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Krefelder Spenden sind im Flüchtlingslager auf Lesbos gut angekommen

Spenden für Flüchtlingslager auf Lesbos : „Krefelder haben gute und viele Dinge gespendet“

Der Filmer Tobias Köhn hat den Hilfsgüter-Transport der cooldown°earth Foundation auf die griechische Insel Lesbos begleitet. Ohne ihn wäre die Aktion vermutlich gescheitert.

Warum sich so wenig Hilfstransporte auf den Weg nach Lesbos in Griechenland machen, angesichts der katastrophalen Zustände im Flüchtlingscamp, überrascht Annika Kirchner und ihre Vorstandskollegen von der gemeinnützigen Stiftung cooldown°earth nun nicht mehr. „Die Spenden der Krefelder sind dort bei der Initiative Becky’s Bathhouse angekommen“, erzählt Stiftungsgründerin Annekathrin Edelmann. Doch nur, weil der freie Filmemacher und Fotograf Tobias Köhn den Transport begleitet habe. 21 Tage war er dort. Wieder zurück in Krefeld, berichtet er der WZ in Wort und Videosequenzen, was er dort gesehen und erlebt hat.

Kleidung für 5000 bis 6000 Menschen auf den Weg gebracht

Als die Initiatorin Annika Kirchner Mitte Januar den Aufruf startet, Winterkleidung vor allem für Frauen und Kinder sowie gut erhaltenes Spielzeug zu spenden, ahnen alle noch nicht, welche Menge innerhalb von zwei Abgabeterminen zusammen kommen würde. Statt des einen gemieteten 7,5 Tonners ist es letztendlich ein 30 Tonner, der auf 33 Paletten 99 große Kleider-Boxen, jede mit 100 Kilo Gewicht, geladen hat und in der ersten Februar-Woche Richtung griechische Insel aufbricht. 

„Die Krefelder haben richtig gute und viele Dinge gespendet, gewaschen und tragbar“, sagt Edelmann immer noch gerührt. 60 000 Teile inklusive Kinderspielzeug sind so für 5000 bis 6000 Menschen in dem dortigen Flüchtlingslager zusammengekommen. Und sie brauchen das auch. Denn außer das, was sie am Körper haben und vielleicht noch einem Handy als einzige Kontaktmöglichkeit und als Speicher für Erinnerungen und Dokumente, haben sie nichts mehr. Auch nichts gegen die eisige Kälte zu der Zeit und der Nässe, die sich überall in dem Lager breit macht.

 Tobias Köhn hat als Filmemacher und Fotograf den Hilfskonvoi aus Krefeld nach Lesbos begleitet, gefilmt und Menschen dort interviewt.
Tobias Köhn hat als Filmemacher und Fotograf den Hilfskonvoi aus Krefeld nach Lesbos begleitet, gefilmt und Menschen dort interviewt. Foto: N.N.

Tobias Köhn hatte den Spendenaufruf auf Facebook gelesen und sich als Fahrer angeboten. „Doch wir brauchten keinen Fahrer, wir hatten ja eine professionelle Spedition, wir brauchten einen Filmer und Fotografen vor Ort“, erzählt Edelmann. Also flog der 29-Jährige schon mal vor, weil er in Griechenland erst einmal für sieben Tage wegen Corona sicherheitshalber in Quarantäne musste, während der Lkw montags vom Logistikzentrum in Gütersloh startete. „Fünf Tage später sollte er eigentlich vor Ort sein“, sagt Edelmann. Doch es vergingen weitere 14 Tage, bis er dort tatsächlich eintraf. „Wäre Tobias nicht selber dort gewesen, die Sachen wären vermutlich irgendwo am Straßenrand ausgekippt worden.“

Denn nicht der in Gütersloh losgefahrene und systematisch gepackte Lkw kam dort an. „Es waren mehrere Subunternehmer involviert, in Italien und Athen wurde alles umgeladen in immer wieder neue Wagen, und Teile der notwendigen Informationen gingen jedes Mal ein Stück mehr verloren“, erklärt Edelmann. Nur gut, dass sie alle in Gütersloh, als sie selber die zahlreichen Kisten gepackt hatten, jede einzelne in Englisch genau mit dem Inhalt beschriftet hätten.

Als die Lieferung nicht eintraf, klemmte sich Köhn vor Ort selber dahinter, telefonierte mit Athen und organisierte letztendlich einen geeigneten kleinen Lkw mit hydraulischer Laderampe und Hubwagen, mit dem die schweren Kisten auch tatsächlich vor Ort abgeladen werden konnten.

„Auf Lesbos hatte ich mich zuvor mit Vertretern der Nichtregierungsorganisation (NGO) „Team Humanity - Help us Save Refugees“ getroffen, die eine professionelle Verteilung organisiert haben“, berichtet der Filmemacher, der so erfährt, dass es nicht nur das Flüchtlingslager Kara Tepe auf Lesbos gibt, sondern auf anderen Inseln noch vier weitere.

Viele Momente dieser Reise wie auch Interviews, unter anderem mit einer Kinderpsychologin von Ärzte ohne Grenzen, einem griechischen Hotelbetreiber und einem afghanischen Geflüchteten hat er selber geführt und filmisch festgehalten. Das Festsetzen der Menschen dort, unter katastrophen Zuständen, will er hinaustragen und nicht unwidersprochen lassen.

Auch Jenna Darler kommt in seinem Filmmaterial zu Wort. Sie arbeitet für die Initiative „Becky’s Bathhouse“, die die Krefelder mit ihren Spenden unterstützt haben. Am Rande des Lagers hat die Initiative ein Badehaus mit Duschmöglichkeiten, einer kleinen Küche, einer Schönheits- und Pflegeecke, einem Spielzimmer für Kinder und einer Kleiderkammer eingerichtet. Sechs bis zehn Frauen mit ihren Kindern können sich in einem Durchgang dort aufwärmen, waschen und pflegen. Drei bis vier Durchgänge gibt es am Tag, 80 bis 100 Frauen finden so pro Woche für kurze Zeit einen sicheren Ort, wo sie zur Ruhe kommen können.

Während sie Köhn bei laufender Kamera durch das Badehaus führt, fällt der Blick an einer Wand auf ein Biene-Maja-Metermaß für Kinder. „Das ist aus Krefeld“, erzählt Köhn den Zuschauern. Der hintere große Raum ist die Kleiderkammer. In Regalen liegen dort nach Größen sortiert die warmen Anziehsachen zum Mitnehmen bereit. Daneben sind im Film auch die großen, noch nicht ausgepackten Kleiderboxen aus Krefeld zu sehen. „Vielen, vielen Dank“, sagt Jenna Darler in die Kamera. Jede Hilfe wird hier bitter benötigt.