leben geht so im Südbahnhof wieder los – freilich mit Mundschutz und Abstand. „Das hat gefehlt“, sagt Anja Jansen vom Werkhaus.

Jari sitzt im blau-weiß gestreiften Matrosen-Shirt auf einem Stuhl zwischen seinen Bildern. Vor ihm auf einem Tisch liegt ein kleiner Berg aus Zetteln. Auf diesen hat er Text- und Bildentwürfe gesammelt. Die Herausforderung ist, davon Inhalt, Kunst und Humor auf wenigen Transparenten zu verdichten. Zwei Wochen habe er Tag und Nacht daran gearbeitet, sagt Jari. Die 14 Bilder hat er mit römischen Ziffern nummeriert und nacheinander aufgereiht – eine Anlehnung an die Stationen des Kreuzwegs. „Man muss die Stationen hier aber nicht durchleben“, sagt der Künstler und lacht. „Ernst nehmen muss man es aber schon“, wirft Jansen ein.

Die Botschaften von Jaris Werken sind unmissverständlich. „Wir haben das Wasser, die Meere und Ozeane übernutzt & verschmutzt“ steht da etwa in großen Lettern. Zu geschriebenen Elementen kommen jeweils Karikaturen oder kurze Comics. Jari bemüht sich auf wenig Platz, etliche Probleme im Umgang mit Wasser zu benennen. Es geht um Müll in den Meeren, Trockenheit in Krefeld und die ungerechte Verteilung des Trinkwassers weltweit.

Jari will sich dieser Vielzahl an Herausforderungen mit Satire nähern. Ein Bild zeigt etwa einen goldenen Wasserhahn, der sich mit einem Dollarzeichen auf- und zudrehen lässt. Es ist Jaris Kritik an der Privatisierung von Trinkwasservorkommen, die gerade in armen Ländern Menschen ausschließt. Das Thema ist also ernst – es geht um leben und überleben. „Dennoch versuche ich, immer Humor hereinzubringen. Das Schlimmste ist, etwas mit erhobenem Zeigefinger zu erklären“, sagt Jari.

Immer wieder begegnet der Betrachter der Ausstellung außergewöhnlichen Fakten. Auf einem Transparent rechnet Jari vor, wie viel Wasser Menschen im Alltag unbemerkt verbrauchen. Bei der Herstellung eines T-Shirts sind etwa 2000 Liter Wasser nötig. Bei einem Kilo Bohnenkaffee sind es 21 000 Liter. So hat es Jari recherchiert und notiert. Für seine Kunst müsse er viel lesen, sagt er und schiebt hinterher: „Comics machen ist nicht doof.“ Der gute Künstler brauche Wissen.

Die Transparente, hier das mit der römischen Zwei bezeichnete, tragen bisweilen markante Sprüche. Foto: Jochmann, Dirk (dj)

Seit Jahrzehnten ist Jari stets zwischen Aktivismus und Kunst unterwegs. Er hat „Das Kapital“ von Karl Marx zum Comic gemacht und den ersten deutschen Öko-Comic, „Die Wyhlmaus“, gezeichnet. Der Umweltschutz war und ist sein Thema. Aber ist das nicht frustrierend, sich über Jahre an den zahlreichen Missständen abzuarbeiten? Es tut sich doch so wenig, oder?

Jari deutet auf ein leicht vergilbtes Buch vor sich auf dem Tisch, die „KKW-Fibel“. Für das Anti-Atomkraft-Buch hat Jari 1976 seine ersten Illustrationen und Karikaturen gemacht. Damals habe es 19 aktive Atomkraftwerke in Deutschland gegeben. Mittlerweile laufe der Ausstieg. „Man kann die Menschen also sensibilisieren“, sagt Jari.

Nun setzt er sich für die Agenda 2030 ein. Mit dieser drücken viele Staaten gemeinsame Nachhaltigkeitsziele aus. Das Wasser ist ein zentrales Thema. Dass jeder helfen kann, die Ressource zu schonen, zeigt Jari in seiner Kunst. Auf einem Bild hat er Krefelds Seidenweber-Denkmal eine Gießkanne in die Hand gedrückt. Damit wässert das Symbol der Stadt einen Baum.

Jeder könne eine Patenschaft für einen Baum übernehmen, sagt Jari. Wer aus der Ausstellung geht, soll also mithelfen. Das zeigt auch das letzte Plakat. „Dem Wasser eine Stimme geben“, fordert der Künstler da. Daneben hat Jari notiert, wo Besucher weitere Informationen finden. Wer den Südbahnhof verlässt, soll das Wasser-Problem nicht vergessen.

werkhaus-krefeld.de