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Krefelder Orang-Utan-Jungtier Hujan zieht nach England

Krefelder Zoo : Orang-Utan Hujan wird ein Brite

Das 21 Monate alte Männchen zieht nach England. Pflegemama Eva Ravagni wird ihn bei der Reise begleiten.

Am Montag um 5 Uhr geht es los: Hujan zieht um! Der 21 Monate alte Borneo-Orang-Utan, den Tierpflegerin Eva Ravagni mit der Hand aufgezogen hat, verlässt Krefeld – wahrscheinlich für immer. Seine neue Heimat findet er in der „Monkey World“ in England.

„Der Abschied fällt mir schon schwer. Aber noch schiebe ich es von mir weg“, erzählt die 35-Jährige lächelnd. Monatelang hatte sie Hujan, der im Juni 2017 zur Welt kam, bei sich zu Hause rund um die Uhr versorgt. Windeln wechseln, füttern, beschmusen – da ist eine ganz enge Bindung zu dem kleinen Orang-Utan-Mann entstanden. Das ist auch zu sehen: Während Ravagni im Gehege steht und erzählt, weicht ihr das rotbraune Fellknäuel anfangs kaum von der Seite. „Er ist etwas schmusig“, kommentiert sie die ständigen Annäherungsversuche des mittlerweile zwölf Kilo schweren Jungtiers.

Oma Lea zeigte sich
zunehmend aggressiver

Der Umzug in das 65 Hektar große Affenschutzgebiet in der Grafschaft Dorset wird für beide ein großer Einschnitt im Leben sein. Doch er ist unumgänglich: Hujans Mutter Sungai war nach seiner Geburt erkrankt, weshalb sie sich nicht um ihn kümmern konnte. Heute interessiert sich nicht für ihren Sohn. Und Oma Lea, bei der das junge Männchen gemeinsam mit deren Tochter Suria aufwachsen sollte, zeigte sich nach anfänglicher Zuneigung zuletzt zunehmend aggressiver gegen Hujan, ließ ihn teils nicht an sein Futter.

An sich sei Lea ja eine nette Orang-Utan-Dame, berichtet Zoo-Kuratorin Cornelia Bernhardt. Doch sie sei immer eifersüchtiger geworden, weil sich die Pfleger offenbar zu sehr um Hujan kümmerten. Nur in der Nacht gab es keine Probleme, so dass die drei Tiere eine gemeinsame Schlafbox nutzen konnten. Tagsüber aber musste Hujan allein mit seinem Spielzeug hinter den Kulissen bleiben. Das durfte kein Dauerzustand werden, weil für ihn der Sozialkontakt zu anderen Orang-Utans unerlässlich ist.

Eva Ravagni freut sich sehr darüber, dass ihr Schützling in England nun eine artgerechte Zukunft haben wird. Geplant ist dort die Eingliederung in eine Familiengruppe mit unterschiedlicher Altersstruktur, so ähnlich wie in freier Wildbahn. Wenn das nicht funktioniert, könne er noch in eine „Kindergartengruppe“ umziehen, berichtet Bernhardt.

Die Entscheidung für den Umzug wurde bereits im vergangenen Herbst mit den Experten des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms getroffen. Wegen des möglicherweise bevorstehenden Brexits musste jetzt alles ganz schnell gehen, denn nach einem Austritt der Briten aus der EU wird ein solcher Transport mit großem bürokratischen Aufwand verbunden sein.

Bereits am Donnerstag sind die Tierpfleger James Edwards und George Henderson angereist. Sie werden Hujan in den nächsten Tagen kennenlernen und sich mit ihm vertraut machen. Am Montag fahren sie dann im Auto mit ihm zurück in die Monkey World. Seine „Ersatz-Mama“ wird den Transport begleiten: „Er wird in einer Box neben mir stehen, so dass ich zur Beruhigung die Hand reinstecken kann.“ Bereits seit drei Wochen wird Hujan an die Transportkiste gewöhnt.

In England wird die Krefelder Tierpflegerin noch eine Woche bleiben, um einen reibungslosen Übergang möglich zu machen. Auch einen Jahresvorrat an Babymilch (er bekommt noch drei Fläschchen am Tag) hat sie dabei im Gepäck.

Auch wenn Hujan zunächst nur als Zucht-Leihgabe nach England geht, rechnet im Krefeld Zoo niemand mit einer Rückkehr. Den Kontakt zu ihm möchte Eva Ravagni aber nicht ganz verlieren: „Wenn er im Juni Geburtstag hat, habe ich rein zufällig Urlaub . . .“