Krefelder Zoo: 140 uralte Bäume müssen fallen

Tierpark : 140 Bäume im Krefelder Zoo müssen fallen

Mehr als 100 alte Buchen müssen im Krefelder Zoo gefällt werden. In einigen Kronen lebt eine Graureiher-Kolonie – die einzige im Stadtgebiet.

Bummeln unter Bäumen, das macht auch das besondere Flair des Krefelder Zoos aus. Es steckt viel Park in diesem Tierpark. Er ist Erholungsraum, Ort für entspannte Spaziergänge an der frischen Luft, für die die rund tausend Bäume auf dem Areal sorgen. Luftig auf ganz andere, weniger schöne Weise, wird es in Zukunft erst einmal ums Vogelhaus. „Der Zoo wird seinen Rotbuchenbestand verlieren“, sagt Zoodirektor Dr. Wolfgang Dreßen.

Die etwa 140 Bäume sind von der Buchenkomplexkrankheit betroffen, die seit dem Jahr 2000 in Deutschland beschrieben wird. Mindestens 40 Prozent der Rotbuchen im Zoo seien schon jetzt „akut betroffen“, sagt Dreßen. Die Rinde bekommt Risse. Schädlinge haben freie Bahn. In Astgabeln der Rotbuchen im Zoo machen sich außerdem Pilze breit.

Für Gäste und Mitarbeiter wären herabstürzende Äste gefährlich

Es werde zukünftig „anders aussehen“ rund um das Vogeltropenhaus, das mitten im Gelände, im Herzen des Zoos, liegt. Vor allem mit Blick auf die Sicherheit der Besucher waren im Februar bereits erste 18 extrem kranke Rotbuchen an stark frequentierten Wegen abgesägt worden. Sie waren massiv befallen, ihre riesigen Äste hätten herunterstürzen und Gäste oder Mitarbeiter verletzten können.

In den kommenden drei Jahren sollen die restlichen Exemplare nach und nach gefällt und ersetzt werden. Neben dem Verlust des uralten Baumbestands gibt es dabei noch ein ganz anderes Problem. In den Kronen der Riesen hat sich vor mehr als zehn Jahren eine Reiherkolonie angesiedelt – auch weil es hier durch die Tierfütterungen immer etwas Leckeres zu stibitzen gab. Etwa 85 Paare nisten hier. „Es ist die einzige in Krefeld. Eine nächste lebt es erst wieder an den Krickenbecker Seen“, sagt Dreßen. Um eine Lösung mit Rücksicht auf die Vögel zu finden, stehe der Zoo im Austausch mit der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt. Die Art und ihre Horste stehen unter besonderem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes.

Deswegen wurden auch nur Bäume ohne besetzte Horste entfernt. Bei einer Buche, bei der das Risiko besteht, dass Äste brechen, die aber einen „bewohnten“ Horst in der Krone hat, wurde ein darunterliegender Weg gesperrt. Damit Fußgänger und Radfahrer nicht in Gefahr geraten, können sie die Strecke am Grotenburg-Stadion nun bis zum Flüggewerden der Jungvögel Ende Mai nicht nutzten.

Bei Kostenproblem könnten  dem Zoo Baumspender helfen

Was die Kosten fürs Fällen und Neupflanzen eines Mischwalds mit überwiegend einheimischen Baumarten angeht, wird die Stadt 90 000 Euro beisteuern. „Aber das wird nicht reichen“, ist sich Wolfgang Dreßen sicher. Helfen könnte womöglich die seit mehr als zehn Jahren laufende Zoofreunde-Aktion „Baumfreundschaften“. Die Förderer des Tierparks haben in der Zeit von 2005 bis 2018 genau 166 Baumfreunde gefunden, die 193 Baumfreundschaften übernommen haben – zum Beispiel zu Jubiläen, Hochzeiten, Geburtstagen oder zur Geburt eines Kindes. „Wir werden leider viele neue Bäume brauchen“, sagt Dietmar Schörner vom Zoofreunde-Vorstand.