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Krefelder wagen immer häufiger den Schritt in die Selbstständigkeit

IHK verzeichnet ein Plus von 28 Prozent bei den Neugründungen. Zahl der Unternehmen steigt um 253 : Immer mehr Krefelder wagen den Schritt in die Selbstständigkeit

Industrie- und Handelskammer liefert im neuen Gründerreport aktuelle Zahlen. Demnach hat es deutlich mehr Gründungen gegeben, während die Zahl der Gewerbeabmeldungen gesunken ist.

Carsten Bergau hat sich getraut. Nach 17 Jahren Berufserfahrung in der Logistikbranche hat er den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und die Place2Bid GmbH mit Sitz im Krefelder Gewerbegebiet Campus Fichtenhain gegründet. Auf der gleichnamigen Online-Plattform können kleine und mittelständische Unternehmen ohne eigene Logistik-Abteilung geeignete Experten und Partner finden, um logistische Aufgaben zu lösen. „Ob Transportbeauftragungen, Lagerkapazitäten, Zollprobleme oder Prozessthemen – auf unserer Plattform finden unsere Kunden für alle logistischen Bereiche kompetente Partner und erhalten konkrete Lösungsangebote“, erläutert Bergau, der inzwischen auch einen Mitarbeiter eingestellt hat. „Auch bei kurzfristigen Problemen – etwa bei Transportausfällen – können wir schnell und unkompliziert helfen.“

So wie Bergau haben sich im vergangenen Jahr 1362 Menschen in Krefeld selbstständig gemacht. Im gleichen Zeitraum haben auch 1109 Unternehmerinnen oder Unternehmer ihre Firma aufgegeben. Zum Vergleich: Im Jahr 2020 waren es 1062 Gründungen und 1288 Aufgaben. Damit verzeichnet Krefeld ein Plus von rund 28 Prozent bei den Gründungen und ein Minus von etwa 14 Prozent bei den Aufgaben. Im Saldo hat demnach die Zahl der Unternehmen in Krefeld 2021 um 253 Firmen zugenommen. Das sind die wesentlichen Kennziffern des Gründerreports 2022, den die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein auf der Datenbasis des Landes NRW erarbeitet hat.

„Trotz der Corona-Pandemie haben sich viele Gründerinnen und Gründer nicht davon abhalten lassen, ihre Geschäftsidee zu verwirklichen“, kommentiert IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz die Zahlen. „Welche Folgen die Auswirkungen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine auf das künftige Gründungsgeschehen hat, ist derzeit noch nicht absehbar.“ Steinmetz hofft, dass viele Gründer angesichts der allgemein herausfordernden wirtschaftlichen Situation nicht den Mut verlieren und dass das nach dem Corona-Tief wieder deutlich intensivere Gründungsgeschehen nicht erneut einen Dämpfer erhält.

Auch für Nordrhein-Westfalen sind die Zahlen erfreulich. Während 2020 116 576 Neugründungen im Land verzeichnet werden konnten, waren es 2021 immerhin wieder 125 242 – ein Plus von 7,43 Prozent. Die Zahl der Betriebsaufgaben in NRW nahm dagegen ab: 2020 wurden noch 91 736 registriert, im Jahr darauf waren es 91 304.

Der Trend machte auch vor dem IHK-Bezirk Mittlerer Niederrhein nicht halt: Die Unternehmensgründungen lagen 2021 mit 9239 im Vergleich zu 8403 Gründungen um fast zehn Prozent über dem Vorjahreswert. Die Zahl der Geschäftsaufgaben im IHK-Bezirk ist nahezu unverändert: 7609 Gewerbeabmeldungen im Jahr 2020 stehen 7593 im vergangenen Jahr gegenüber (-0,21 Prozent). Im Saldo ist demnach die Zahl der Unternehmen um 1646 gestiegen. Das Gründungsgeschehen am Mittleren Niederrhein entwickelte sich im Vergleich zum Landesgeschehen etwas besser. Viele Gründungsideen, die 2020 angesichts der Corona-Pandemie nicht umgesetzt wurden, sind im vergangenen Jahr realisiert worden. Derzeit stimmen der Fachkräftemangel, die Inflation und die damit verbundenen exorbitant steigenden Energie- und Rohstoffkosten große Teile der Wirtschaft pessimistisch.

Gerade jetzt sind Gründungen besonders wichtig

Auch der Gründer der Place2Bid GmbH beobachtet die allgemeine Situation aufmerksam, bleibt aber optimistisch: „Es sind vor allem auch im Logistikbereich schwierige Zeiten – Lieferketten reißen, der Container-Umschlag stockt und Transportkosten steigen“, so Bergau. „Unser Know-how und der Netzwerkgedanke, den wir verfolgen, können Schlüssel zum Erfolg sein und sind derzeit besonders gefragt.“

Engagierte Gründer wie Bergau seien gerade jetzt besonders wichtig, so IHK-Hauptgeschäftsführer Steinmetz. „Wir brauchen Rahmenbedingungen, die unternehmerisches Engagement fördern und nicht ausbremsen. Wir müssen eine Gründerkultur fördern, die Unternehmertum und Kreativität ermöglicht.“ Steinmetz forderte zügige und unbürokratische Gründungsprozesse, einen unkomplizierten Zugang zu Fördermitteln und steuerliche Vereinfachungen von Gründern und Kleinunternehmern.

Aber auch die angehenden Unternehmerinnen und Unternehmer selbst müssen ihren Teil zum Erfolg beitragen. „Wir stehen den Gründern dabei gerne mit unseren Dienstleistungen zur Seite, damit Fehler vermieden werden und aus einer Idee ein erfolgreiches Geschäftsmodell wird“, sagt IHK-Experte Pascal Görigk und appelliert an alle Gründer, das umfangreiche Beratungsangebot der IHK zu nutzen. „Der Schritt in die Selbstständigkeit sollte gut vorbereitet werden.“ Red