Krefelds bisheriges Verkehrskonzept stammt aus den 1950er Jahren

Mobilität der Zukunft: Wie sieht der Verkehr 2030 aus?

Für Krefeld wird ein Mobilitätskonzept erarbeitet. Bürger können sich im Internet daran beteiligen.

Die Reihenfolge ist ungewöhnlich für Krefeld. Zunächst sind am vergangenen Dienstagabend die Bürger bei einer Auftaktveranstaltung in den Räumen der SWK über das noch zu erarbeitende Mobilitätskonzept informiert worden. Einen Tag später dann erst der fachlich zuständige Bauausschuss. Deshalb gab es auch vereinzelt Kritik aus Reihen der Fraktionen in Richtung Michael Volpert.

Der Geschäftsführer der beauftragten LK Argus hat das Vorgehen beim Erarbeiten des Mobilitätskonzeptes, mögliche Themen des Leitbildes und die erste Resonanz bei der Auftaktveranstaltung zusammengefasst. „Das ist noch kein Fazit, aber eine erste Richtung, wo es hingehen könnte“, sagt Volpert – und meint damit weniger Autoverkehr in der Innenstadt, günstiger Preise und Taktzeiten beim ÖPNV, verbessertes Parken und Ausbau des Radverkehrsnetzes.

Neues Parkraumkonzept soll mit einfließen

Vor mehr als zwei Jahren hatte der Bauausschuss die Erarbeitung eines Mobilitätskonzeptes beschlossen, um die Ergebnisse der bereits vorliegenden Parkraumkonzeption für die Innenstadt abzugleichen. Der Auftrag wurde ausgeschrieben und vergeben. Mit der Vorgabe: strategische Ziele und Handlungsfelder zu erarbeiten und abzustimmen sowie Maßnahmen und Handlungskonzepte für die gesamte Stadt in enger Zusammenarbeit mit Vertretern der zuständigen Verwaltungsstellen, externen Experten und Arbeitskreisen unter frühzeitiger Beteiligung der Öffentlichkeit zu entwickeln.

„Wie verteilen sich die Verkehre in der Stadt, wer fährt wohin, weshalb – und vor allem womit?“ Um diese Fragen in einer ersten Stufe beantworten zu können, hatte die Stadt im März vor zwei Jahren zunächst 7000 Haushalte in Krefeld angeschrieben und ihr Mobilitätsverhalten erfragt. Das Ergebnis: Krefeld ist nicht Münster; dennoch ist das Fahrrad hier ein beliebteres Verkehrsmittel als in den Städten Düsseldorf, Duisburg oder im durchschnittlichen NRW-Vergleich. Jeder Fünfte (insgesamt 21 Prozent) legt seine täglichen Wege mit dem Fahrrad zurück. Das bietet Ausbaupotenzial.

Neben der Auswertung sowie das Herausarbeiten von Stärken und Schwächen, soll mit Politik, Verbänden und den Krefelder Bürgern nun in einem nächsten Schritt ein Leitbild zur Zukunft der Mobilität in Krefeld entwickelt werden: „Wo wollen wir mit Blick auf das Jahr 2030 hin?“

Erreichbarkeit der Stadtteile und Umweltverträglichkeit gewünscht

„Mögliche Themen eines Leitbildes könnten zum Beispiel sein: Integration von Stadt- und Verkehrsentwicklung, Einbeziehung des Güter- und Wirtschaftsverkehrs, Berücksichtigung von Fragen zu Stadt-(raum)qualitäten und der Digitalisierung im Verkehr. Um den Antworten näher zu kommen, sind bei der Auftaktveranstaltung am vergangenen Dienstag sechs Themenbereiche abgefragt worden: Erreichbarkeit der Stadtteile und der Innenstadt, Verkehr in die und aus der Region, umweltverträglicher Verkehr, Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer, lebenswerter Straßenraum und öffentliche Raum sowie neue Mobilitätsformen und -technologien.

Expertenrat begleitet den Prozess

In der zweiten Stufe des Findungsprozesses sollen Maßnahmenkonzepte konkretisiert werden. Wie das aussehen könnte, veranschaulicht Volpers anhand der Stadt Göttingen. Die hat bereits einen „Klimaplan Verkehrsentwicklung“ erarbeitet. Der umfasst die Bereiche: Straßen für alle (Verkehrsteilnehmer), Einsteigen und Vorwärtskommen, Gemeinsam mehr erreichen, Energie sparen und Umwelt schonen, Teilen statt besitzen, neue Wege für das Rad sowie unterwegs im Quartier.

Eine erste Ideensammlung liegt vom Expertenbeirat bereits vor. Der hatte am 22. Februar 2018 das erste Mal getagt, insgesamt sind fünf Sitzungen vorgesehen, alleine drei davon in Stufe 1 zur Bestandsanalyse und Leitbildentwicklung. Zum festen Teilnehmerkreis gehören fachliche und politische Akteure, Vertreter von Verbände und Trägern öffentlicher Belange. Sie unterstützen die Erarbeitung des Mobilitätskonzeptes, sind aber kein beschlussfassendes Gremium, sondern nur ein beratendes.

Die Meinung der Krefelder ist gefragt. Neben der Auftaktveranstaltung besteht vier Wochen (bis zum 12. April) die Möglichkeit, sich im Online-Portal www.krefeld-bewegen.de einerseits über das geplante Krefelder Mobilitätskonzept zu informieren. Andererseits gibt es dort zwei Online-Beteiligungen, die eng an den Aufbau der Auftaktveranstaltung angepasst sind. In Stufe 1 gibt es eine offene Ideensammlung, in Stufe 2 einen Kartendialog.

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