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Krefelder Paar feiert Diamantene Hochzeit

Fest : „Streit haben die Kinder nie erlebt”

Eva und Georg Wust feiern Diamantene Hochzeit.

Im Juli 1960 haben Eva und Georg Wust geheiratet. Als sie ein Haus in Wolfen bauen wollten, hatten sie schon das Grundstück. Doch Baumaterial zu bekommen, war in der damaligen DDR einfach nicht möglich. Als ihre erste Urlaubsreise über Berlin führte, bemerkten sie, dass es dort alles zum Leben gab. Sie beschlossen, Sachsen-Anhalt zu verlassen, und kamen über Berlin und Koblenz schließlich nach Krefeld. Das war genau vier Wochen vor dem Mauerbau.

Am Wochenende feiern sie ihre Diamantene Hochzeit mit Freunden und Familie. Dafür ist die Tür am Baackesweg mit gelben Rosen geschmückt. Eine glitzernde 60 hängt in der Mitte eines großen Herzens. Damit hat Schwiegertochter Heike Krippendorf-Wust das Jubelpaar überrascht. „Wir haben zwei Söhne, fünf Enkel und drei Urenkel. Darüber freuen wir uns sehr“, erklären die beiden.

Kennengelernt haben sie sich bei einer Tanzveranstaltung. Georg Wust (84) und Eva (83) sind ein wenig verkuppelt worden, denn die Familie hatte ihm von dem netten Mädchen aus Greuden erzählt. Er, der Rohrschlosser, kam aus Jeßnitz und war sofort Feuer und Flamme für die Krankenschwester. Als Krankenschwester galt Eva Wust als privilegiert und durfte reisen. Bei einer Tante in Berlin-Schöneberg machten sie auf der Heimreise Zwischenstopp. „Da war alles schön und preiswert zu haben. Es reifte der Entschluss, umzuziehen. Wir haben gleich einen Koffer in Berlin gelassen und sind nur zurück, um unsere Papiere zu holen.“

Mit dem Arbeiterzug und in Dienstkleidung kamen sie wieder. An die 14 Tage im Notaufnahmelager Marienfelde mag Georg Wust gar nicht mehr zurückdenken. Von dort ging es nach Rheinland-Pfalz und mit Hilfe eines Schulfreundes nach Krefeld. Eva Wust war am Krankenhaus St. Josef in Uerdingen tätig, bevor sie ihre Kinder bekam. Ihr Mann Georg arbeitete bei Bayer.

Seit 52 Jahren hegt und pflegt das Paar seinen Schrebergarten. „Viel darf ich aber nicht machen“, berichtet die Ehefrau und lächelt. „Ich bin fürs Kochen, Backen und Einmachen zuständig. Wir werden ihn jetzt aus Altersgründen schweren Herzens abgeben“, berichten sie. Das „Rezept“ für ihre lange, 60-jährige Ehe – viel miteinanderreden und sich austauschen. Meinungsverschiedenheiten haben wir geklärt, wenn die Kinder im Bett waren. Streit haben sie bei uns nie erlebt.“