Krefelds erster Tee-Sommelier

Krefelds erster Tee-Sommelier

Sascha Wagner will Krefeldern die Liebe zu dem Heißgetränk näherbringen. Deutschlandweit gibt es nur etwa 180 Experten.

Sascha Wagner steht in seinem Laden und gießt Tee auf — den Krefelder Seidenweber, eine Grün-Schwarztee-Mischung. Wagner empfiehlt hierfür niedrige Temperaturen, etwa 80 Grad, und eine kurze Ziehzeit. Sonst wird der Tee durch die Gerbstoffe schnell herb. Woher Wagner das alles weiß? Er ist ausgebildeter Tee-Sommelier, der erste in Krefeld.

Bei der IHK Bonn/Rhein-Sieg hat sich Wagner ein halbes Jahr lang schulen lassen. „Es war mir einfach ein Anliegen, auf meinem Fachgebiet bestmöglich ausgebildet zu sein, um dieses Wissen auch so gut ich kann weiterzugeben.“ In zwei anderen Geschäften hat Wagner gearbeitet, bevor er den TeeGschwender Laden im Schwanenmarkt übernommen hat. Früher war er in einem IT-Unternehmen tätig, dann wollte er die Leidenschaft fürs Heißgetränk zum Beruf machen.

Besonders inspiriert haben ihn dazu vor allem seine Reisen zu den Teeanbaugebieten Darjeeling und Ceylon auf Sri Lanka. In den Teegärten hat er selber beim Pflücken geholfen und viel über die Verarbeitung der Teepflanze gelernt. „Man bekommt einfach einen ganz anderen Respekt vor der Teeproduktion und der Leistung all derer, die daran beteiligt sind, dass wir hier am Ende einen tollen Tee in der Tasse haben.“

Diese Erfahrung will Wagner weitergeben. Für die meisten sei Tee etwas so herkömmliches und normales, dass das Interesse am Tee-Erlebnis beim Teebeutel aufhöre. Nach dem Motto „Tee? Kenn ich!“

Das muss und sollte nicht alles sein, findet Wagner: In Workshops und Schulungen will er den Krefeldern die Liebe zum Tee näherbringen. Beispielsweise bietet Wagner zwei Kurse an der Volkshochschule an, „Tee und Meditation“ sowie einen Tee-Verkostungsworkshop. In diesen will er Tee und die richtige Zubereitung für seine Teilnehmer mit allen Sinnen erlebbar machen.

Wie spannend er selbst Tee findet, wie viel der Konsum auch mit Kultur und Geschichte zu tun hat, will der Tee-Sommelier vermitteln. Tee gehört für Wagner schon lange zur Stadt Krefeld: „Wenn so ein Fachgeschäft wie dieser Teeladen seit 40 Jahren existiert, dann spricht das natürlich für die Teekultur der Stadt.“

Auch an Schulen und Kindergärten würde Wagner gerne Hintergrundwissen zu Tee und seiner Entstehung vermitteln, Angebote schaffen, um, mit allen Sinnen zu lernen. „Das Aha-Erlebnis beginnt oft schon damit, dass viele gar nicht wissen, dass alle Teesorten aus ein und der gleichen Teepflanze gemacht werden.“ Allein die Verarbeitung der Blätter entscheide darüber, ob am Ende ein weißer, grüner oder schwarzer Tee entsteht.

Wagner hat auch schon einige Kaffeetrinker in seinem Umfeld „bekehrt“: „Ich war selbst im Außendienst tätig. Man bekommt ja immer nur Kaffee angeboten. Einen guten Tee serviert zu bekommen, ist eine Seltenheit.“ Der ausgebildete Sommelier empfiehlt vor allem einen kräftigen schwarzen Tee oder den teeinhaltigen Matcha als Kaffeealternativen. Auch die Teekarten in einigen Cafés hat er in Zusammenarbeit mit Gastronomen schon ausgearbeitet: Hier stehen nun einige seiner etwa 300 loosen Tees zur Auswahl.

Wagner will als „Teemann“ das Erlebnis der Teevielfalt weitertragen und die Krefelder einladen, sich bewusst auf den Geschmack zu konzentrieren. Denn „für Tee kann man sich auch mal Zeit nehmen“, findet der Sommelier.

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