Krefelder Südbezirk: Viel Neues für ein besseres Image

Krefelder Südbezirk: Viel Neues für ein besseres Image

Der Südbezirk bietet viel Kultur, hat aber zu unrecht einen schlechten Ruf, sagt die Bezirksvorsteherin.

Krefeld. Der Südbezirk hat ein schlechtes Image. Das wird den Stadtteilen Dießem und Lehmheide nicht gerecht, findet Bezirksvorsteherin Gisela Brendle-Vierke. Im Interview benennt sie die Probleme, die sie in ihrem Bezirk sieht, hebt aber auch die positive Entwicklung hervor und nennt die Chancen für die kommende Zeit.

Frau Brendle-Vierke, wieso hat ihr Bezirk einen schlechten Ruf, können sie das nachvollziehen?

Gisela Brendle-Vierke: Der Südbezirk hat ein Imageproblem. Wenn man aber mit den Menschen spricht, die hier wohnen, dann merkt man schnell, dass sie hier nie wegziehen wollen. Es geht ihnen gut. Nehmen wir zum Beispiel die Nachbarschaft in der Nernststraße oder der Ulmenstraße. Man kennt sich, man trifft sich regelmäßig. Man wird hier zusammen groß und auch zusammen alt. Das ist doch etwas Schönes.

Ihr Bezirk fängt direkt hinter dem Hauptbahnhof an, hat also auch direkte Anbindung an die Innenstadt aber auch an Verkehrsinfrastruktur. Welche Bedeutung hat das für den Südbezirk?

Brendle-Vierke: Eine sehr große. Vom Süden geht es in das Land. Wir haben hier nicht nur den Hauptbahnhof, sondern auch den Fernbusbahnhof. Außerdem eine sehr gute Anbindung an die Autobahn, dazu kommen die drei Straßenbahnlinien, die durch den Bezirk führen, und viele Buslinien, die uns mit dem Umland und mit dem Rest Krefelds verbinden.

Verbindend sind auch die beiden Bürgervereine Dießem und Lehmheide. Wie wichtig sind diese für das Miteinander vor Ort?

Brendle-Vierke: Sie sind entscheidend für ein gutes Miteinander. Und nicht nur die, auch die Kleingartenvereine sind es. Wir haben zwei Martinszüge, die im Herbst wieder 2000 Tüten für die Kinder organisieren. Das steht für das Zusammenleben vor Ort. Wir haben aber auch vieles, was Krefelder aus den anderen Bezirken zu uns lockt. Mit der Fabrik Heeder, dem Südbahnhof, dem Theater Hintenlinks und dem Frauenkulturbüro, um nur einige zu nennen. Außerdem sind im Krefelder Süden die zwei größten Kliniken unserer Stadt beheimatet. Und auf dem Voltaplatz lauscht das große „Doppelohr“ von Richard Deacon in die Innenstadt hinein. Wir haben eine Skaterbahn, ein Bolzplatz wird daneben neu gestaltet. Und das Freizeitzentrum Süd ist ein wichtiger Anlaufpunkt für die Jugend. Um eine Investition noch zu nennen: Am Platz der Wiedervereinigung, zwischen Hauptbahnhof und Fabrik Heeder, haben wir einen Investitionsbetrag festgelegt. Der Boden und die Bäume sollen hergerichtet werden. Der Platz ist etwas ganz Wichtiges, er wird sehr gut angenommen. Unsere Schulen und Kinderspielplätze erhalten im Jahr 2018 Zuwendungen zur Erhaltung.

Wenn wir schon bei Investitionen sind: Am Lutherplatz entsteht eine Kindertagesstätte.

Brendle-Vierke: Das wird die größte Kita Krefelds. Das ist gut, dass es einen Investor gibt. Der Gemeindesaal und das Haus der Familie waren für dieses Viertel ein wichtiger Anlaufpunkt. Nun sind endlich Handwerker dabei, den Umbau zu gestalten. Und eine zweite neue Kita entsteht an der Ispelstraße.

Bleiben wir am Lutherplatz. Hier versammelt sich eine Trinker-Szene. Entsteht dadurch ein Angstraum für andere?

Brendle-Vierke: Nein, absolut nicht. Das sind keine Leute, die andere anpöbeln. Das ist eine in sich geschlossene Gruppe. Wenn man sie anspricht, dann sagen sie, dass sie dort ihre Freunde treffen. Der Küster der Lutherkirche gibt ihnen Müllsäcke, die Menschen halten den Platz von sich aus sauber.

Ein anderer Punkt, der der Nachbarschaft Sorgen bereitet ist die ehemalige Don-Bosco-Schule. Wie geht es dort weiter?

Brendle-Vierke: Wir haben hier nach 2015 Flüchtlinge untergebracht. Das war total unkompliziert, es ist alles ruhig verlaufen. Der Fachbereich Soziales brauchte dann ein Gebäude, um Wohnungslose unterzubringen. Die müssen bis Mitte April da raus. Was dann mit dem Gebäude passiert, steht noch nicht fest. Wir sind in Verhandlungen.

Was soll sich in der kommenden Zeit in ihrem Bezirk verändern? Welche Themen liegen Ihnen am Herzen?

Brendle-Vierke: Eine meiner großen Baustellen ist das ehemalige Studentenwohnheim an der Alten Gladbacher Straße. Seit mehr als zehn Jahren steht das schon leer. Zuerst steht so eine Immobilie leer, dann sind die ersten Scheiben eingeschlagen. Jetzt denken Passanten, wie sieht es denn hier aus? Das führt dazu, dass der Ruf des Bezirks nicht gut ist. Außerdem haben wir am Südausgang des Hauptbahnhofes ein großes Areal, das sich für eine Investition anbietet. Gleichzeitig sollte eine sinnvolle Nutzung des Grundstücks der ehemaligen sogenannten Alten Post an der Kölner Straße erfolgen — hier ist von der Stadt ein Parkplatz geplant. Eine andere Baustelle, eher im übertragenen Sinne: Hochschule und Bezirk stärker zu verbinden. Die Studierenden fahren nach dem Unterricht weg. Da ist mehr drin.

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