Krefelder soll Jungen (11 und 13) in Wuppertal missbraucht haben

Prozess : Mann aus Krefeld soll Jungen (11 und 13) in Wuppertal missbraucht haben

Ein 49-jähriger Krefelder hat über Jahre zwei kleine Jungen in einer Wuppertaler Wohnung missbraucht. Wie der Missbrauch bekannt wurde, wirft trotz eines Geständnisses Fragen auf.

Wegen zehnfachen sexuellen Missbrauchs muss sich ein 49-jähriger Mann aus Krefeld vor dem Schöffengericht des Landgerichts Wuppertal verantworten. Laut Anklage soll der Mann einen elf- und einen 13-jährigen Jungen in der eigenen und der Wohnung eines Bekannten in Wuppertal in insgesamt zehn Fällen sexuell missbraucht haben, in vier davon schwer. Der Angeklagte gestand am ersten Verhandlungstag am Dienstag neun der zehn Taten.

Die Taten sind laut der Anklage zwischen Juli 2018 und Januar 2019 geschehen. Er habe den Elfjährigen in der Wohnung eines Bekannten (61) in Wuppertal getroffen, den er vor einigen Jahren bei der Therapie von seiner Glücksspielsucht kennengelernt und mit dem er seit einigen Jahren auch eine sexuelle Beziehung gehabt habe, berichtet der Angeklagte. Im Tatzeitraum habe er den 61-jährigen Bekannten an fünf bis sechs Tagen in der Woche besucht und habe in dessen Wohnung auch regelmäßig den elf- und einen 13-jährigen Jungen angetroffen.

Mit der Zeit habe er einen guten Kontakt zu dem Elfjährigen aufgebaut, sei mit ihm spazieren gegangen und habe mit ihm Fußball gespielt. „Ich war fasziniert von ihm und habe mich wie ein 15-Jähriger gefühlt“, so der Angeklagte. Er habe den Jungen als besten Freund haben wollen und dieser habe sich ähnlich geäußert. Hier meldete der Vorsitzende Richter bereits Zweifel an: Eine freundschaftliche Beziehung bei einem derartigen Altersunterschied, das könne nicht klappen.

Zu sexuellen Handlungen mit dem Jungen sei es dann in der Wuppertaler Wohnung des Bekannten gekommen, nachdem der Junge ihm bereits vorher Sex angeboten habe. Zu diesem Zeitpunkt habe er auch gewusst, dass der 61-jährige Freund und der Junge Sex hatten. Er habe dem Jungen in allen Fällen Geld dafür gegeben, gestand der Angeklagte.

Auch zu dem 13-Jährigen habe er sexuellen Kontakt gehabt. Zum Teil habe er dabei unter dem Einfluss von Rauschmitteln gestanden. Pädophil sei er aber nicht, sagte er auf Nachfrage des Richters.

Das Urteil wird am kommenden Freitag erwartet

Wie der Fall ans Tageslicht kam, war vor Gericht schwer zu klären. Die als Zeugin geladene 19-jährige Schwester des Elfjährigen verstrickte sich zum Teil in Widersprüche, bestätigte schließlich aber weitgehend den Polizeibericht, demzufolge sie nach dem Hinweis einer Freundin, die im selben Haus wohnt, bei ihrem Bruder genauer nachgefragt habe. Die Familie habe sich vorher schon eine Zeit lang gewundert, dass der Junge über so viel Geld verfügte.

Daraufhin habe sie den Angeklagten, den sie vom Sehen gekannte habe, befragt, so die 19-Jährige. Dieser habe geantwortet, dass er dem Jungen das Geld einfach so gegeben habe. Nachdem der Bruder schließlich von den Taten erzählt habe, habe sie in Absprache mit den Eltern Anzeige erstattet, so die 19-Jährige. Der Angeklagte wurde laut Gericht Anfang Mai festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Gegen den 61-jährigen Bekannten des Angeklagten ermittelt die Staatsanwaltschaft nach Aussage des Vorsitzenden Richters ebenfalls. In zwei der zehn Fälle, darunter der vom Angeklagten abgestrittene schwere Fall, wurde das Verfahren gegen den 49-jährigen Mann eingestellt.

Das Urteil wird nach weiteren Befragungen am kommenden Freitag, 23. August, erwartet.

Mehr von Westdeutsche Zeitung