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Krefelderin verarbeitet Unfall in Gedichten

Wir Krefelder : Krefelderin verarbeitet Unfall in Gedichten

Anette Feigs hat ihr zehntes Buch mit Meditationen und Gebeten geschrieben.

Es ist ihr zehntes Buch, sozusagen ein Jubiläumswerk, das Anette Feigs jetzt herausgebracht hat. Es geht um die „Werte des Lebens“. So lautet auch der Titel. Ihre meditativen Texte sind beeinflusst von ihrer Biografie. Denn mit 36 Jahren erlitt die Ärztin bei einem Verkehrsunfall Mehrfachverletzungen. Ihre Gedichte sind erfüllt von Hoffnung, Liebe und Mut im Leben weiterzugehen, mit der Hilfe „von oben“.

Anette Feigs berichtet: „Ich kam aus der Herz-Jesu-Kirche, als mich auf der Friedrich-Ebert-Straße ein Taxi überfahren hat. Ab diesem Zeitpunkt hatte ich keine Erinnerung mehr. Eine Frau hat den Notarzt angerufen, wie man mir später berichtete. Ich kam ins Krankenhaus, lag mehrere Wochen auf der Intensivstation, wurde beatmet und wäre fast gestorben.“ Ihre vier Kinder waren damals im Alter zwischen neun Monaten und neun Jahren.

„Bei den körperlichen Schwierigkeiten half eine tolle Krankengymnastin. Nach vier Jahren war ich weitestgehend wiederhergestellt“, berichtet die 75-Jährige. „Nach zwölf Jahren starb mein Mann, die Liebe meines Lebens, der auch Arzt war.“

Seitdem schreibt sie, weil es ihr Kraft gibt. Sie will ihre Erfahrungen weitergeben. „Ermutigende Wort sind wie Frühlingswind/sie vermögen Kräfte zu beflügeln“, heißt es in einem Gedicht. Oder: „Der undurchdringlich scheinende nachschwarze Himmel/öffnet sich durch immer heller wachsendes Licht/wir ahnen Auferstehung“.

Da sie aus einem gläubigen Elternhaus stammt, ist ihr der Glaube ganz wichtig. Im Gedicht „Wunsch“ heißt es: „Herr, auf dem Weg zu Dir lass uns immer mehr lernen, Liebende zu werden/das Wohl des Du vor Augen, die Freiheit des Ich im Herzen, erleuchtet von Deinem Licht“.

Als sie nach dem Unfall nicht mehr bei Bewusstsein war, hat sie eine Grenzerfahrung erlebt, wie es sie – ihrer Ansicht nach – in jeder Kultur zu allen Zeiten gibt. „Ich wusste nicht mehr, wo ich war und wer ich war. Es waren Momente der Unendlichkeit, wie aus einer anderen Welt.“ Sie habe sich ganz leicht und frei gefühlt, die Umgebung habe sie nicht ausmachen können. Sie sei aber nicht dem Licht entgegen gegangen, wie es von vielen berichtet wird, die nach Nahtoterfahrrungen wieder ins Leben zurückkehren. „Nach meinem Unfall hat mich nichts so sehr interessiert wie Sterben, Tod, Beinah-Todes-Erfahrungen.“

Mit ihren Gedichten möchte sie die Augen für das Wesentliche schärfen und den Blick über den eigenen Horizont hinaus lenken. Es gebe eine Hoffnung, die über alle Abgründe des Lebens hinweg trage. Sie mache stark im Leben. Der Tod habe nicht das letzte Wort. 

Vorher hat sie nie geschrieben, war schließlich Ärztin und hatte mit vier Kindern viel zu tun. Nach der schlimmen Erfahrung kamen die ersten Gedanken für die Lyrik – wie sie sagt – nur so aus ihr heraus. Sie ha viele Gedanken niedergeschrieben. „Wenn ich 100 Texte zusammen habe, schreibe ich ein neues Buch“, sagt Anette Feigs. Von dem Taxifahrer, der sie überfahren hat, hat sie nie etwas gehört.