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Krefelder Politiker diskutieren neue Wege aus der Obdachlosigkeit

Un-Parteiisch : Neue Wege aus der Obdachlosigkeit

Der Sozialausschuss beschäftigt sich Anfang März mit dem Konzept „Housing first“, das auch durch eine aktuelle TV-Serie bekannt ist.

Der Antrag Die SPD bringt in den Sozialausschuss am 3. März einen Prüfauftrag ein und möchte von ihrer Idee eine Mehrheit überzeugen. Der Antrag ist zweigeteilt: Die Verwaltung soll prüfen, ob das Gebäude an der Oppumer Straße 71-73, das die Stadt gemietet hat, als Obdachlosenunterkunft genutzt werden kann. Und sie soll prüfen, ob das Konzept „Housing First“ eine sinnvolle Ergänzung zum in Krefeld bestehenden Konzept zur Unterbringung von obdachlosen Menschen sein kann.

Der Zusammenhang Im Südbezirk ist in der ehemaligen Don-Bosco-Schule die Obdachlosenunterkunft untergebracht, zudem gibt es dort zwei Notschlafstellen an der Luther- und an der Melanchthonstraße. Die mit denen Einrichtungen verbundenen Belastungen tragen vor allem die Einwohner des Bezirks.

Das Konzept „Housing first“ stammt aus den USA und wird zum Beispiel in Wien und in Düsseldorf praktisch angewendet. Üblich ist bisher, dass Obdachlose über mehrere Stationen „wohnfähig“ werden sollen, unter anderem in der Notschlafstelle und beim „Trainingswohnen“. Am Ende gibt es dann oft das Problem, dass keine Wohnungen zur Verfügung stehen. Bei „Housing first“ steht, wie der Name vermuten lässt, die Wohnung an erster Stelle. Eine normale Wohnung, mit einem normalen Mietvertrag, eine Wohnung, die eben nicht Bleibe oder Notunterkunft ist. Erst danach werden andere Probleme wie Schulden, Sucht, Arbeitslosigkeit angegangen.

Die Düsseldorfer Obdachlosenhilfe gibt dazu an, dass nach fünf Jahren noch mehr als 90 Prozent in den ihnen vermittelten Wohnungen leben. Sie argumentiert, dass dies deutlich günstiger sei als stationär-betreutes Wohnen.

Die Bewertung Der Prüfauftrag erscheint in seinem ersten Teil sinnhaft, in seinem zweiten Teil zu zögerlich. Ob und unter welchen Umständen das Gebäude an der Oppumer Straße als Unterkunft geeignet ist, muss in der Tat untersucht werden. Aber die Frage, ob das Konzept „Housing first“ eine sinnvolle Ergänzung ist, lässt sich schneller beantworten. Dafür muss man im Zweifel nicht mal nach Düsseldorf fahren, ein telefonischer Austausch genügt im Zweifel auch. Die dortige Obdachlosenhilfe setzt das Konzept seit zwei Jahren und zwei dafür gekauften Häusern um. Dann hört man Geschichten wie die von Helmut, der auf diesem Weg eine Wohnung gefunden hat und damit eine Basis, um seine weiteren Herausforderungen anzugehen. Helmut war und ist in diesem Monat in der TV-Serie „Obdachlos – Einzug in ein neues Leben“ auf Vox zu sehen.