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Krefelder Pfandsystem statt Millionen Wegwerf-Kaffeebecher im Müll?

Abfall vermeiden : Krefelder Pfandsystem statt Millionen Wegwerf-Kaffeebecher im Müll?

Wegwerf-Kaffeebecher produzieren einer aktuellen Statistik zufolge 50.000 Tonnen Müll pro Jahr. Die CDU in Krefeld plädiert deswegen im Umweltausschuss für ein neues Pfand-Modell, das auch Augsburg, München und Köln nutzen.

2,9 Milliarden Becher für „Coffee to go“ und andere Heißgetränke werden jedes Jahr deutschlandweit verbraucht. Das sind pro Stunde 320 000 Stück und pro Kopf im Jahr 34 Stück. Mit den drei Milliarden Bechern für Kaltgetränke ergeben sich nach einer aktuellen Statistik in der Summe etwa 50 000 Tonnen Abfall – zu zwei Dritteln Papier- und einem Drittel Kunststoffmüll.

Rechnet man diese Daten, die sich auf 2017 beziehen, auf Krefeld herunter, ist das statistisch vielleicht nicht zulässig. Aber es gibt einen Eindruck von dem, was da pro Jahr etwa zusammenkommt. Bei etwa 222 000 Einwohnern könnten es in Krefeld jeweils etwa acht Millionen Becher für Heiß- und Kaltgetränke im Jahr sein.

In anderen Städten sind deshalb mittlerweile umweltfreundliche Mehrweg-Pfandbecher für Bäckereien und andere Kaffeeanbieter eingeführt worden. In Recklinghausen ist es zum Beispiel der Vestbecher, zu 100 Prozent aus natürlichen Rohstoffen und vollständig biologisch abbaubar.

Als Anreiz wurden in Augsburg Becher und Gutscheine verteilt

Am Beispiel der Stadt Augsburg würde sich die Krefelder CDU-Fraktion gerne orientieren und bringt einen entsprechenden Antrag für ein Pfandsystem in den Umweltausschuss am heutigen Dienstag ein. „Statt auf Verbote setzen wir auf Anreizsysteme, welche die Bürger überzeugen, mit den Ressourcen schonender umzugehen“, sagt Heinz-Albert Schmitz, CDU-Sprecher im Ausschuss für Umwelt, Energie, Ver- und Entsorgung sowie Landwirtschaft, zu diesem Vorschlag. Denn die Stadt Augsburg hatte zur Einführung ihres Pfandsystems 300 Coffee-to-go-Becher mit jeweils einem Gutschein für einen Gratis-Kaffee verschenkt.

In Augsburg startete die Kommune im März 2018 eine Kooperation mit 15 Partnern, durch die mehr als 50 Cafés und Bäckerei-Filialen an dem System teilnehmen. Ein Jahr später waren es bereits doppelt so viele Partner. Für einen Euro Pfand können die Kunden den Becher dort mitnehmen und wieder zurückgeben. Die Trinkbehälter werden vor Ort gereinigt. Das Prinzip, mit dem in der bayerischen Metropole gearbeitet wird, nennt sich „Recup“. So wie das 2016 gegründete Unternehmen mit Sitz in München, das hinter diesem Modell steckt.

Unter anderem ist das Recup-System seit März 2017 in Berlin auf dem Markt, seit Mai 2017 auch in München, seit April 2018 in Hamburg – immer in Kooperation mit den dortigen Behörden. Es gibt 0,2-, 0,3-, und 0,4-Liter-Becher „made in Germany“. Sie bestehen nach Angaben des Unternehmens aus recyclebarem Kunststoff. In etwa 20 Städten ziert sie die Skyline des jeweiligen Orts.