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Krefeld: Krefelder sind länger krank als Andere

Krefeld : Krefelder sind länger krank als Andere

Statistiken der AOK verdeutlichen: Trotz leichten Rückgangs bei den Zahlen ist der Krankenstand in Krefeld höher als anderswo im Rheinland.

Krefeld. Die gute Nachricht zuerst: Die Krefelder waren im vergangenen Jahr weniger krank. Das hat die AOK Rheinland/Hamburg anhand von Krankmeldungen (Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen) sowie stationären Krankenhausaufenthalten ihrer 23 700 versicherten Arbeitnehmer in der Stadt jetzt für 2016 ermittelt. Mit 6,19 Prozent ist der Krankenstand gegenüber dem Vorjahr leicht rückläufig. Aber: „Damit liegt Krefeld gegenüber dem gesamten Versicherungsgebiet Rheinland 0,63 Prozentpunkte über dem Schnitt“, fasst AOK-Regionaldirektor Hans-Werner Stratmann zusammen.

Über viele Gründe hierfür könne man nur spekulieren, einer lasse sich aber anhand von Daten nachweisen: „In Krefeld ist unser Klientel älter als im Rheinland“, erklärt Stratmann. Der Großteil der rund 69 000 Krefelder AOK-Versicherten sei zwischen 45 und 54 Jahren oder älter. „Unter den 25- bis 34-Jährigen haben wir in Krefeld weniger Versicherte.“

Dabei sei gerade das Alter bei den Krankmeldungen wesentlicher Faktor: Zwar seien junge Menschen im Alter bis 25 Jahre laut Statistik häufiger, dafür aber für einen kürzeren Zeitraum krank als ältere. Gerade im Bereich der Langzeiterkrankungen, die länger als sechs Wochen dauern und bei denen die Krankengeldzahlung von der Kasse übernommen wird, beobachtete die AOK im vergangenen Jahr in Krefeld einen Anstieg von 1,75 (2015) auf 1,86 Prozent. Die Zahlen fürs gesamte Rheinland dagegen sind mit 1,57 Prozent gegenüber 1,61 Prozent (2015) leicht gesunken.

Auch der Arbeitsplatz könne Einfluss darauf haben, wie häufig Mitarbeiter sich krank melden, vermutet Stratmann. „Im Dienstleistungsbereich herrschen andere Arbeitsbedingungen als etwa im industriellen.“ Zahlen zeigten: „Auf Platz eins bei den Krankmeldungen steht die öffentliche Verwaltung“ gefolgt von Altenheimen und Krankenhäusern.

Körperlich sowie psychisch „belastende Faktoren“ im Job können krankmachende Gründe sein, glaubt Stratmann. Nicht umsonst seien Erkrankungen des Skeletts oder der Muskulatur wie Hexenschuss oder Bandscheibenvorfall mit 23 Prozent aller Ausfalltage und psychische Erkrankungen (11 Prozent aller Ausfalltage) verantwortlich für den Großteil der Krankschreibungen in Krefeld.

Die Erklärung, dass der Öffentliche Dienst etwa einen sicheren Arbeitsplatz biete, weshalb Mitarbeiter sich leichter mal eine Krankmeldung gönnen könnten, hält Stratmann für zu weit hergeholt. Er glaubt vielmehr: Das Engagement und die Bindung der Mitarbeiter zu ihrem Unternehmen spiele eine wesentliche Rolle beim Thema Gesundheit. „Wenn es einem Unternehmen gelingt, seine Mitarbeiter emotional an sich zu binden und zu motivieren, arbeiten sie produktiver.“ Die Folge: „Mitarbeiter, die eine gute Bindung zu ihrem Unternehmen haben, sind weniger häufig krank.“ Unterm Strich sei das ein wichtiger Wettbewerbsvorteil.

Nicht nur in Krefeld, bundesweit sei „noch viel Aufklärungsarbeit nötig, in die betriebliche Gesundheitsförderung zu investieren“, betont Stratmann. Die Zahlen der Analyse für das Jahr 2016 zeigten deutlich: „Es ist bisher noch nicht gelungen, die Gesundheit als maßgeblichen Faktor für Produktivität am Arbeitsplatz zu etablieren.“

Dort setze auch das neue Präventionsgesetz an, dass die Bundesregierung im vergangenen Jahr auf den Weg gebracht hat (die WZ berichtete). „In 2016 wurden 50 000 Euro in die betriebliche Gesundheitsförderung investiert, durch das neue Gesetz wird dieses Angebot für Firmen noch ausgebaut“, betont der Experten.

Dass das funktionieren könne, zeige das Beispiel der Krefelder Firma Laufenberg. Dort fanden nach einer Datenanalyse Mitarbeiterumfragen, Sport- und Ernährungsberatung und eine Rückenschule statt. So habe die Firma ihren Krankenstand von 5,77 Prozent im Jahr 2011 auf 3,98 Prozent in 2015 senken können, betont Stratmann.