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Krefelds Corona-Manager: Hoffe sehr, dass uns 2. Welle erspart bleibt

Krefelds Corona-Manager Hagenräke : „Ich hoffe sehr, dass uns die zweite Welle erspart bleibt“

Dirk Hagenräke ist so etwas wie Krefelds Corona-Manager. Angesichts der jüngsten Lockerungen im öffentlichen Leben hat er kein gutes Bauchgefühl.

Angesichts der jüngsten Lockerungen im öffentlichen Leben hat Dirk Hagenräke kein gutes Bauchgefühl. „Die neuen Freiheiten werden sich nächste Woche vermutlich in mehr Neuinfektionen widerspiegeln“, sagt der Abteilungsleiter des Teams Infektionsschutz im Gesundheitsamt. „Ich hoffe sehr, dass uns die zweite Welle erspart bleibt.“

Hagenräke ist so etwas wie Krefelds Corona-Manager. Seit Mitte März lautet sein Auftrag: Covid-19 in Schach halten. Fast das gesamte Gesundheitsamt kümmert sich seitdem mit rund 40 Mitarbeitern um die Virusbekämpfung. Es geht darum, Infizierte so schnell wie möglich zu isolieren und deren Kontaktpersonen aufzuspüren, damit es nicht zur Ausbreitung der Lungenkrankheit kommt.

Das Team um Hagenräke treibt dabei einen gewaltigen Aufwand. Jeder Infizierte wird telefonisch eingehend befragt. Entscheidend sind dabei die vergangenen sieben Tage: Mit wem hatte der Erkrankte außerhalb seines Haushaltes Kontakt, ob im Büro, auf dem Wochenmarkt oder beim Sport? Relevant sind vor allem alle Gespräche von Angesicht zu Angesicht (face to face), die 15 Minuten oder länger gedauert haben.

 Auf fünf bis zehn Kontaktpersonen stößt das Gesundheitsamt im Schnitt. Sie alle werden ebenfalls telefonisch befragt und unter häusliche Quarantäne gestellt. Damit aber nicht genug. Wie alle anderen rund 400 Gesundheitsämter in Deutschland, so muss sich auch die Behörde in Krefeld zwei Wochen lang täglich mit den Kontaktpersonen beschäftigen. Per Anruf wird nach Fieber und Symptomen gefragt. Im Zweifel folgt ein Corona-Test im Diagnosezentrum an der Schwertstraße. Tausende Telefonate sind in den vergangenen Wochen zusammengekommen. „Das alles haben wir mit Kräften aus dem Gesundheitsamt und anderen Teilen der Verwaltung gestemmt“, berichtet Hagenräke.

Labore sind gezwungen, Testergebnisse zu faxen

Manches im Kampf gegen das Virus läuft „anachronistisch“ ab, so der gelernte Gesundheitsingenieur. Insbesondere die Datenübermittlung. Die Abstriche aus dem Diagnosezentrum werden an Labore geschickt. Liegt das Test-Ergebnis als digitales Datenblatt vor, wird es ausgedruckt und an das Gesundheitsamt gefaxt, weil das Infektionsschutzgesetz es so will. Im Amt erfolgt die erneute Digitalisierung, um die Zahlen an das Land NRW und von dort nach Berlin zu übermitteln.

Mit Freude nimmt Hagenräke zur Kenntnis, dass jedes Gesundheitsamt bis zu 150 000 Euro bekommen soll, primär für Investitionen in Hard- und Software. „Mal sehen, ob das in Krefeld ankommt. Wäre schön.“ Eher skeptisch sieht der Corona-Manager dagegen die seit Wochen angekündigte Tracing-(Nachverfolgungs-)App. Sie würde nur dann wirklich helfen, wenn sehr viele Menschen mitmachen. Da die Bürger zum Glück nicht gezwungen werden könnten, werde die App aber eher keine Hilfe sein. Zudem gebe es nicht selten Kontaktpersonen, die seien pflegebedürftig oder dement und könnten überhaupt kein Smartphone bedienen.