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Krefelder Zoo: Antilopen-Liebhaberin ist NRWs beste Tierpflege-Auszubildende

Vom Fensterputzen, Faultieren und Fischottern : Die beste Tierpflege-Auszubildende in NRW

Chantal Pletz hat im Krefelder Zoo ihre Ausbildung mit einer Eins beendet. Die 24-Jährige erzählt von Lieblingstieren und harter Arbeit.

Es gibt die kleinen Pelzigen. Die mit den süßen Knopfaugen. Oder die Wuseligen, die so niedlich durch ihr Gehege toben. Das Leben im Krefelder Zoo ist vielfältig. Wenn Chantal Pletz nach ihrem Lieblingsrevier während ihrer Zeit im Krefelder Zoo gefragt wird, dann sagt sie überraschenderweise: „Das waren die Antilopen. Die mag ich total gerne.“

Die Eleganz dieser Vierbeiner sei „total toll“, sagt die 24-Jährige, die ihre Ausbildung zur Tierpflegerin gerade als Beste in ganz NRW abgeschlossen hat und nur knapp den ersten Platz auf Bundesebene verpasst hat. Schon immer hätten sie Huftiere fasziniert. „Ich war halt auch immer schon ein Pferdemädchen“, sagt sie lachend. Gerade die körperliche Arbeit in ihrem Lieblingsrevier habe ihr besonders viel Spaß gemacht. „Wenn man bis in den Abend hinein ausgelastet ist.“ Selbstverständlich sei ein großer Teil der Arbeit das Kratzen der Gehege, sprich: Hinterlassenschaften entfernen. „Kein Problem. Das gehört dazu.“

Raubtiere hinter streifenfreiem Glas sorgen für Arbeit

Nicht ganz so begeistert sei sie zu Beginn ihrer Ausbildung vor drei Jahren vom Fensterputzen gewesen. „Diese großen Scheiben an Raubtiergehegen, die dann streifenfrei sein müssen, das fand ich am Anfang doof“, gesteht die gebürtige Siegenerin mit einem Schmunzeln. Aber auch da habe sie irgendwann der Ehrgeiz gepackt. Und zwar ausgerechnet bei den riesigen Makrolonscheiben der Außenwände am Regenwaldhaus. „Die sind schnell veralgt. Da habe ich mir selbst den Spaß draus gemacht, die komplett alleine zu putzen und zu zeigen, wie ehrgeizig ich bin.“

Wobei sie freimütig zugibt, dass sie mit einem Zoo-Bereich beim Durchlaufen aller Reviere nicht wirklich warm geworden ist. „Die Arbeit mit Vögeln hat mir nicht so gelegen“, sagt sie, „die sind schön anzusehen, aber diese Kleinarbeit war nicht meins.“ Und sie zählt als Beispiele das Säubern des feinen Sandes oder Abwischen der Blätter der Bäume im Vogelhaus, um die Fäkalien zum Beispiel der frei fliegenden Turakos zu beseitigen. „Oder bei den Textorwebern hatte man kaum einen Felsen abgeschrubbt und war zum nächsten übergangen, schon war der vorherige wieder voll.“

Aber von solchen Sisyphos-Erlebnissen einmal abgesehen: „Tierpflegerin wollte ich eigentlich schon immer werden. Das ist zwar eine Weile in den Hintergrund gerückt. Aber dann kam das Freiwillige Ökologische Jahr.“ Nach dem Abitur ging es dafür an den Edersee in Nordhessen. In dem dortigen Wildtierpark übernahm sie viele Aufgaben, die auch zur Arbeit von Tierpflegern gehören.

Doch es war gar nicht so leicht, dann die ersehnte Ausbildungsstelle zu finden. „Das ist generell deutschlandweit sehr schwierig“, berichtet die 24-Jährige von ihrer damaligen Suche, die sie als Produktionshelferin in einem Unternehmen überbrückte. Umso größer die Freude, als sie dann im Krefelder Zoo anfangen konnte.

Anfangs habe sie vor allem vor dem Raubtierrevier Respekt gehabt. „Das konnte ich mir erst nicht vorstellen. Ich dachte, dass sei gefährlich mit den Großkatzen.“ Aber schließlich war sie begeistert von der bunten „Mischung“ an Tieren mit Jaguar, Schneeleopard, Baumkänguru, Kleinem Panda, auch Roter Panda oder Katzenbär genannt, und den ebenfalls dazugehörenden Muntjaks, den aus Asien stammenden Hirschen.

Faultier-Fragen in der Prüfung haben sie gefreut

Die drei Jahre in Krefeld seien „sehr schön“ gewesen. Dass sie am Ende mit der besten Note aller Tierpfleger-Azubis des Jahrgangs in NRW abschließen würde, habe sie selbst „überrascht“. „Ich bin zwar immer schon ehrgeizig gewesen und habe viel dafür getan. Und ich habe auch gesehen, dass es in der Prüfung gut lief“, sagt sie über ihre Eins. „Aber ich hatte viele andere in der Berufsschulklasse in Düsseldorf, die ich für besser gehalten habe.“

Sowohl im praktischen als auch im theoretischen Teil ging es auf jeden Fall um ein weiteres ihrer „absoluten Lieblingstiere“: das Zweifingerfaultier. „Die finde ich so cool, weil sie so an ihren Lebensraum angepasst sind, so eine faszinierende Lebensweise haben. Alle denken immer, die sind so langsam. Aber dabei können Faultiere auch anders. Ihre Krallen und Eckzähne sind schon echt bemerkenswert, und außerdem schauen sie immer so, als würden sie lächeln und das macht schon irgendwie gute Laune.“

Mittlerweile hat Chantal Pletz eine Stelle als Tierpflegerin im Salzburger Zoo Hellbrunn begonnen. Und sie schwärmt nicht, sie jubelt, weil es sie nach Österreich verschlagen hat. „Meine Eltern sind für den Urlaub mit mir immer Richtung Alpen gefahren. Mich faszinieren Berge. Und jetzt habe ich jeden Tag Berge, das ist traumhaft schön. Es ist wie ein Urlaubsort, an dem ich arbeiten kann.“

Eine neue berufliche Herausforderung, die sie freut, ist die Arbeit mit den Fischottern. Sie hat dort zum ersten Mal ein sogenanntes Target-Training übernommen. Dabei lernen die Tiere, einen Ball an einem Stab zu berühren, meist mit der Nase, und ruhig zu bleiben, während sie untersucht werden. Fischotter könnten bald auch zu ihren Lieblingstieren zählen.