Krefelder Move-Tage: Wenn Laien auf der Bühne Tanzen lernen

Bewegung : Tänzerisches Ausprobieren auf der Bühne

Mitsuru Sasaki und Hanna Agurski leiten Laien an, die im Rahmen der Veranstaltung Move gerne Tanzen lernen möchten. Der Kurs findet auf der Studiobühne 1 der Fabrik Heeder statt.

In zwei bunt gemischten Reihen stehen sich die Frauen – in deutlicher Überzahl – und Männer am Rand der Studiobühne I gegenüber. Der Choreograph Mitsuru Sasaki fordert seine spontane Compagnie des Tanzworkshops in der Fabrik Heeder auf, zu singen.

„Muss das sein?“, fragt eine Frau mit kritischem Unterton. Doch sie hat erst einmal Glück. Denn die Reihe, zu der sie gehört, soll jetzt gar nicht singen, sondern diejenige, die gegenüber steht. Ein weiterer Teil dieser Aufgabe ist, für beide Reihen, aufeinander zuzugehen, sich in der Mitte zu umkreisen, ohne sich dabei zu berühren und dann auf die andere Seite weiter zu gehen.

Die Studiobühne ist ein idealer Platz für Bühnenerfahrung

„Das Gleiche noch mal!“ sagt Sasaki, und sofort folgt von einem Mann die hoffnungsvolle Frage: „Ohne Singen?“ Nein, es kommt sogar noch schwerer für die Teilnehmer. Denn nun sollen allein zwei Männer die Bewegungen ausführen, die zuvor im „Schutz“ der Gruppe stattfanden.

Dann sind zwei Frauen an der Reihe; eine ist so auf sich konzentriert, dass ihr die andere mit einem Finger mehrfach deutliches Zeichen geben muss, wohin sie gehen sollte. Entschieden souveräner führen anschließend zwei andere Frauen die Aufgabe des Choreographen aus. Ohne Schüchternheit singen sie „Hejo, spann den Wagen an!“, schreiten locker aufeinander zu, und in jedem Augenblick ist deutlich, dass sie miteinander kommunizieren, die eine auf die Körpersprache der anderen reagiert und umgekehrt.

Die Freude an der Bewegung ist bei diesen beiden ganz offensichtlich. Das ist auch für die Organisatorin des Tanzworkshops Dorothee Monderkamp das Wichtigste für diese Veranstaltung im Rahmen der Tanztage Move. „Außerdem ist die Studiobühne 1 der richtige Raum, einmal Bühnenerfahrung zu sammeln“, sagt sie. Vor 14 Jahren gab es bei den Krefelder Tagen für modernen Tanz das erste und bis dahin letzte Mal einen Tanzworkshop für Laien im Alter 55 plus. Die Nachfrage diesmal war für sie überraschend groß.

Rund zwei Wochen vorher war der Termin ausgebucht. Das anhaltende Interesse führte zu einer Warteliste. Doch niemand kommt davon am vergangenen Samstag zum Zuge. Den Tanzworkshop mit dem sperrigen Titel „Die Räume des Seins – Kostbarkeiten der Zeit oder Falalala“ leitet der japanische Tänzer und Choreograph Mitsuru Sasaki (Jahrgang 1944). Bereits achtmal ist er bei den Krefelder Tanztagen aufgetreten – noch 2014 mit einer Premiere als Tänzer.

Bei „Räume des Seins“ haben alle schnell die Scheu verloren

Der Workshop ist ebenso eine Premiere für ihn und die zweite Leitende, die Krefelder Gymnastiklehrerin und Tanzsoziotherapeutin Hanna Agurski (Jahrgang 1952). Sie hat das Aufwärmen der Laientänzer und -tänzerinnen übernommen. Dabei hat sie keine Aufgaben gestellt. „Mein Schwerpunkt ist eher, was kommt aus den Leuten heraus?“ Dafür hat sie nicht wie ihr Kollege auf der Bühne einen ganz leisen Klangteppich als Hintergrund für die Bewegungsaufgaben vorgegeben, sondern einen kräftigeren Musik-Mix.

„Das Thema ,Räume des Seins’ haben sie mit langsamen und schnellen Bewegungen umgesetzt. Dabei haben alle ganz schnell die Scheu verloren und sich aufeinander eingelassen“, sagt Hanna Agurski zufrieden. Währenddessen verfolgt sie im düsteren Raum der Studiobühne, wie Sasaki die Aufgaben stellt und auch den Tänzerinnen und Tänzern Anregungen sowie Hilfestellungen gibt, diese nach seinen Vorstellungen umzusetzen. Für die Tanztherapeutin ist deshalb schon klar: „Er hat doch schon ein Stück im Kopf, das er mit den Laien auf die Bühne bringen will!“

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