Krefelder Perspektive: Tanzen, Turnen, Teetrinken mitten auf der Straße

Perspektivwechsel : Tanzen, Turnen, Teetrinken

Autos waren am Samstag auf der Lewerentzstraße Tabu. Stattdessen feierten und entspannten sich die Krefelder auf der Fahrbahn bei buntem Programm.

Ins Gespräch vertieft sitzen Susanne Enger und Jutta Steup in einer Hollywood-Schaukel. Mitten auf der Lewerentzstraße. An ihnen rennen Kinder vorbei, junge Eltern schlendern gemütlich mit ihren Jüngsten voran, Jugendliche suchen sich mit Skateboards ihren Weg. Autos? Fehlanzeige. Die Straße ist für ein Fest einen Nachmittag lang gesperrt – von der Gerberstraße bis zum Frankenring. Gemütlich sitzen und essen, Sportarten ausprobieren, Spielen, Musik lauschen und Tanz erleben, das geht bei „Drahtseilakt und Eiertanz“.

Die Stadt Krefeld hatte zum „Perspektivwechsel“ eingeladen - dazu, Straße einmal anders zu erleben. In der Reihe geht es darum, die Stadt lebendiger und bunter zu machen, durch Experimente. Diesmal stand im Mittelpunkt, Akteure aus der Stadt in die Lewerentzstraße zu holen und zu zeigen, wie es dort ohne Autos aussehen kann. Claire Neidhardt vom Stadtmarketing setzte auf Vielfalt: Vom Spieletisch für Kinder über Skateboard-Rampen für Jugendliche und Tanzperformances an einer Gebäudefassade mit Beteiligten vom Bürger- und Sportvereinen bis hin zu ausgewählten Sortimenten von Geschäften, wie einem Tee- und dem Eine-Welt-Laden, reichte das Angebot.

Frauen seilten sich ab
und tanzten an einer Fassade

Als roter Faden diente das Thema „Ausgleich, Balance, Kompromisse“. Neben den gut genutzten Hollywoodschaukeln waren daher auch jede Menge Slacklines überall aufgestellt, die Familien meist im Vorübergehen kurz nutzten. Die Aktionen, Stände und Stationen waren locker über den Straßenzug verteilt. Gedränge kam so nicht auf. „Es ist richtig schön ruhig und entspannt“, sagte Besucherin Susanne Enger. Genauso gab es aber auch reichlich Gelegenheit, sich auszutoben. Bei einem Zirkus beispielsweise gab es neben einem Drahtseil auch Holzrollen zum Balancieren. Familie Hübel freute sich über die vielen Aktionen für Kinder. Turnen, mit einem BMX-Rad fahren, auf den Slacklines balancieren – genau richtig für einen Ausflug, fand Armin Hübel.

Die Augen seiner drei Kleinen strahlten noch, der sechsjährige Ferdinand konnte sich am Ende vom Fechten kaum losreißen. Kinder und Erwachsene schlüpften dabei in eine volle Montur, lernten kurz die wichtigsten Regeln, und schon ging der Kampf mit den Degen los. Viel zu bewundern gab es ebenso bei den Skatern rund um Oliver Häfner, der sonst im Freizeitzentrum Süd tätig ist. Extra aufgebaute Rampen nutzen die Jungs für spektakuläre Sprünge. Sie wechselten sich dabei mit den Fans von BMX-Rädern ab.

Alt und Jung trafen zu einem der Höhepunkte des Festes zusammen: der Performance von Gabriele Koch und Irina Hortin, unterstützt vom Trommler und Sänger Aidara Seck. Die Tänzerinnen hingen in der Luft an Seilen vor einer Wand. Die Gebäude-Fassade wurde dabei für die beiden Frauen zum Boden: Tanz im 90-Grad-Winkel. Bei ihren Hebefiguren und Sprüngen schienen sie zu fliegen, entlockten den Zuschauern das ein oder andere „Oh“ oder „Wow, das ist toll“ für diese besondere Art von Perspektivwechsel.

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