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Krefelder Senioren in Angst vor Drogenabhängigen

Drogenszene : Krefelder Senioren in Angst vor Drogenabhängigen

Sie haben Angst, vor die Tür zu gehen: Die Mieter der Seniorenresidenz Jungfernweg kämpfen um Ruhe vor Drogenabhängigen und Obachlosen mit einem Brandbrief an den Oberbürgermeister.

Von großem Unmut und Ärger ist an diesem Freitag Mittag nichts zu spüren, nichts zu sehen. Der Jungfernweg ruht in sich, die Sonne scheint. Und doch ist nicht alles eitel Sonnenschein. Vor allem nicht rund um das Seniorenheim mit der Hausnummer 13 am Jungfernweg.

Es ist vielmehr ein Kampf um Ruhe vor Drogenabhängigen und Obachlosen. Unweit des Theaterplatzes ist die Spur der Szene bis auf den Jungfernweg nachzuverfolgen. So jedenfalls ist der Hilferuf von Ronny Kockel, dem ehemaligen Torhüter des KFC Uerdingen zu verstehen. Kockel arbeitet bei der Comunita Seniorenresidenzen GmbH, ist für das Belegungsmanagement zuständig. Hausintern schreibt Kockel an Vorgesetzte, die Mieter beschwerten sich massiv über die Obdachlosen und Drogenszene um den Eingang vorne und hinten. Es würden Drogen direkt vor der Haustür konsumiert, es würde in den Mülltonnen übernachtet. Die Mieter hätten Angst vor die Tür zu gehen oder einfach nur zu ihren Mülltonnen. Er habe mit der Stadt Krefeld gesprochen und eine Nummer vom Ordnungsamt bekommen, die man gegebenenfalls anrufen könnte. Das Ordnungsamt sei aber nur für den öffentlichen Bereich zuständig. Wo sich diese Personen immer aufhielten ist aber „Privatgelände“. Dort sei die Polizei zuständig. Das sei sehr umständlich und den Mietern auch nicht immer zuzumuten, so Kockel.

Brief an OB Frank Meyer und die vier großen Fraktionen

Die Comunita Seniorenresidenzen GmbH schaltete daraufhin die HVGE Hausverwaltung Gebr. Erdtmann in Krefeld ein. Die Gesellschaft verwaltet zahlreiche Gebäude in der Innenstadt, auch um den Theaterplatz herum. Stefan Erdtmann sagt: „Kockels interner Notruf ist über das Management zu uns gekommen.“ Er habe dann die vier großen Fraktionen im Rat – SPD, CDU, Grüne und FDP – angeschrieben und eine Mail direkt an Oberbürgermeister Frank Meyer. Darin heißt es: „Wir hatten Sie in dieser Sache „Drogenabhängige um den Theaterplatz herum“ schon vor zwei Jahren angeschrieben. Leider ist in der Zwischenzeit nichts für uns Erkennbares passiert. Die Situation hat sich vielmehr verschlechtert. Ich bitte Sie, mit Communita, der Betreiberin der Wohnanlage und des Pflegeheims den direkten Kontakt auf zu nehmen und den verängstigten Bewohnern dort zu erklären, was die Stadt Krefeld unternimmt, um die unhaltbaren Zustände zu ändern.“

Unterschriften-Aktion für den Regierungspräsidenten

Dass die Bereitschaft, die Situation stillschweigend zu dulden, schwindet, geht aus dem Schreiben an die Fraktionen hervor. Dort heißt es: „Wenn zu diesem Thema seitens der Politik Krefelds nichts Einschneidendes passiert, das die Situation für die Betroffenen tatsächlich und spürbar ändert, werden wir eine Unterschriften-Aktion von betroffenen Bürgern aus dem Umfeld organisieren und uns damit an den Regierungspräsidenten bzw. das Land wenden (müssen). Sichere Lebens- und Wohnverhältnisse in einer Stadt sind das Mindeste, was ein Gemeinwesen in der Lage sein sollte, seinen Bürgern bereit zu stellen.“ Nach diesen deutlichen Worten endet der Brief mit dem Appell: „Wir vertrauen darauf, dass die Krefelder Politik in der Lage ist, sich des Problems wirklich anzunehmen und das Problem auch zu lösen.“

Die Stadt erklärte, mit dem Vorgang konfrontiert, der Kommunale Ordnungsdienst habe die genannten Bereiche am Donnerstag bereits kontrolliert – allerdings keine Feststellungen machen können, die eine ordnungsrechtliche Relevanz hätten. Der Ordnungsdienst werde die Örtlichkeiten aber ab sofort routinemäßig kontrollieren. Dass sich jedoch soziale Schwierigkeiten, die für Großstädte typisch sind, durch solche Maßnahmen nicht kurzfristig lösen lassen, sei sicher nachvollziehbar.

Mit dem Konzept „Handeln und Helfen“ habe die Stadt vor zwei Jahren die Themen Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit in der Innenstadt erstmals grundsätzlich in Angriff genommen. Basis des Programms ist das Zusammenwirken von ordnungs- und sozialpolitischen Maßnahmen. Klare Grenzen zu setzen, Verstöße gegen geltendes Regeln zu ahnden und die Allgemeinheit zu schützen seien wichtige Grundsätze im ordnungspolitischen Handeln der Stadt. Doch auch soziale Instrumente wie Suchthilfe, Obdachlosenhilfe, Streetwork und Quartiersmanagement gehören zum Programm.

Im Zuge des Starts von „Handeln und Helfen“ sei zum einen der Kommunale Ordnungsdienst Stück für Stück aufgestockt – von ursprünglich zwölf Stellen in 2015 auf inzwischen 31 Stellen in 2020. Eine mobile Wache auf dem Theaterplatz wurde eingerichtet, ein klar erkennbarer „City-Service“ bestreift die Innenstadt. Auf der anderen Seite seien auch in der aufsuchenden Sozialarbeit, der präventiven Bezirkssozialarbeit, im Quartiersmanagement und im Streetwork der Caritas insgesamt fünf neue Stellen geschaffen worden.

Das Programm „Stadt.Fein“, die Mülldetektive und weitere neue Instrumente sollen zudem die Sauberkeit in der Innenstadt verbessern. Mit diesen Maßnahmen seien laut Stadt in allen Bereichen Erfolge erzielt worden, die auch bei Akteuren der Innenstadt Anklang gefunden haben.