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Krefelds mittelalterlichen Stadtkern wieder sichtbar machen

Historischer Stadtkern : Krefelds mittelalterliches Stadtherz

Neue WZ-Serie stellt die architektonischen Besonderheiten der Innenstadt vor.

Die Städte Frankfurt am Main mit dem Dom-Römer-Projekt sowie Lübeck mit ihrem neuen Gründerviertel stellen auf sehr unterschiedliche Weise ihre alten Stadtgrundrisse wieder her. Eine Auseinandersetzung mit der historischen Stadt wünscht sich die in Krefeld geborene Architektin Claudia Schmidt auch für ihre Heimatstadt.

Wer als Besucher der Innenstadt über die geschlängelte Hochstraße Richtung Schwanenmarkt geht, dem sei laut Schmidt oftmals nicht bewusst, dass hier die mittelalterliche Urzelle Krefelds liegt. Die ist im Grundriss fast unverändert erhalten geblieben. „Ein Glücksfall“, sagt Schmidt aus Sicht einer Stadtplanerin. Wieso das so ist und welche Möglichkeiten sich daraus für die Attraktivitätssteigerung der Stadt ergeben, möchte Schmidt aufzeigen. Im Zusammenspiel mit dem Vagedesplan besitze Krefeld eine einzigartige Stadtstruktur, die es herauszuarbeiten gilt. In neun Teilen stellen wir in loser Folge diese markanten Plätze und Straßenzüge vor.

Auch Stadtforscher Georg Opdenberg als Kenner Krefelds ist mit im Boot. Gemeinsam spazieren beide für die neue WZ-Serie in den nächsten Wochen durch die Innenstadt. Zum Auftakt treffen sie sich an dem Ort, wo von Beginn an das weltliche und das kirchliche Zentrum angesiedelt waren: Schwanenmarkt und Alte Kirche bildeten das Herzstück des damaligen Stadtkerns.

Schwanenmarkt war
Zentrum von Kirche und Markt

„Wer heute hier vorbei kommt, wird nicht direkt an das Mittelalter denken und auch nicht bemerken, dass der Schwanenmarkt ein Platz ist“, sagt Schmidt bedauernd. 1361 erhielt Krefeld das Recht, einen Jahr- und Wochenmarkt abzuhalten. Der Platz dafür war der Schwanenmarkt. 1678 fand die erste Stadterweiterung statt. Anhand historischer Stadtpläne um 1700 ist gut erkennbar, dass der Schwanenmarkt ein Platz von ungefähr quadratischer Form gewesen ist. Wahrscheinlich war der Platz im Mittelalter viel größer, die Fassade der heutigen Geschäfte Walbusch und Greve lag etwa fünf Meter weiter zurück, genauso wie die gegenüberliegende Bebauung, wie Opdenberg ausführt. Ein Rathaus wurde erst später auf den alten Markt gestellt, an der Stelle, wo heute Thalia seinen Standort hat.

Opdenberg: „Ein schmaler Tordurchgang im quer stehenden Schulhaus verband zu der Zeit die Alte Kirche über eine Gasse mit dem Marktplatz.“ Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand durch Abriss des Schulhauses eine kleine freigelegte Fläche vor dem Nordportal der Kirche.

„Dem alten Marktplatz fehlt es heute an Aufenthaltsqualität, denn durch das Bombardement im Zweiten Weltkrieg sind ein paar Raumkanten abhanden gekommen und die Dualität von Marktplatz und Kirche ist verschwunden“, erklärt Schmidt. Die zerstörte Gasse wurde in der Nachkriegszeit nicht wieder aufgebaut, die Brache als Parkplatz ausgewiesen. Seither klaffe anstelle der alten Gasse dort ein „riesiges Loch“. Die Rede ist vom „Evangelischen Kirchplatz“.

Modell in Alter Kirche
veranschaulicht die Idee

Mit der geplanten Erweiterung des Schwanenmarkt-Centers gibt es laut Schmidt nun erstmals wieder die Chance, die Atmosphäre eines mittelalterlichen Kerns wiederzubeleben — „ohne aber in Kitsch zu verfallen.“ Als Vorbilder verweist sie auf die zeitgenössischen Interpretationen historischer Bebauung, die momentan in Lübeck entstehen. Als Denkanstoß ist in der Alten Kirche ein Modell zu sehen, das der Verein für Heimatkunde als Diskussionsbeitrag zu den nahenden Jubiläumsjahren (2019 – 200 Jahre Vagedes, 2021 – Jahr der Stadtkultur und 2023 – 650-jähriges Stadtjubiläum) initiiert hat.

Für den Evangelischen Kirchplatz wird eine Blockbebauung und ein Baukörper auf dem Platz vorgeschlagen, so dass wieder eine Gasse entsteht, die den Blick auf den Eingang der Alten Kirche lenkt. Für die geplante Erweiterung des Einkaufscenters sind statt der geplanten kubischen Fassade mit Flachdach, hohe zackige Giebel vorgeschlagen, wie sie im Mittelalter mit der Backstein- und Fachwerkarchitektur am alten Marktplatz vorhanden waren.