Krefelder soll bei der Sparkasse plötzlich 75 Prozent mehr zahlen

Bankschließfächer : Krefelder soll bei der Sparkasse plötzlich 75 Prozent mehr zahlen

Wolfgang Lipfert hat sein vielen Jahren ein Schließfach bei der Sparkasse Krefeld, die Gebühr dafür hat die Sparkasse an 1. Januar um 75 Prozent erhöht. Die Bank sieht sich im Recht.

Wolfgang Lipfert besitzt seit vielen Jahren ein Schließfach bei der Sparkasse Krefeld am Ostwall. „Dort sind Wertsachen, wichtige Dokumente und Unterlagen sowie Dinge von persönlichem Wert diskret und sicher aufgehoben“, sagt der Krefelder. Jahrzehntelang ist er mit dem Service der Sparkasse sehr zufrieden gewesen. Mit dem 1. Januar hat sich das schlagartig geändert. „Bisher habe ich für das Schrankfach 48 Euro jährlich bezahlt, jetzt muss ich 84 Euro dafür bezahlen; das ist Abzocke“, sagt er verärgert. In seinem Fall ist das eine Mietpreis-Erhöhung von 75 Prozent. Und er ist nicht der Einzige, der bereits Ende Oktober den Hinweis auf eine Preiserhöhung erhalten hat.

Kosten für Sachmittel, Personal und Sicherheit sind gestiegen

„Die Sparkasse hat insgesamt 25 500 Kunden von Schließfächern angeschrieben“, sagt Pressesprecher Harald Schulze auf Nachfrage. „Die Preise für diesen Service sind seit vielen Jahren unverändert gewesen, die letzte Anpassung war im Jahr 2008. Wir haben unsere Preise jetzt an die aktuellen Marktpreise angepasst.“ Im Falle der Bestandskunden, wie Wolfgang Lipfert, liegt laut Schulze die letzte Anpassung noch länger zurück. „Dieser Kunde hat sehr, sehr lange zu sehr günstigen Konditionen das Schließfach bekommen“, betont Schulze. Lipfert hingegen sieht das aus einer anderen Warte: „Es gibt so etwas wie Kundenservice, die Sparkasse ist schließlich auch für den Kunden da und nicht nur umgekehrt. Die hätten die Kosten für ihre treuen Kunden nach und nach erhöhen sollen, aber nicht auf einen Schlag.“

„Sach-, Personalkosten und Aufwendungen für die heutige Sicherheit sind gestiegen“, argumentiert Schulze die Preiserhöhung. Allein die neue Schließfachanlage in der kürzlich eröffneten neuen Filiale an der Friedrich-Ebert-Straße habe vergleichbar den Preis eines Einfamilienhauses gekostet. „Dennoch befinden wir uns mit unseren aktuellen Kosten für ein Schließfach immer noch im Mittelfeld“, sagt der Pressesprecher des Geldinstituts. Es gebe verschiedene Fachgrößen, die unterschiedliche Preise hätten. Das kleinste Fach (Inhalt sechs bis zehn Liter) koste 60, das größte 120 Euro. Außerdem variierten die Kosten je nach Schrankgröße und Mietdauer.

Andere Banken in Krefeld erhöhen Preise alle paar Jahre

Ein Abgleich mit anderen Bankinstituten in Krefeld bestätigt die Aussage des Sparkassen-Sprechers, dass das Institut die Kosten an die aktuellen Marktpreise angepasst habe. Andere Banken verlangen teilweise mehr für den Service und haben ihre Preise über einen längeren Zeitraum schrittweise längst erhöht. Bei der Commerzbank gelten die Preise nach Auskunft immer für ein Jahr. Kostete das kleinste Schließfach im Jahr 2018 noch 89 Euro, so sind es ab dem 1. Januar nun 99 Euro. „Die Deutsche Bank hat im neuen Jahr nicht die Preise erhöht“, sagt Pressesprecherin Christiane Lorch. Für ein Fach bis neun Liter zahlt der Kunde einschließlich Mehrwertsteuer weiterhin 59,50 Euro, für eins bis zwölf Liter 77,35 Euro. Für das größte Depot mit mehr als 144 Liter Volumen werden 476 Euro im Jahr fällig.

„Wir haben die Preise zuletzt 2017 angepasst“, sagt Christian Davids von der Volksbank. Das kleinste Schließfach wird in Krefeld mit 60 Euro berechnet (inklusive einer Versicherungssumme von 5000 Euro). Die nächst höhere Größe liegt bei Kosten von 120 Euro, das größte kostet 180 Euro pro Jahr. In der Grundfläche mit DIN A4 immer gleich, unterscheiden sie sich in der Höhe von fünf bis 19, 20 bis 49 und ab 50 Zentimeter. Die Santander Bank hält keine Schließfächer für ihre Kunden mehr vor. Sie hat diesen Geschäftszweig vor zwei Jahren deutschlandweit aufgegeben.

Verbraucherberatung hat Kosten für Schließfächer geprüft

Während die Sparkasse die Zahl ihrer Schließfach-Kunden angibt, schweigt die Deutsche Bank dazu. „Grundsätzlich sind ausreichend Schließfächer verfügbar. Für den Fall, dass in einer Filiale die Kapazitäten ausgeschöpft sind, wird den Kunden in nahe gelegenen Standorten ein Bankschließfach angeboten“, erklärt Christiane Lorch. Sie bittet aber um Verständnis, dass die Bank grundsätzlich keine konkreten Zahlen zur Nutzung und Verfügbarkeit veröffentlicht.

Wer ein Schließfach mieten möchte, sollte die Preise aller Banken und Geldinstitute genauestens vergleichen. „Für Schließfächer sind jeweils die Filialen zuständig“, sagt Christiane Lorch. Die Verbraucherberatung NRW hat im Frühjahr vergangenen Jahres das Angebot von acht Anbietern geprüft. Fazit: Neben den Kosten für das Schließfach sollte der Kunde danach auch die Versicherung für den Schließfach-Inhalt und die Haftung für verlorene Schlüssel erfragen. In dem landesweiten Test der Verbraucherberatung NRW war die Volksbank Krefeld der einzige Anbieter, bei dem standardmäßig 5000 Euro versichert sind. Auch das ärgert Wolfgang Lipfert als Sparkassen-Kunde.

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