Krefelder Pflegedienst setzt auf bessere Arbeitsbedingungen

Pflegepersonal: Um Mitarbeiter wird gerungen – mit besseren Arbeitsbedingungen

„Pflege Optimal“ ist einer der größten Anbieter in Krefeld. Er setzt auf unbefristete Verträge und mehr Vollzeitstellen.

Zur Jahrtausendwende gründete Ali Çelik den Pflegedienst „Pflege Optimal“, den er bis heute leitet. Im Jahre 1997 schloss er im Alexianer-Hospital die Ausbildung zum Krankenpfleger ab, drei Jahre später folgte der Schritt in die Selbstständigkeit. Mittlerweile hat sich das Unternehmen als einer der größten privaten Anbieter hauptsächlich ambulanter Pflege in Krefeld etabliert und wurde vor zwei Jahren im Rahmen des „Great Place To Work“-Wettbewerbs als hervorragender Arbeitsplatz ausgezeichnet. „Das ist natürlich ein gutes Argument bei der Personalakquise“, sagt Çelik. Hier äußern sich nämlich bei Çelik diverse Symptome des Pflegenotstandes, der sich in den verschiedenen Pflegebereichen unterschiedlich niederschlägt.

Gerade qualifiziertes Personal zu finden, werde stetig komplizierter, da sich wegen der hohen Nachfrage nach Fachkräften ein immenser Wettbewerb um die Pflegenden etabliert habe. „Der Markt ist momentan hart umkämpft“, resümiert Çelik. Regelmäßig bekomme er mit, dass eigene Pflegekräfte von anderen Unternehmen kontaktiert und gezielt angeworben würden. Es gebe ein deutlich intensiveres Ringen um Fachkräfte, die sich ihre Arbeitsplätze aussuchen können.

Gehalt ist nicht das
vorrangige Argument

Daher gilt es für Ali Çelik, Argumente für den eigenen Betrieb zu sammeln. Er betont allerdings, dass es bei der Personalakquise nicht vorrangig auf das Gehalt ankomme. Das generelle Arbeitsklima sei entscheidend, weswegen Çelik durch verbindliche Dienstpläne eine klare Trennung von Arbeits- und Freizeit wahrt. Zudem verfüge die Firma über einen eigenen Fitnessraum für die Mitarbeiter.

Prinzipiell relevant seien die Gehaltsbedingungen selbstverständlich aber schon. Das beweisen die im Pflegesektor untypischen, unbefristeten Arbeitsverträge unter festen Tarifbedingungen seines Betriebs.

Für das Unternehmen bedeutet das allerdings im Umkehrschluss, dass sich solche Strukturen auch in den Preisen wiederspiegeln. „Pflege Optimal“ befindet sich eher im oberen Drittel der Preiskategorie für ambulante Pflege. Anders ließe sich die Jobsicherheit der Mitarbeiter wiederum nicht finanzieren.

Unterdessen konkurriert die Firma mit anderen ums Personal. „Es wird leider auch viel Potenzial vergeudet“, bemängelt Çelik. Denn in der ambulanten Pflege würden überwiegend Teilzeitangestellte beschäftigt, wodurch Produktivkräfte vertan würden, solange die Teilzeit nicht auf dem Wunsch der Pflegekraft beruht. Daher böte „Pflege Optimal“ gezielt Beschäftigungsverhältnisse in Vollzeit an und erreiche ein Verhältnis von 80:20. Dadurch werde eine bestimmte Zielgruppe aktiviert: junge Männer. Für sie sei die Option Vollzeit attraktiv.

Auf diese Weise habe man auch ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis im Unternehmen erreicht. Im Vergleich: Bundesweit sind deutlich mehr als 80 Prozent der Fachkräfte in der Pflege weiblich. Das rollenspezifische Image des Pflegeberufes als Frauenberuf müsse überwunden werden, um auch junge Männer und damit mehr Mitarbeiter für den Pflegeberuf zu gewinnen.

Firmengründer: „Der Branche fehlt das Selbstbewusstsein“

Ein großes Problem der Pflege sei allerdings das im gesamten Sektor herrschende negative Selbstverständnis des Berufs. Der Berufsgruppe fehle es nicht nur an politischer Repräsentation, sondern schlichtweg an einem grundlegenden Selbstbewusstsein in Bezug auf die eigene Tätigkeit,sagt Çelik.

Er selbst habe noch stets Kontakt zu Menschen, die er vor Jahren persönlich gepflegt habe. „Es ist ein wunderschöner Beruf“, sagt Çelik. Die gesellschaftliche Verantwortung der Pflege sei enorm, und das müsse klarer in das Selbstverständnis von Pflegenden und Gesellschaft einfließen. „Die demographische Entwicklung arbeitet allerdings gegen uns“, konstatiert Çelik ernüchtert. Zahlreiche Studien prognostizieren, dass sich der Mangel an Pflegefachkräften in den kommenden Jahren bei fortlaufendem Trend intensivieren wird.

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