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Krefelder Unternehmen hoffen auf ein Ende der Talfahrt

Region Niederrhein : Unternehmen hoffen auf ein Ende der Talfahrt

Die Industrie- und Handelskammer legt ihren Konjunkturbericht vor. Die Baubranche und der Einzelhandel florieren im Gegensatz zu Teilen der Industrie.

Die angekündigte Energiewende und der Strukturwandel in der Region gepaart mit der Kommunalwahl sind Themen, die von der Wirtschaft mit Spannung beobachtet werden. Die Geschäftslage – auch in Krefeld – hat sich weiter eingetrübt. „Einerseits glauben die Unternehmen nicht, dass die Konjunktur in de kommenden Monaten spürbar anziehen wird, andererseits hoffen sie auf ein Ende der Talfahrt“, fasst Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein die wesentlichen Erkenntnisse des Konjunkturberichts Düsseldorf/Mittlerer Niederrhein zusammen. An der Umfrage haben sich knapp 900 Betriebe mit etwa 90 000 Beschäftigten beteiligt, 100 davon aus Krefeld.

Exportwirtschaft spürt die zurückgehende Nachfrage

Zwischen Mitte Dezember 2019 und Mitte Januar 2020 sind die Betriebe befragt worden. Sie bewerten die aktuelle Lage schlechter als vor einem Jahr. Ein Drittel der Betriebe meldete zwar zum Jahresbeginn eine gute Lage, 19 Prozent aber eine schlechte. Damit liegt der Geschäftslage-Indikator – als Differenz von Gut- und Schlecht-Antworten bei 14,9 Punkten. Im Herbst hatte dieser Wert noch bei 18,6 gelegen. „Viermal in Folge ist dieser Indikator gesunken“, sagt Steinmetz.

Die Industrie erreicht mit 7,2 Punkten ihren Wert aus der Vorumfrage. Es sei das erste Mal seit zehn Jahren, dass diese Kennziffer bei der Industrie unter der Zehn-Punkte-Marke liegt. Als Gründe dafür nennt Steinmetz eine sinkende Nachfrage und eine Kapazitätsauslastung auf niedrigem Niveau. Vor allem die Exportwirtschaft spüre die geopolitischen Konflikte, steigende Rohstoffkosten (beispielsweise aus dem Iran-Konflikt) sowie die Ungewissheit über die Brexit-Folge.

Gute Auftragslage bei Verbrauchsgütern

Die Auftragseingänge der Industrie unterscheiden sich allerdings je nach Branche. Während mehr als die Hälfte Vorleistungsgüterproduzenten (zu denen die Metall-, die Chemische Industrie und die Automobilzulieferer gehören) einen Rückgang bei den Auftragseingängen erleben, melden die Investitionsgüter- sowie die Ge- und Verbrauchsgüter-Produzenten (zu denen Nahrungsmittel und Bekleidung zählt) per Saldo leicht steigende Aufträge. Die Konsumenten gönnen sich wieder etwas.

Die Daten für Krefeld sind allerdings noch etwas verhaltener als in der Gesamtregion. 27 Prozent der Betriebe melden eine gute und 14 Prozent eine schlechte Lage. Der Saldo aus Gut- und Schlecht-Meldungen liegt aktuell bei 13 Punkten. „Die Konjunkturschwäche in der Industrie schlägt sich somit zeitversetzt auch bei anderen Branchen aus dem Dienstleistungssektor nieder und zeigt ihre enge Verflechtung in unserer Region“, erklärt Steinmetz.

„Die Industrie ist aber auch die Hoffnung auf Wende der Talfahrt, sowohl in Krefeld als auch in der Gesamtregion“, betont Steinmetz. Während im vergangenen Herbst bei den verarbeitenden Betrieben die Pessimisten in der Überzahl waren, seien es jetzt wieder die Optimisten. In Krefeld erwarten 32 Prozent der Unternehmen, dass sich ihre Geschäftslage weiter verbessert, 27 Prozent befürchten eine Verschlechterung ihrer Situation.

Weitere Indizien für eine wachsende Zuversicht sieht Steinmetz in der Gelassenheit der Unternehmen, das Geschäftsrisiko von Inlands- und Auslandsnachfrage nicht mehr so bedeutend einzuschätzen wie noch im vergangenen Herbst. Dagegen werde der Fachkräftemangel wieder von mehr Betrieben als Risiko bewertet. 62 Prozent melden die Schwierigkeit, offene Stellen zu besetzen. Das zeige, dass sie von einer gleichbleibenden oder aber leicht steigenden Auftragslage in 2020 ausgehen – und sei somit auch ein Hinweis auf ein Ende der konjunkturellen Talfahrt.

Vor allem die Bauwirtschaft und der Einzelhandel florieren

Stütze der Konjunktur bleibt die Binnennachfrage. Vor allem die Bauwirtschaft und der Einzelhandel sind Spitzenreiter. An den zahlreichen Bauaktivitäten im öffentlichen wie im privaten Raum sei das gut zu erkennen. „Allerdings gibt es auch hier strukturelle Probleme wie den Fachkräftemangel“, führt der Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf, Gregor Berghausen, aus. Einerseits sind Bauunternehmen auf Monate ausgebucht und können nicht mehr Aufträge annehmen, weil Facharbeiter fehlen. Andererseits scheuen Unternehmen angesichts der schwächelnden Konjunktur Investitionen. Und auch öffentliche Kommunen als Auftraggeber sind zurückhaltender, weil ihnen das nötige Personal für Planung oftmals fehle.

Der Einzelhandel verzeichne seit fünf Jahren ohne Unterbrechung ein Umsatzplus, was vor allem aber auf die positive Entwicklung der digitalen Vertriebskanäle basiere. „Das liegt an der guten Arbeitsmarktlage, einer ordentlichen Lohnentwicklung und an niedrigen Zinsen“, erklärt Berghausen.