Kreuzweg: Die Idee des Friedenskreuzes wurde in Krefeld Wirklichkeit

Kreuzweg: Die Idee des Friedenskreuzes wurde in Krefeld Wirklichkeit

1947 trug eine Gruppe Krefelder das schwere Eichenkreuz durch halb Europa. Diese Wallfahrt war ihr persönlicher Einsatz für den Frieden.

Krefeld. Im April 1947, als auch in Krefeld die Kriegsfolgen noch überall spürbar waren und große Not herrschte, hatten einige Bürger eine Idee: Wir wollen uns für den Frieden einsetzen. Und während die Mächtigen der Welt über das Schicksal des deutschen Volkes berieten, trugen monatelang Männer im Bistum Aachen ein schweres Holzkreuz durch die kriegszerstörte Diözese und später durch ganz Europa.

Ihr Kreuzweg wurde ein eindrucksvoller Friedensaufruf. Wie kam es dazu? Aus der Gefangenschaft heimgekehrte Priester und Laien trafen sich schon ab Herbst 1945 regelmäßig in der Dionysiuskirche zu einer "Wiedersehensstunde mit Gott". Aus Kontakten mit ähnlichen Gruppen entstand die Katholische Männerbewegung im Bistum Aachen, die der damalige Aachener Bischof van der Velden in Krefeld ausrief.

Und die Krefelder Gruppe um Kaplan Dr. Lambert Drink und Walther Pesch verwirklichte die schon in einem Kriegsgefangenenlager geborene Idee einer Wallfahrt mit dem Friedenskreuz. Der Krefelder Schreinermeister Franz Eicks erstellte ein 3,50 Meter hohes und 2,25 Meter breites Eichenkreuz, das drei Zentner wog. Der Aachener Künstler Professor Anton Wendling schnitt in ein Holzbrett das Antlitz des dornengekrönten Christus, das in den Schnittpunkt des Kreuzes eingelassen wurde.

Vier Männer trugen mittels einer Querstange am unteren Balken das Kreuz, welches durch zwei weitere Männer von hinten gestützt wurde. Der damalige Stadtdechant, Prälat Gregor Schwamborn, weihte bei einer Messfeier in der überfüllten Dionysiuskirche das Kreuz.

Von April bis September 1947 dauerte danach die in Krefeld begonnene Wallfahrt durch alle Dekanate bis zum Aachener Dom, der Bischofskirche. Ein Urkundenbuch begleitete das Kreuz. Damals konnte sich niemand vorstellen, dass dieses Kreuz (inzwischen mehrfach von der Domschatzkammer restauriert) als Aachener Friedenskreuz seinen Siegeszug durch ganz Europa antreten würde.

Es war beim Papst in Rom und bei den Katholikentagen, bei Eucharistischen Kongressen und 1989 zum Gedenken an den Kriegsbeginn im September 1939 in Polen. Inzwischen wird es von der Pax-Christi-Bewegung betreut. Noch heute, 60 Jahre nach der ersten Wallfahrt, folgen katholische Männer dem Aufruf von Lambert Drink "Fasst an das Kreuz".

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