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Krefelder Musikschule: Schutzwände zwischen Lehrer und Schüler

Musikschule : Gesungen wird nur noch unter freiem Himmel

In der Musikschule Krefeld hat Corona das Leben komplett verändert. Das Musiktheater muss sogar ins Berufskolleg umziehen.

Schutzwände, die Lehrer und Schüler voneinander trennen. Das ist die neue Realität in der Musikschule Krefeld. Strenge Vorkehrungen waren schon im Frühjahr getroffen worden, um zumindest ein Mindestmaß an Unterricht wieder anbieten zu können. So gab es seit Mai schon wieder Einzelunterricht. Nach und nach wurden die Möglichkeiten ausgeweitet. Auch kleinere Gruppen wurden im Haus Sollbrüggen später wieder beschult, am 13. August kamen auch die Früherziehungsgruppen hinzu. Schritt für Schritt öffnet sich die städtische Einrichtung wieder, ein detailliertes  Hygienekonzept liegt den Plänen zugrunde.

Seit dieser Woche sind nun auch die Ensembles und Spielkreise zurückgekehrt. „Wir leben mit den Einschränkungen“, sagt der Schulleiter Ralph Schürmanns. Die etwa 1500 Schüler in den Kooperationsprojekten mit den allgemeinbildenden Schulen haben nach den Ferien ihren Unterricht ebenfalls wieder aufgenommen. „Es gibt zur Zeit recht gute Resonanz“, sagt der Chef der Musikschule. Jeder große Raum und Saal im Haus Sollbrüggen wird für den Unterricht genutzt. Aus dem Bistro ist ebenfalls eine Art Klassenzimmer geworden. Gesangsunterricht findet dort nun statt. Die Gruppenübungen für die musikalische Früherziehung sind vorsichtig angelaufen. Im Innenhof der Schule steht nun eine Waschstation für die Hände und ein Zelt gegen den Regen.

Zum Singen geht es jetzt aus dem Haus hinaus unter den freien Himmel. So soll eine Ansteckung durch Aerosole vermieden werden. Desweiteren sind die Gruppen halbiert worden. Sie wechseln sich nun im Zwei-Wochen-Rhythmus ab. Doch auch das Symphonie-Orchester muss Abstriche machen. Die Größe des Saals reicht nun in Corona-Zeiten nicht mehr aus. Die Abstände erfordern mehr Platz. So würden die Proben nun geteilt, sagt Schürmanns. Erst spielen die Bläser, dann die Streicher, oder umgekehrt. Für die Spielkreise und Bandleiter sei ein bestimmtes Hygienekonzept zu beachten. Es gibt feste Sitzplätze. Auch die Pausen- und Lüftungszeiten sind geregelt. Die Ein- und Ausgänge in den Räumen sind aufgezeichnet. „Es ist für die Kinder schon fremd, dass sie so weit voneinander entfernt sitzen“, sagt Ralph Schürmanns.   Beim Gang durchs Gebäude gilt Maskenpflicht. „Kein Kind läuft hier alleine durchs Haus“, sagt Schürmanns. „Der Lehrer holt seinen Schüler im Innenhof ab und führt ihn in den Raum.“ Dort, hinter einer Schutzwand, kann der Mund-Nasen-Schutz abgenommen werden. Ausnahme ist der Klavierunterricht.

Für das Musiktheater wurde zumindest eine kleine Abhilfe geschaffen: Das Berufskolleg Glockenspitz hat Räume für die Proben zur Verfügung gestellt. „Eine tolle Hilfe“, wie der Musikschulleiter sagt. 70 Personen sind davon betroffen. Im Normalbetrieb besuchen bis zu 574 Menschen, Schüler wie Lehrer, in einer Woche die Musikschule im Haus Sollbrüggen allein für den Bereich der Ensembles. „Die bringen ein enormes Leben hier hinein“, sagt Schürmanns. Insgesamt gibt es im Jahr 2020 bis zu 1572 Belegungen in der Musikschule an der Uerdinger Straße.   Was noch nicht geht: Chöre und Eltern-Kind-Kurse. Auch wird in den Kindertagesstätten noch kein Unterricht bei der elementaren musischen Früherziehung angeboten. Eine Freigabe sei noch nicht erfolgt, sagt Schürmanns. 770 Kindergartenkinder warten daher noch auf grünes Licht.

Ein normaler Orchester-Betrieb, Früherziehung in normaler Gruppenstärke und mit wöchentlicher Kontinuität, das Musiktheater zurück im eigenen Haus. Das wäre es, was sich Ralph Schürmanns für die Zukunft wünscht. Aber nicht nur das: „Wir sehnen uns nach Veranstaltungen.“ Zuletzt gab es das Neujahrskonzert vor neun Monaten, dann kam die Zwangspause. Auftritte für die Kinder vor Publikum, das wäre wertvoll. „Wir wollen die Kinder ja nicht nur üben lassen“, sagt Schürmanns. Corona-Fälle hat der Schulleiter in seinem Hause noch keine gehabt. Das soll auch so bleiben.