Pizzabäcker berichtet von Unfall Krefelder überlebt schweren Lkw-Unfall

Krefeld · Alberto Gava von der Trattoria San Michele wurde am 13. Juni 2023 lebensgefährlich verletzt und musste drei Tage um sein Leben bangen.

 Alberto Gava hat nach wie vor mit den Nachwirkungen seines Unfalls zu kämpfen.

Alberto Gava hat nach wie vor mit den Nachwirkungen seines Unfalls zu kämpfen.

Foto: WZ/Tobias Thielen

Vor knapp sieben Monaten stand das Leben von Alberto Gava, den die meisten Krefelder als gut gelaunten Pizzabäcker der Trattoria San Michele, Rheinstraße 88, kennen, auf Messers Schneide. Am frühen Morgen des 13. Juni  2023 wurde der damals 29-Jährige beim Überqueren der Kreuzung Berliner Straße mit der Straße Bruchfeld von einem Lastwagenfahrer erfasst und lebensgefährlich verletzt. Gava erinnert sich noch an den Unfallhergang. „Ich war mit dem Fahrrad unterwegs und bin bei Grün in eine Kreuzung gefahren, wo ich von einem Lkw erfasst wurde, danach hatte ich einen Blackout“, so der Pizzabäcker.

Gava lag noch unter Lkw
und befreite sich selber

Die ersten Erinnerungen seien erst wiedergekommen, als er sich unter dem Lkw befunden habe. „Ich bin dann noch mehrere Meter von dem Lkw über den Asphalt geschliffen worden und dachte mir, es ist vorbei“, schildert er die damalige Situation. Dabei habe er sehr starke Schmerzen verspürt. „Jeden Meter ist die Haut weniger geworden. Das hat sich angefühlt, als würde man Parmigiano abreiben“, so der gebürtige Italiener weiter. Nach langem hoffen und beten bremste schließlich der Lkw-Fahrer. Gava befand sich zu diesem Zeitpunkt noch zum Teil unter dem Reifen und befreite sich schließlich selber. Sofort seien zwei Passanten gekommen, von denen eine „glücklicherweise“ medizinische Kenntnisse hatte und ihn in die stabile Seitenlage bringen und dabei den Kopf stützten, konnte.

„Ich hatte da bereits sehr viel Blut verloren, schlimmer war aber, dass ich nicht mehr richtig atmen konnte“, so der Gastronom. Nur das Adrenalin, was aufgrund seines Schockzustandes noch durch seinen  Körper schoss, hielt ihn davon ab bewusstlos zu werden. „Im Krankenwagen habe ich den Sanitätern auch noch den Namen meiner Freundin genannt und mich bei ihnen bedankt. Erst im Krankenhaus bin ich durch die Ärzte ins Koma versetzt worden“, schildert er den mutmaßlich schlimmsten Tag seines Lebens. Während der gesamten Fahrt zum Klinikum und auch in der Notaufnahme soll Gava trotz seines erschreckenden Zustands stets freundlich und unaufgeregt gewirkt haben, verrät Lebensgefährtin Maria Esposito.

Auch wenn er sich fortan in guten Händen befand, war die Situation nach wie vor mehr als kritisch. Drei Tage lang kämpften die Ärzte des Helios Klinikum um sein Leben und versuchten nach Aussage des jungen Mannes ihr bestmögliches. Dabei fielen drei Notoperationen an, von denen sich die Erste über neun Stunden lang erstreckte.

Mittlerweile war auch seine Familie rund um Freundin Maria und Schwägerin Anna Esposito, die ebenfalls bei der Trattoria arbeiten, informiert.  Anna Esposito beschreibt den Moment, als sie von der Polizei darüber in Kenntnis gesetzt wurde, dass ihr Schwager lebensgefährlich verletzt sei, wie folgt: „Wir waren gerade dabei die Vorbereitungen zu machen, als die Polizei mit Seelsorger zu uns kam. Sie sagten dann, dass Alberto bei einem Unfall lebensgefährlich verletzt wurde und es sehr schlimm aussehe.“ Ihre Schwester Maria sei dabei direkt umgekippt.

Gava befand sich                        lange in Lebensgefahr

Die zweite Operation fiel noch in der Nacht auf den 14. Juni an, da Gava starke innere Blutungen hatte. „Nach zwei Tagen war mein Darm wieder schwarz und ich musste wieder notoperiert werden“, so der Pizzabäcker weiter. Dabei wurden ihm schließlich zwei Meter Darm entfernt. Nach der Operation sollen die Ärzte zu seinen Angehörigen gesagt haben, dass sie alles in ihrer Macht Stehende getan haben und es nun in den Händen Gottes liege, ob er den nächsten Tag übersteht. Das Beten und Hoffen seiner Familie machte sich bezahlbar - Alberto Gava überlebte. Die Situation hatte sich dennoch noch nicht entspannt, da er „sehr unruhig“ gewesen sein soll, sodass die Ärzte ihn insgesamt 17 Tage ins Koma setzten.

Neben einem lebensbedrohlichen Darm- und Milzriss erlitt er einen Beckenbruch und starke Hautabschürfungen. Im Zuge dessen wurde ihm Haut aus dem Oberschenkel entnommen und am Bauch transplantiert. Zudem erhielt er einen Katheter mit Plastikbeutel, der stetig ausgetauscht werden muss. Ernährt wird er aktuell parenteral per Infusion. Er könne zwar Nahrung zu sich nehmen, jedoch würde er dadurch keine „Energie und Kalorien“ erhalten,  da der Darm nach wie vor an zwei Stellen offen und er daher auf diese Mittel angewiesen sei. Weitere Operationen am Darm, bei denen dieser vollständig verschlossen werden soll, sind für den April angesetzt. Vonseiten der Ärzte hieß es, dass er sich von den Strapazen erst einmal erholen und wieder zu Kräften kommen solle.

Nach sechs schwierigen und harten Monaten, bei dem die Familie permanent um ihn bangte, wurde Gava schließlich Ende November aus dem Krankenhaus entlassen. Doch der Leidensweg war immer noch nicht zu Ende. Gerade einmal vier Tage später hatte Gava so hohes Fieber, dass er wieder ins Helios eingeliefert werden musste. Durch verschiedene Medikamente konnten die Ärzte den Zustand wieder stabilisieren und ihn anschließend am 10. Dezember entlassen.

Aber das sollte es immer noch nicht gewesen sein. Abermals vier Tage später musste der freundliche Pizzabäcker erneut aufgrund hohen Fiebers ins Klinikum gebracht werden. „Untersuchungen ergaben dann, dass im Port des Infusionssystems Bakterien drin waren“, so Gava. Eine Ärztin habe daraufhin den Katheter herausgezogen und auf die andere Seite verlegt. Kurz vor Weihnachten konnte Alberto Gava am 23. Dezember endgültig das Krankenhaus verlassen. Auch wenn die körperlichen Schmerzen mittlerweile nicht mehr so präsent sind und er sich normal bewegen kann, so hat der Vorfall auf der Seele Narben hinterlassen und ein Trauma nach sich gezogen. „Ich habe letzte Nacht geträumt, dass noch ein weiteres Loch zu den bestehenden hinzugekommen ist“, erzählt er von seinem Albtraum.

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