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Krefelder Virtual Reality soll Demenzkranken helfen

Krefelder Virtual Reality soll Demenzkranken helfen

Senioren können mit moderner Technik in eine Ostwall-Szene der 50er Jahre reisen. Der Testphase für das Projekt läuft.

Es ist verblüffend: Was wie ein Computerspiel wirkt, soll Demenz-Patienten aus Krefeld eine Reise in die Vergangenheit ermöglichen. Die Kreuzung Rheinstraße/Ostwall der 1950er und 1960er Jahre wirkt mit der eingesetzten Virtual- Reality-Technik zum Greifen nah. Mithilfe der digitalen Technik, alter Fotografien aus dem Stadtarchiv und vieler Privataufnahmen von Krefeldern konnte das historische Straßenbild nach und nach rekonstruiert werden.

Die Agentur „Weltenweber“ hat das Projekt „Krefeld im Wirtschaftswunder“ genannt. In Kooperation mit den Krefelder Helios-Kliniken soll die Technik bei der Therapie von Demenz-Patienten eingesetzt werden. Ziel ist es, mit der Erschaffung einer vergangenen, vertrauten Welt den Demenzerkrankten eine Brücke zur Gegenwart zu bauen. So sollen verloren gegangene Erinnerungen durch die Stimulierung des Langzeit-Gedächnisses wieder ins Bewusstsein zurückgeholt werden. Die virtuelle Straßenszene, die in einer einzigartigen Weise unmittelbar erlebbar gemacht wird, stellt außerdem eine hervorragende Möglichkeit dar, den durch die Erkrankung gestörten Orientierungssinn der Patienten zu schulen. Mittels eines Controllers, der durch die Brille wie eine leuchtende Hand erscheint, ist es möglich, die gewünschte Position in der virtuellen Welt genau anzupeilen.

Ein leuchtender Strahl markiert dabei die Strecke zur neuen gewünschten Position. Dann kann man sich einfach per Knopfdruck von einem Ort zum nächsten beamen. Der Chefarzt für Geriatrie an der Helios-Klinik, Dr. Friedhelm Caspers, unterstreicht die Wichtigkeit der Erinnerungsarbeit für dementiell erkrankte Menschen. Er beurteilt den therapeutischen Nutzen allerdings vor allem unter dem Aspekt des Wohlfühlfaktors und sieht den Einsatz der VR- Brille daher als sinnvolle Ergänzung zu bereits bestehenden Angeboten wie gemeinsames Singen, Gymnastik oder handwerkliche Beschäftigungen. Sich mit vertrauten Dingen zu befassen gibt den oft verwirrten und ruhelosen Demenzpatienten ein Gefühl von Geborgenheit und erlaubt ihnen einen unmittelbaren Zugang zu ihren eigenen Emotionen. Mag auch die Gedächtnisleistung bei Demenz stark eingeschränkt sein, die Erlebnisfähigkeit von Gefühlen bleibt davon gänzlich unberührt und sollte in der Therapie in den Vordergrund gestellt werden. Auch schafft das gemeinsame Erinnern mit einer Bezugsperson der Station Vertrauen und bildet eine sinnvolle Basis für die weitere Therapie. Allerdings, so Dr. Caspers, ist der Einsatz der 3D-Brille nicht für Patienten mit fortgeschrittener Demenz empfohlen.

Auch sollte der Patient die Brille nur im Sitzen aufsetzen, um nicht die Balance zu verlieren. Lukas Kuhlendahl, Mitbegründer und Projektmanager von „Weltenweber“, kam im familiären Umfeld in Berührung mit dem Thema Demenz, und so entstand die Idee, seine Leidenschaft für die Erschaffung virtueller Welten in den Dienst von etwas Gutem zu stellen und Demenzerkrankten eine Brücke zu ihrer eigenen Gefühlswelt zu bauen.