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Krefelds Rheindeich wird als Treff für junge Leute zur Müllhalde

Stadtsauberkeit : Rheindeich – der Treff für junge Krefelder wird zur Müllhalde

Schöne Orte ziehen in Corona-Zeiten viele Leute von nah und fern an. Das bringt Probleme mit sich. Die Stadtreinigung ist viel im Einsatz.

Die Einschränkungen im Lockdown locken bei trockenem Wetter die Menschen ins Freie und in die Natur. Doch es sind viel mehr als vor Corona-Zeiten – und die Folgen davon sind überall zu sehen. Wasser hat eine starke Anziehungskraft. Nachdem die Stadt den Rheindeich aufwändig und ansprechend saniert hat, zieht es nicht nur die Uerdinger dort zu jeder freien Minute hin. Ob zu Fuß oder per Rad. „Die Spuren sehen wir überall, der Abfall fliegt durch die Gegend, der Lärm in den Abend- und Nachtstunden ist teils gehörig und auch das Verbot, über den Deich nicht mit dem Fahrrad zu fahren, ignorieren viele“, schildert Uwe Rutkowski vom Vorstand des Uerdinger Kaufmannsbundes.

Wegen geschlossener Lokale wird im Freien gegessen

Das Problem sei nicht neu, aber durch Corona eben noch verstärkt, sagt Rutkowski, der mit weiteren Mitgliedern und dem Stadtmarketing nahe des Alten Zollhofs in den Sommermonaten die Rhine Side Gallery mit Strandbar betreibt. Auf dem Parkplatz treffen sich bereits jetzt vorwiegend junge Leute, nicht immer Corona-konform mit Abstand und Mund-Nasen-Schutz, dafür mit Getränken, meist Fast Food und Ghettoblaster oder Musik aus dem Autoradio. Die Alternativen zum Ausgehen fehlen.

Der Abfall bleibe oftmals liegen oder fliege rum. Oder es türmen sich Kartons und Becher wie Bauklötzchen auf den überquellenden Abfalleimern auf dem Rheindeich, wie vergangene Woche bei über 20 Grad Celsius überall zu sehen. „Das ist eine Folge davon, dass die Gastronomie zu hat und man das Essen nur zum Mitnehmen ordern kann“, sagt Rutkowski – und ist ein Stück frustriert. „Anwohner haben das voraus gesagt“, erinnert er, „dass der Rheindeich jetzt zwar wunderschön ist, aber eben auch mehr Menschen von überall her anzieht, die ihren Müll dort liegen lassen und bis in den späten Abend Lärm verursachen.“

Bezirksvorsteher Jürgen Hengst (SPD) ist das ebenso bewusst wie dem Uerdinger Ratsherrn Ulrich Lohmar und die Problematik immer wieder Thema in der Bezirksvertretung (BZV). „Der Kommunale Ordnungsdienst und die Polizei kontrollieren im Rahmen ihrer Möglichkeiten, in der BZV versuchen wir nachzusteuern“, sagt Hengst. Man habe situationsbezogen mit dem Kommunalbetrieb und der Gesellschaft für Stadtreinigung und Abfallwirtschaft Krefeld (GSAK) gesprochen. Der Standard-Zyklus für die Leerung der Abfalleimer ist daraufhin im vergangenen Jahr von einmal die Woche auf dreimal erhöht worden. „Das war eine deutlich erkennbare Verbesserung“, sagt GSAK-Geschäftsführer Wilfried Gossen.

Mit provokanter Plakatkampagne in die Köpfe der Leute – als Idee

Diese zusätzliche Beauftragung gilt nur für die Monate April bis Oktober. So auch in diesem Jahr. Seit Ostern wird wieder häufiger geleert, doch wegen des plötzlichen Wetterumschwungs mit kalten Temperaturen und Schnee hatten die GSAK-Mitarbeiter zunächst noch nicht so viel zu tun. „Wenn wir merken, dass die dreimalige Reinigung nicht ausreicht, müssen wir weiter nachjustieren“, erklärt Gossen. Allerdings könne der Reinigungs-Rhythmus in der Stadt nicht so einfach geändert werden bei insgesamt 4000 Abfalleimern im Stadtgebiet, von denen die meisten nur einmal wöchentlich dran sind. „Bis auf die Innenstadt, auf der Fußgängerzone leeren wir bis zu dreimal am Tag“, so der GSAK-Geschäftsführer.

Man müsse in die Köpfe der Menschen rein, mit der Botschaft, dass Müll in die Abfallkörbe gehöre oder gar wieder mit nach Hause zurück genommen werde, wenn man sich draußen trifft, sinniert Rutkowski. Wie das geht, haben Thun und der Hohenlohe Kreis mit provokanten und vielbeachteten Plakat-Kampagnen bewiesen. Darauf ist beispielsweise zu lesen: „Warum wirfst du Deinen Müll in die Natur?“ Das ist eine Idee, die Rutkowski mit dem Stadtmarketing demnächst mal besprechen will.