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Krefelder Pilzsammler gehen in diesem Herbst oft leer aus

Pilze : Schlechte Zeiten und leere Körbe für Pilzliebhaber

Äpfel top, Pilze flop: Sammler, die im Wald nach Stein- und Birkenpilzen suchen, gehen diesen Herbst oft leer aus.

Apfelbauern jubeln über Rekordernten, Pilzsammler kommen in diesem Herbst meist mit leeren Körben zurück aus dem Wald. „In diesem Jahr gibt es so wenig Pilze wie in den vergangenen 20 Jahren nicht“, das ist die Beobachtung von Karl Wehr, NRW-Landeskoordinator für Pilzkartierung der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM).

Nur: Speisepilze wie Steinpilz, Pfifferling und Co. interessieren den Krefelder Experten nicht. Darum kümmert sich der Pilzsachverständige der DGfM, Jürgen Schnieber. Der erklärt: Pilze wachsen auch dieser Tage überall im Wald „in Massen“ – im Laub, im Boden, im Holz der Bäume. „Was Pilzliebhaber sammeln, das ist die Frucht – wie der Apfel. Das Lebewesen Pilz, beim Apfel der Baum, ist allerdings so klein, das sieht man nicht.“ Damit Pilze Fruchtkörper ausbilden, brauchen sie vor allem eines: Feuchtigkeit. „Dann strecken sich die Zellen und die Pilze schießen im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Boden“, erklärt Schnieber. Dieses Jahr sei es allerdings dafür viel zu trocken gewesen, sagt er.

„Der verregnete Sommer im letzten Jahr dagegen war für Pilzliebhaber ideal.“ Zwar gebe es das ganze Jahr über Pilze und die klassische Pilzsaison ende erst im November, zwischen August und Oktober seien aber die meisten Arten zu finden.

Birkenpilze und Birken
wachsen in einer Symbiose

Der seltene Steinpilz oder Birkenpilze etwa. Letzterer wächst nur dort, wo es auch Birken gibt – Pilz und Baum leben in einer Symbiose. „Das Pilzgeflecht erhöht die Möglichkeiten für den Baum, Nährstoffe über Wasser im Boden aufzunehmen. Der Pilz wiederum bekommt von der Birke durch Photosynthese produzierten Zucker zurück. Denn Pilze haben ja kein Blattgrün und deshalb keine Möglichkeiten zur Photosynthese“, erklärt der Experte.

Der Hallimasch, ebenfalls ein essbarer Pilz, dagegen ist ein Parasit. Er befällt Bäume und habe in diesem Jahr während der Trockenheit bessere Lebensbedingungen als Stein- oder Birkenpilze, die Sammler auf dem Waldboden finden. „Der Hallimasch wächst auf Holz und das speichert Wasser“, sagt Schnieber.

Champignons können
auch roh verzehrt werden

Einen überlebenswichtigen Tipp für alle Pilzsammler wird der Experte nicht müde zu wiederholen: Auch wenn der Hallimasch essbar ist, ist er roh wie die meisten Pilze giftig und kann, wenn er nicht mindestens 20 Minuten vor dem Verzehr erhitzt wird, eine allergische Reaktion hervorrufen, die im schlimmsten Fall sogar tödlich enden kann. Ausnahmen bestätigen die Regel. Dazu gehören, so der Pilz-Fachmann, Zucht-Champignons.