Krefelder Pop-up-Store wird gut angenommen

Handel : Krefelder Pop-up-Store wird gut angenommen

Beim neuen Pop-up-Store in Krefeld ist extrem viel los. Zum Jahresende soll der neue Laden „KR.City“ an der Königstraße aber wieder schließen.

Rechnungen schreibt Michael Fedder noch immer von Hand. An der Kasse wird ein Taschenrechner zur Hilfe genommen. Das ist Teil des Alltags für ihn und seine Freundin Vanessa Rödiger, die gemeinsam das Geschäft KR.City auf der Königstraße betreiben. Seit Juni – und auch nur noch bis zum Jahresende. Das war der Plan, das gehörte zum Konzept, als das Paar im Sommer die leerstehenden Räume von einem Bekannten übernahm. Pop-up-Verkauf heißt die Idee im Englischen, ein plötzlich auftauchender, kurzfristiger Einzelhandel, der darauf abzielt, Leerstand in einer Innenstadt zu beseitigen und im Gegenteil Betriebsamkeit zu suggerieren. Wenn auch nur an ausgewählten Tagen wie bei KR-City in der Krefelder Innenstadt.

Nur samstags öffnet das Paar die Pforten, von 10 bis 17 Uhr. Kann das gutgehen? „Es wurde super angenommen. Es war extrem viel los“, sagt Michael Fedder über die ersten vier Monate: „Wir haben im Laden mehr verkauft als im Internet.“ Seit dem 1. Juni sind sie nebenberuflich tätigen Verkäufer in dem kleinen Laden, der aber nicht ihnen gehört. Der Inhabersohn Mauritz Knuffmann wollte das Lokal mit einem Zwischennutzungskonzept für mögliche Langzeitmieter interessant machen. Als wolle er sagen: Seht her, hier geht was in Krefelds Mitte. Die Idee hatte der Vorsitzende der Krefelder Werbegemeinschaft, Christoph Borgmann, im vergangenen Januar geliefert. In den Niederlanden gebe es diese Art der kurzzeitigen Nutzung schon länger.

Das Paar hat eine Marke für junge Leute entworfen

Fedder spricht von „Menschenschlangen“, die da samstags in seinem Laden stünden. Doch sind die Öffnungszeiten sehr überschaubar, das fiel auch schon seinen Kunden auf. Sieben Stunden in sieben Tagen, das ist nicht viel. „Die Leute sagen auch oft: schade, dass ihr nur so selten offen habt. Aber unter der Woche ist eben in der Innenstadt auch nicht viel los“, sagt der 29-Jährige.

Es ist zudem eine kleine Zielgruppe, die da immer wieder ins KR-City hineinschaut. Stammkundschaft aus Krefeld, die weiß, was sie an dem kleinen Laden hat. „Manche haben schon vier oder fünf Hoodies von uns zu Hause.“ Das Paar hat vor zwei Jahren eine Art eigene Marke für junge Leute entworfen. Produziert wird im Wohnzimmer der Beiden. Die zugezogene Düsseldorferin Vanessa Rödiger ist von Hause aus Mediendesignerin.

Lokalpatriotismus, den man sieht. Das ist die Geschäftsidee. Mit T-Shirts ging es los. Heute gibt es auch schon Jacken, Hoodies, Mützen, Hemden. Mode, Möbel, Grußkarten. Damenschnitte mit eigenem Muster. Kapuzenpullis mit Krefelder Bauwerken wie der Grotenburg. Michael Fedder stammt aus Verberg, er hat schon in Köln und München gelebt, bevor er ins beschauliche und mitunter auch etwas bräsige Krefeld zurückkehrte. Er ist im Hauptberuf Bereichsleiter in einem Supermarkt. „Die Stadt braucht eine gewisse Frische“, sagt Fedder: „Man hat das Gefühl, Krefeld hinke ja immer etwas hinterher. In anderen Großstädten sind die Leute stolz auf ihre Stadt.“ Krass sei es, findet er, wie viele Krefelder dann aber eben doch Lokalpatriotismus lebten. Das hat er mit seinem Verkauf schon herausgefunden. In den sozialen Netzwerken teilt er fleißig Inhalte für 2000 Follower.

Mit Bügeleisen-Druck ging es los. Mittlerweile muss das Pärchen auch schon eine Krefelder Stickerei-Firma beauftragen. Das Weihnachtsgeschäft wollen Fedder und Rödiger noch mitnehmen. Dann ist wieder Schluss. Ein langfristiger Nachmieter soll bald gefunden sein. Der Internet-Handel könnte dennoch weitergehen. Bald wird der kleine Laden wieder verschwunden sein, so unmittelbar, wie er entstanden ist. Nach sechs Monaten.

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