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Krefelder Verein "Apfel" unterstützt Adoptiv- und Pflegeeltern

Hilfe für Familien : Mit einem Elternfrühstück fing alles an

Vor zehn Jahren wurde der Verein gegründet. Am 12. Juni wird das Jubiläum mit einer Online-Veranstaltung gefeiert, mit interessanten Kurzseminaren für alle Eltern.

Nicht alle Kinder haben einen guten Start ins Leben. In manchen Fällen fehlt es ihren leiblichen Müttern oder Eltern an Erziehungskompetenz und Verantwortung. Zum Wohle und Schutz der Kinder muss für sie eine Pflege- oder gar Adoptivfamilie gesucht werden. Jan Eickmeyer und Simone Böhm sind bereit gewesen, ein fremdes Kind in ihren Familien aufzunehmen. Bei beiden waren die Kinder erst wenige Monate alt. „Es ist etwas ganz Tolles, einem Kind einen guten Start ins Leben zu bieten“, sagt Jan Eickmeyer, der mit seiner Frau vor 16 Jahren 15 Monate alte Zwillinge und vor elf Jahren noch ein weiteres kleines Mädchen in seiner Familie aufgenommen hat. Jeweils sieben Monate alt waren die heute zwölf und 15 Jahre alten Kinder, die bei der Familie von Simone Böhm eingezogen sind. „Das hat unser Leben bereichert“, sagt Jan Eickmeyer überzeugt, der aber ebenso auch von den Schwierigkeiten einer solchen Familienzusammenführung weiß.

„Wer Kinder aufnimmt, dem wird schnell klar, dass nicht alle Themen mit dem Jugendamt besprochen werden können“, erzählt Eickmeyer im Video-Gespräch. Das sind Dinge des Alltags ebenso wie der eigene Umgang mit Problemen. Kinder, die von ihren leiblichen Eltern getrennt sind, bringen ihr eigenes (Leidens-)Päckchen mit.

Beziehungsabbrüche in ganz jungen Jahren, gefährden das Ur-Vertrauen und führten zu besonderen Beziehungsverhalten. Vor allem das erste Lebensjahr sei besonders prägend. Und dann komme es noch darauf an, wie lange die Kinder welche Erfahrung dort gemacht hätten. Das kann von emotionaler Kälte, Verwahrlosung bis hin zu Gewalterfahrungen reichen, von Überforderung der Mütter und Eltern bis hin zu psychischen Erkrankungen und Sucht.

Pflege- und Adoptivfamilien lernen die Kinder erst viel später nach der Geburt kennen. „Da macht es Sinn, sich mit Familien in ähnlichen Situationen auszutauschen“, sagt Jan Eickmeyer. Über den Kinderpflegedienst der Stadt haben er und seine Frau acht weitere Familien im Jahr 2006 kennengelernt, die sich von da an regelmäßig zum Elternfrühstück mit Austausch trafen.

Aus einer Frühstücksrunde ist 2011 der Verein entstanden

Das Interesse war groß ebenso wie der Wissensdurst über das Thema. Nach zwei Jahren gründeten die Elternpaare zunächst eine Selbsthilfegruppe und Initiative für Adoptiv- und Pflegeeltern, im Jahr 2011 folgte die Vereinsgründung von „Apfel e.V.“, dessen Name sich aus den Anfangsbuchstaben A von Adoption, Pf von Pflege und El von Eltern zusammensetzt. „Seither haben wir fast durchgehend einen monatlichen Gesprächskreis und fast jedes Jahr ein Seminar abgehalten“, erzählen Jan Eickmeyer und Simone Böhm. Ebenfalls in jedem Jahr findet eine gemeinsame Wochenendfahrt sowie Begegnungsfeste mit den Kindern und Weihnachtsessen für die Eltern statt.

 „Fast alles ist uns auch im Corona-Jahr 2020 geglückt“, berichtet Jan Eickmeyer, immer vor oder nach einem der Lockdowns und unter Einhaltung der Sicherheitsregeln.

Das zehnjährige Bestehen des Vereins in diesem Jahr ist ein Grund zu feiern. Doch statt persönlich mit vielen Gästen lädt der Vereinsvorstand zu einer Online-Veranstaltung am 12. Juni von 14 bis 16.30 Uhr alle Interessierten und Freunde des Vereins ein. Bürgermeisterin Kerstin Jensen wird ein Grußwort sprechen, der Verein einen Rückblick über die vergangenen 13 Jahre seit Gründung als Selbsthilfegruppe geben und dann folgen Kurzseminare zu verschiedenen Themen rund um Adoption und Pflege, aber auch zu Pädagogik und „Neuer Autorität“. „Das letztere Thema eignet sich besonders für Kinder mit Problemen, sich ins soziale Umfeld einzupassen“, erklärt Jan Eickmeyer. Das sei ein Thema, das sicherlich für alle Eltern gleich ob Kern- oder Zweitfamilie interessant sein könnte.

Überhaupt wollen Simone Böhm und Jan Eickmeyer dafür werben, Kindern eine zweite Chance zu geben, mit Unterstützung von Adoptiv- und Pflegeeltern in ein friedvolles und erfülltes Leben zu starten. Die Stadt ebenso wie das Kinderheim Kastanienhof suchten händeringend weitere Familien für diese Aufgabe. Denn mit den zunehmenden gesellschaftlichen Problemen, nimmt auch die Zahl der Kinder zu, die es in ihren Ursprungsfamilien sehr schwer haben. Die Hürden für Pflegeeltern wären gar nicht so hoch, erklärt Simone Böhm. Und die Sorge unberechtigt, dass es schwierig sei, ein fremdes Kind in einer Normalfamilie aufzunehmen. Die Mitglieder von „Apfel“ leben es vor und informieren gerne darüber.